Liebes Tagebuch,
7 Tage. 7 Tage bis zur Operation. Und verdammt, ich habe scheiß Angst. Ich kann diese Angst nicht wirklich erklären. Ich habe keine Ahnung was ich dazu denken soll. Es sind immernoch unbeantwortete Fragen. Alles ist anders. Anders als vorher. Vielleicht bin ich die Einzige, der das auffällt, aber die Veränderung ist da. Ich merke wie meine Freunde anders mit mir umgehen. Ich merke wie sie mir immer einen misstrauischen Blick schenken, wenn ich deren Frage 'Wie geht's dir' mit 'Ganz gut' oder 'Gut' beantworte. Ich merke, wie meine Mum morgens immer mit angeschwollenen Augen die Küche betritt und diese versucht mit Concealer zu verdecken. Oder wie mein Dad öfters zu Hause ist als sonst. Ich merke wie ich mein Leben vor dem Krebs vermisse. Ich merke, dass ich gar nicht mehr merke wie viele Tabletten ich eigentlich schlucken muss. Es ist zur Gewohnheit geworden. Und verdammt ja, ich merke, von Tag zu Tag immer mehr, dass ich Katherine Montgomery, Krebs habe. Ich werde sentimental, ja sogar dass merke ich. Ich wollte nicht so sein. Aber was soll man tun. Man kann es nicht ändern. Ich wurde damit bestraft. Aber ich denke, dass ist keine richtige 'Bestrafung'. Niemand hat ein perfektes Leben. Wirklich niemand. Da draußen gibt es Leute, denen es gut geht. Ja sogar wirklich wirklich gut. Die Leute haben Geld. Eine glückliche Familie. Ihre große Liebe gefunden und sehen 'perfekt' aus usw. Aber nein. Auch diese sind nicht perfekt. Diese Krankheit zeigt wie stark Menschen eigentlich sind. Sie sind vielleicht sentimental, aber die Stärke übertifft das Sentimentale. Ich will das nicht. Ich möchte das nicht. Aber ich kann nix dagegen tun. Ich weiß nichtmal wieso ich den Krebs habe. Vielleicht geerbt? Geht das? Ich habe sogut wie keine Ahnung woran meine Oma starb oder mein Opa. Generell, ich weiß nicht viel über die Familie meiner Mum. Aber ich muss nach vorne schauen. Ich lasse mich von soetwas nicht unterkriegen. Ich werde kämpfen.
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Ich schloss das Tagebuch.
Ja, ich habe mich entschieden Tagebuch zu führen. Wie es dazu kam?
Ich war in diesem Laden, sah dieses Buch, was etwas Antikes an sich hatte und es sprach mich sofort an. Es schrie förmlich 'kauf mich' und als ich es dann gekauft hatte, entschied ich mich, ein Tagebuch zu führen.
Vorallem wollte ich es als Erinnerung haben. An diese Zeit. Ich will nicht sowas von überzeugt klingen, dass ich das alles überstehe. Aber ich will gar nicht daran denken. Ich will einfach das Tagebuch aufklappen und das lesen, was ich geschrieben hatte. Das was ich gefühlt habe. Einfach das, was mich so nah an meine Erinnerungen bringt. Ich stelle mir vor, wie ich in meinem Bett sitze und dieses Buch in der Hand habe, und vielleicht lache, wie ich mich ausgedrückt habe. Oder mich sogar an den Tag zurück erinnere, als ich diesen Eintrag schrieb. In welcher Situation ich war. Nun ja. 7 Tage nun. Meine Gefühle habe ich nun im Tagebuch frei gelassen, aber wie ich mich kenne, wird es bestimmt nichts tägliches sein. Aber ich hoffe ich schaffe es, es täglich aufzuklappen und etwas reinzuschreiben. Sei es auch etwas kleines.
Ein Klopfen an meiner Tür, lässt mich aufschrecken und schnell verstecke ich mein Tagebuch unter meiner Matratze.
'Herein' rufe ich und setze mich auf mein Bett.
'Hei Schatz, wie geht es dir?' fragt meine Mutter.
Heute sieht sie eindeutig besser aus, als die Tage davor. Nach dem ich mich von meinen Freunden verabschiedet habe und sie gegangen sind, natürlich nachdem mich jeder, gefühlte 10 Minuten umarmt hat, ging ich in mein Krankenzimmer und das übliche Ärztegelabere fing wieder an. Aber ich habe mich gezwungen meine Augen offen zu halten und interessiert auszusehen, trotz meiner riesen großen Müdigkeit.
Danach wurde ich entlassen und mein OP-Termin wurde mir davor noch gesagt.
Irgendwo war ich froh, dass ich 7 Tage Zeit hatte, um mich darauf vorzubereiten. Aber irgendwas in mir, wollte es ganz schnell hintersich haben. Falls es ein 'Danach' gab.
'Ganz gut, schätze ich. Nur halt bisschen müde.'
'Hast du deine Tabletten genommen.' fragte sie, wie jeden Abend.
Mit einem Nicken, beantwortete ich Ihre Frage, und danach war es still.
Anscheinend wurden die Hände meiner Mum für sie sehr interessant und für mich meine lila Wand.
'Mum? Kann ich dich was fragen?'
'Klar Schätzchen, was ist
'An was starb eigentlich Oma?'Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Ich konnte ihn nicht deuten, aber es gefiel mir nicht. Ich konnte mich selber schlagen, denn irgendetwas sagt mir, dass ich das nicht hätte fragen soll, aber ich war nun mal Neugierig. Erinnerungen an meiner Oma hatte ich nicht wirklich. Ganz verschwommen habe ich noch ein Bild, wie sie an meinem 8. Geburtstag kam und mir diese Kette mit einem 'K'-Anhänger schenkte.
'Kathy... deine Oma, meine Mutter, starb an Krebs...'
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Krebs
CasualeKathy. 16 Jahre. Besonderheit: Krebs Leben: Voller Geheimnisse, Lügen, falsche Freunde...
