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Kennt ihr den Spruch:
Wenn Blicke töten könnten?

Leider ist er bei mir nicht nur ein Spruch, sondern pure Realität.

Hey ich bin Harper und meine Blicke sind tötlich.

Meine 'Kraft' tritt dann auf, wenn ich sehr wütend werde, meistens ist es wegen einer Person, die ich dann 'Tot sehen will'. ( Ich hoffe ihr wisst was ich meine.)

Das so etwas nicht passiert, trage ich soetwas ähnliches wie eine Armbanduhr, die ständig meinen Puls misst und Alarm schlägt, wenn er in die Höhe schnellt. Dann versuche ich mich zu beruhigen und meine Wut zu zügeln.

Deswegen schwänze ich meistens die Schule, weil es dort einfach zu viel gibt, was mich aufregen könnte. Dann gehe ich meistens in einen Park und Ruhe mich aus oder mache dort Sport.

Meine Eltern wissen zum Glück nicht, dass ich die Schule oft schwänze, aber sie bekommen mit, dass meine Noten immer schlechter werden. Sie fragen mich immer wieder, warum ich die Schule so vernachlässige, aber ich kann ja schlecht sagen

Ich schwänze die Schule, weil es sein kann, dass ich dann Leute ausversehen umbringe, weil mein Blick tötlich ist. Aber keine Sorge, nur wenn ich wütend bin, kann das passieren.

Sie würden mich dann in eine Psychiatrie bringen und mich dort drinnen versauern lassen, weil sie denken, ich wäre verrückt. Oder mich sonst wohin schicken.

Wie man raushören kann, wissen meine Eltern nicht, dass ich diese 'Kraft' habe und ich werde es ihnen auch nicht sagen.

Wenn ihr jetzt denkt, was meine Freunde denken, ich habe keine. Ich habe sie vor vielen Jahren weggestoßen, damit sie nicht in Gefahr sind.

Viele denken jetzt, es wäre ein Segen oder so, aber ich empfinde es als Fluch.

Meistens werde ich in der Schule ignoriert, zumindest war es früher so, heute, wenn ich mal komme, werde ich respektiert. Hört sich schwierig an zu glauben, ich weiß.

Ich weiß, es wird irgendwann herauskommen, dass ich diese 'Kraft' habe, aber solange es noch keiner weiß, verhalte ich mich 'normal'.
Ich will nicht in irgendein Labor und als Experiment enden.

Obwohl ich mich schon damit abgefunden habe, weil es irgendwann so sein wird. Es kann nicht anders kommen. Das ist mein Schicksal.

Ich werde in einem Labor als Experiment dienen und ich werde dort auch höchst wahrscheinlich sterben.

Dass alles macht mir keine Angst mehr, denn ich weiß, dass es keinen Ausweg davon gibt und es ist okay so, wie es kommt. Ich werde auch keine Trauer empfinden, wenn ich meine Familie verlassen muss, oder eher keine andere Wahl habe.

Meine Eltern wollen die perfekte Tochter, aber die bin ich nicht. Ich kann es nicht ändern, wie ich geboren wurde!

Ja, ich wurde damit geboren, aber meine 'Kraft' erschien erst als ich 14 wurde. Jetzt bin ich 17 und lebe schon drei Jahre damit und kann immernoch ganz 'normal' Leben.

Was denkt ihr, wie ich den bitte einen Beruf erlangen soll? In einem Beruf gibt es so viele Dinge, die Wut hervorbringen können. Wie stellt ihr das euch denn vor? Ich sitze in einem ganz normalen Büro und arbeite, auf einmal stürtzt mein Computer zum zehntenmal diese Woche ab. Ich habe es dem Chef schon mindestens dreimal gesagt und er hat immernoch nichts unternommen. Ich gehe in sein Büro und sage es ihm und er sagt mir das gleiche wie schon in den letzten Tagen. Ich werde wütend, und zack, ist der Chef tot. Dann kommt auch noch ein Praktikant rein, und verschüttet ausversehen den Kaffee über mir, dem er dem Chaf holen sollte. Erneute Wut, und zack Praktikant tot.
Zwei Tote an einem Tag, das wäre schlimm! Stellt euch das vor und dann sagt mir, dass das alles nicht schlimm ist!

Ich habe mich heute entschlossen, in die Schule zu gehen, einfach nur, um die Lehrer zu nerven. Wenn ich schon ruhig bleiben muss, warum sollten es die Lehrer auch sein? Also laufe ich jetzt gerade in die Schule hinein.
Die Gänge sind wie leer gefegt, weil ich eine halbe Stunde zu spät zur ersten Stunde komme.

