"Lola!!" ich rüttelte an ihrer Schulter und hoffte, dass sie gleich aufwacht, denn mein Arm ist eingeschlafen und sie liegt direkt auf meiner Schulter.
"Lola man!" Ich rüttelte etwas stärker an ihr bis sie total verwirrt zu mir hoch schaute.
"Der Film ist zu Ende und du bist kurz bevor es spannend wurde eingeschlafen." Typisch.
"Oh.. sorry. Ich kannte den eh schon." Sie setzte sich auf, streckte sich und gähnte dabei.
"Gut geschlafen?"
"Total. Deine Schulter besteht nur aus Knochen." sie massierte sich mit ihrer Hand den Nacken.
"Ich hab dich nicht darum gebeten auf meiner Schulter einzuschlafen." Ich hörte wie unten die Tür aufging und jemand rein kam. Höchstwahrscheinlich meine Mum.
"Ja, ja. Ist okay. Wie spät ist es?" Sie schaute sich im Raum um und suchte nach der Uhr.
Sie zeigte 13: 21 Uhr an.
"Oh Scheibenkleister. Ich hab gleich ein Treffen mit meiner Mum zum Essen."
Sie stand schnell auf und ging Richtung Tür.
"Uh. Okay, dann meld dich wenn du zu Hause bist, okay?" Bevor sie antworten konnte kam meine Mum uns entgegen.
"Kathy." Sie sah erschöpft aus, wie immer meist nach der Arbeit.
"Hei Miss Montgomery" Lola hob ihre Hand und winkte einmal kurz mit einem freundlichen Lächeln.
Lola gehört wirklich zu einen der sympatischsten Menschen die ich kenne. Nicht das sie jeden begrüßt sondern einfach einen immer zum lachen bringt und eine gute Laune ausstrahlt.
"Hey Lola, wie geht es deiner Mum?"
"Ganz gut. Ich gehe jetzt mit ihr zum Mittag essen." Sie fuhr fort ihre Schuhe anzuziehen.
"Oh gut. Grüß sie von mir. Und jetzt zu dir Kathy. Übermorgen müssen wir schon im Krankenhaus sein."
WAS?
"WAS!" Vielleicht schrie ich gerade etwas zu laut, aber das war mir in dem Moment egal.
Lola die gerade ihre Tasche in der Hand hatte ließ sie wegen meinem Schrei fallen. Zumindest denke ich, dass es wegen meinem Schrei war, es kann auch sein, dass sie genauso geschockt war wie ich.
"Aber..Aber ich hab doch noch 3 Tage Zeit." Wieso muss ich schon übermorgen da sein. Die Zeit ging so schnell vorbei. Meine Angst stieg noch mehr.
"Du musst schon einen Abend davor da sein, damit man alles nocheinmal kontrollieren kann und um zu sehen ob es deinem Körper soweit gut geht um eine Operation durchzuführen."
Nein.Nein.Nein.
Früher oder später muss ich eh operiert werden, aber ich würde 3 Tage bevorzugen, als schon in zwei Tagen dort zu sein.
"Aber.." ich wurde von ihr unterbrochen.
"Kein Aber. So sind die Regeln, ich kann nichts machen." Sie schaute mich etwas mitleidig an.
Ich wurde durch das Räuspern von Lola unterbrochen. Ich habe total vergessen, dass sie hier ist.
"Kathy, das schaffst du schon. Ich muss jetzt wirklich los." Mit einer festen Umarmung und einer kurzen Verabschiedung an meine Mum ging sie aus der Tür.
Ich blieb immernoch an der selben Stelle stehen und schaute völlig abwesend die Wand an.
"Alles okay? Hör mal, ich weiß, dass das alles so schnell geht, aber das ist alles nur zu deinem Besten" Sie versuchte mich aufzumuntern und irgendwo hat sie ja recht, aber irgendwo auch nicht.
Immerhin könnte mit mir dasselbe passieren wie meiner Oma.
"Ja Mum, ich weiß. Es ist nur... ich weiß auch nicht, ich denke so langsam wird die Angst und Panik einfach größer." Ich muss ihr ja nicht gleich ins Gesicht sagen, dass ich Angst davor habe in vielleicht ein paar Wochen nicht mehr da zu sein, wie bei Grandma.
"Ja versteh ich, das packst du schon. Bis jetzt hast du auch alles geschafft, du bist stark." Natürlich spricht sie nur immer Gutes, aber ob ich mich jetzt als stark bezeichnen würde, ich weiß nicht. Also nicht körperlich aber seelisch.
"Können wir es einfach lassen. Wir können es nicht ändern, das habe ich kapiert. "
Sie nickte einfach, wahrscheinlich in dem Wissen, dass weiteres Reden keinen Sinn macht und ich nur schlechter gelaunt werde.
"Hast du schon was gegessen?"
"Nein. Mir fällt gerade auf, dass ich riesen Hunger habe." Wie auf Kommando fing mein Bauch an zu knurren und meine Mum und ich gingen lachend in die Küche.
"Hast du Lust, dass wir zusammen etwas kochen?"
Meine Mutter holte schon einmal eine Pfanne und Gemüse heraus.
"Auf jeden Fall." Und meine Laune war wieder ganz oben.
Neben dem shoppen mit meiner Mum war das kochen mit ihr einer der Dinge die mir immer gute Laune machen. Ich liebe es einfach mit ihr zu kochen oder auch zu backen und dabei Quatsch zu machen und einfach Dinge zu erzählen.
"Gemüsepfanne mit Reis?"
Sie kennt mich zu gut.
"Du weißt, dass das eines meiner Lieblingsgerichte ist." Ich fing an Gemüse zu schneiden während sie einen Topf mit Wasser aufkochen ließ.
"Genau deswegen kochen wirs."
In solchen Momenten vergesse ich immer die Dinge, die mich runter ziehen und schalte alles um mich herum ab und konzentriere mich nur auf diesen einen Moment mit meiner Mum. Auch wenn wir schon öfters gekocht haben und es nichts besonderes ist, zählen doch meist die Kleinen Dinge im Leben.
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Krebs
SonstigesKathy. 16 Jahre. Besonderheit: Krebs Leben: Voller Geheimnisse, Lügen, falsche Freunde...
