Ich weiß nicht was ich machen soll.
In meinem Kopf, war zwar jetzt etwas drinne, aber immer wenn ich anfing über das ganze Thema Familie zudenken, kann ich nicht gescheit denken. Zu viele Informationen schwirrten in meinem Kopf herum, die einfach keine Ordnung haben.
Nach weiteren 20 Minuten indenen ich nur dumm auf einen Punkt glotzte, entschied ich mich wieder einen Tagebucheintrag zu schreiben.
Die Lust dazu fehlt mir eigentlich, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Vielleicht hilft mir das auch einen klaren Gedanken zu fassen.
Ich rutschte bis hin zu meiner Kopflehne von meinem Bett und griff unter die Matratze. Ich lehnte mich an das Ende des Bettes mit angewinkelten Beinen und das Tagebuch auf den Oberschenkeln. Ich zog den Stift an der Seite heraus und fing an zu schreiben.
Liebes Tagebuch,
...
...
...Es kam einfach nichts. Ich hatte keine Ahnung was mit mir los war.
Ich schaute mich in meinem Zimmer um und sah meine geliebte Duftkerzensammlung. Mit einem Lächeln legte ich mein Tagebuch zur Seite und machte mich auf den Weg zur Kommode, auf der obendrauf meine Kerzen standen.
Mit 12 habe ich angefangen diese zu sammeln. Ich liebe sie und sie beruhigen mich einfach. Außerdem riechen die logischerweise verdammt gut und die meisten sehen auch echt schön aus. Ich entschied mich heute für eine die nach Vanille und Macadamia roch. Ich nahm sie und ging zurück zu meinem Bett, wo ich die Kerze auf meinen Nachttisch legte und das Feuerzeug aus der Schublade rausholte und sie anzündete.
Nach paar Sekunden, stieg mir der wundervolle Geruch in die Nase und sofort entspannte ich mich.
Ich legte mich zurück und nahm wieder das Tagebuch in die Hand. Bewaffnet mit dem Stift versucht ich nun voller Elan diesen Eintrag zu schreiben.
Ich atmete noch einmal den beruhigenden Duft ein und setzte den Stift an.
heute war, mal wieder, kein leichter Tag. Ich dachte heute würde ein schöner Mutter-Tochter-Tag werden, was auch bis zum Mittag so war. Doch nachdem plötzlich ein älterer Mann vor unserem Auto stand, war alles nurnoch beschissen. Der alte Mann ist mein Opa, der eigentlich tot sein sollte, meiner Mum nach, doch meine Mum hat mich angelogen und ich habe die Wahrheit erfahren und nun sitzen Mum und Grandpa unten und reden. Und natürlich bin ich wieder die Bescheuerte die keinen klaren Gedanken fassen kann. Mein Kopf schlatet total ab wenn ich versuche darüber nachzudenken. Beziehungsweise ist alles nur in einem Wirrwarr und das alles ergibt keinen Sinn. Irgendwie fühle ich mich total überfordert und fühle mich auch verarscht. Dazu kommt, dass ich jetzt einfach nochmehr Angst habe, vor der Operation und ich einfach immer erschöpfter werde. Ich fühle mich ausgelaugt und irgendwie denke ich auch, das dass an den Tabletten liegt.
Weiter kam ich wieder nicht. Ich bekam Kopfschmerzen und alles um mich herum wurde einfach interessanter, nur dieser Eintrag nicht. Außerdem ist der Eintrag echt shit geworden und so langsam werde ich echt unzufrieden mit mir.
Genau jetzt schnellte mir eine Frage in den Kopf.
Wieso?
Wieso ich. Wieso jetzt. Wieso muss das alles mir passieren. Eigentlich sollte das Keinem passieren, nur das Ding ist, dass man nicht immer an Andere denken kann.
Es hört sich vielleicht egoistisch an oder einfach arrogant, aber ich werde immer deprimierter. Mein Leben war einfach echt gut, vor dem Ganzen hier.
Ich war glücklich.
Ich war zufrieden.
Ich war Ich.
Das denke ich zumindest.
Wer bin Ich überhaupt?
Bin ich die Person die ich jetzt bin, oder bin ich die Person die ich davor war.
Heute und Jetzt bin ich wirklich unglücklich und wirklich unzufrieden.
Das Gegenteil von früher.
Muss das wirklich passieren.
Ich habe mal mitbekommen, wie es ein paar Leuten aus meiner Schule schlecht ging. Sie gingen Anderen aus dem Weg, sie guckten ausdruckslos immer auf einen Punkt und sind nie bei der Sache. Früher habe ich das nie verstanden. Ich war glücklich und konnte mich nicht wirklich in deren Situation hineinversetzen.
Doch jetzt.
Jetzt kann ich das verdammt gut. Das denke ich zumindest.
Wieso, wieso, wieso.
Ich habe keine Lust mehr. Vielleicht übertreibe ich auch. Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich so nicht leben will. Ich will etwas ändern, aber ich weiß nicht ob es viel Sinn macht, wenn ich nicht mal weiß ob es mich noch in einer Woche gibt.
Was soll das Ganze.
Ich merkte langsam wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete und es mir schwer fiel richtig zu atmen.
Dafür, dass ich kurz davor nicht richtig denken konnte, dachte ich gerade eindeutig viel zu viel nach.
Da sind wir wieder. Die Unzufriedenheit.
Ich weiß kaum noch wie es war, zufrieden mit sich zu sein.
Ich habe echt keine Lust mehr darüber nach zu denken. Vorallem, da ich gemerkt habe, dass ich weine. Was etwas untertrieben ist. Ich schluchze vor mich hin wie eine Verrückte und habe Probleme zu atmen.
Irgendwie fühle ich mich wie in einem falschen Film.
Ganz am Anfang meiner Krankheit, habe ich das etwas locker genommen. Die Chance stand immerhin hoch, ihn zu besiegen, aber jetzt...
Jetzt fühle ich mich wie ein Wrack. Mir kommen echt nur noch die schlechten Momente in den Kopf.
Die Guten sind irgendwo in einer Ecke, in einer Kiste gepackt, wo ganz fett draufsteht 'Unwichtig'.
Doch diese brauche ich gerade. Aber da kommt einfach nichts.
Fragen..Fragen...Keine Antworten...
Ich habe es satt zu denken.
Ich stand auf und lief zu meinem Kleiderschrank. Dort zog ich mir eine Jogginghose an und ein lockeres schwarzes T-shirt wo 'Ramones' draufstand.
Ich schlürfte zurück zu meinem Bett und ließ das Tagebuch wieder unter der Matratze verschwinden.
Obwohl ich versucht habe immer zu schreiben, habe ich jetzt schon die Lust daran verloren. Ich hoffe einfach, dass es nur an heute liegt und dass es besser wird.
Ich ging noch schnell meine Tablette nehmen, die mich ganz und gar nicht an meine Situation erinnern, man bemerke die Ironie. Letztendlich pustete ich die Kerze aus und ließ mich auf mein Bett fallen.
Mir ist gerade wirklich egal was jetzt mit Mum ist oder mit Grandpa oder ob schon Dad da ist, und auch egal ob Dad wusste das Mum mich angelogen hat oder der Rest.
Von der einen zur anderen Sekunde wurde mir alles hier und jetzt egal und ich wollte nichts sehnlicheres als einzuschlafen. Es war nicht gerade spät, aber ich wollte einfach meine Ruhe und einschlafen.
Eine Flucht vor meinen Gedanken.
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Krebs
RandomKathy. 16 Jahre. Besonderheit: Krebs Leben: Voller Geheimnisse, Lügen, falsche Freunde...