Früher wurde ich gemobbt und als Streberin bezeichnet, welche ich auch war, aber seit den drei Jahren hat sich einiges verändert. Ich habe die Pullover mit Kragen und die anderen Klamotten, die alle in fröhlichen Farben waren weggeworfen und habe mir neue besorgt. Ich habe dunklere Kleidung gekauft, und welche, die auch zu meinem 'neuen' Ich passten.
Heute habe ich zum Beispiel eine kurze schwarze Shorts an und ein dunkelblaues Spitzentop.

Ich laufe in das Klassenzimmer ohne zu klopfen, was den Lehrer schon etwas aufregt und setzte mich auf meinen Platz ganz hinten. Ein paar Schüler schauen neugierig und verwirrt drein. Die Schulbitches schauen genervt und wütend. Nicht meine Schuld denke ich und grinse böse drein.

Ich denke gerade an mein erstes Mal als das 'neue' ich in die Schule kam.

Flashback

Ich laufe ganz normal in die Schule hinein. Alle schauten mich verwirrt an, weil ich andere Kleidung trage als sonst. Heute habe ich ein enges dunkelgraues Oberteil und eine schwarze Jogginghose dazu an. Ich ignoriere die Blicke, die mir folgen und laufe auf meinen Spind zu. Sie schauen mir alle hinterher, wegen einer schlimmen Geschichte, und weil ich lange nicht mehr in der Schule war. Ich glaube so für zwei Monate. Ich hole nur einen Block und einen Stift heraus, und will den Spind gerade zu machen, als er zugeschmissen wird.

Die Schulbitches, wie ich sie nenne, stehen neben meinem Spind und schauen mich provokant an, worauf ich ihnen genauso entgegenschaue. Sie schauen kurz verwirrt, doch sie fangen sich gleich wieder und schauen mein Outfit an.
"Heute mal etwas anderes oder was, Streber?" fragt mich die Anführerin, Avery.
"Nenn mich noch einmal so, und du wirst es büßen." antworte ich ihr leicht wütend und gehe einen Schritt auf sie zu. "Ach ja?" fragt sie provozierend, aber ich kann leichte Furcht in ihren Augen sehen. "Ja." gebe ich ihr gelangweilt, aber dennoch ernst zurück. Damit laufe ich an ihr vorbei und dem ganzen noch etwas draufzusetzen, werfe ich meine Haare nach hinten. Ich höre nur noch einen abfälligen Ton und schon war ich verschwunden.

Danach ist eigentlich nichts groß mehr passiert. Leider war ich da noch ein bisschen zu brav, um die Lehrer wütend zu machen, aber das ging mit der Zeit weg.

Flashback Ende

"Ah, Miss Harper, schön Sie wieder zu sehen" begrüßt mich der Lehrer ironisch. "Hallo Mister Benjamin , ich finde es auch schön Sie zu sehen." antworte ich gleich ironisch. Ich habe Mister Benjamin Miller extra mit Vornamen angesprochen, um ihn gleich ein bisschen zu reizen, und es funktioniert hervorragend.
"Miss Harper, ich sag es Ihnen ein letztes Mal, nennen Sie mich nicht beim Vornamen."
"Ach kommen Sie Benjamin, seien Sie nicht so." sage ich und grinse ihn provozierend an.
"Ihre beste Schülerin ist zurück!" gebe ich noch hinterher.
"Harper, du warst meine beste Schülerin und das ist schon längst vorbei." antwortet er leicht wütend.
"Benjamin, Sie haben das Miss vergessen. Ich heiße Miss Harper und nicht Harper. Vorallem hier bei den Lehrern." Ich seufze entrüstet aus.
"Und dass Sie mich so beleidigen. So etwas ist wirklich inakzeptabel. Ich wette mit Ihnen, ich war ihre beste Schülerin, und finde es beleidigend, dass Sie mich fast als dumm darstellen. So etwas lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich gehe zum Direktor und rede mit ihm darüber, dass Sie einfach nicht hier her gehören." sage ich gespielt entäuscht. Ich schaue ihn nocheinmal an und stehe auf, nehme mein Zeug mit und will gerade durch die Tür gehen, als er spricht.

"Warten Sie Miss Harper, bleiben Sie doch. Sie sind nicht dumm, sondern sehr klug und ich bin froh, Sie hier in meinem Unterricht zu haben." sagt er leicht angesäuert, doch in einem entschuldigendem Ton. Ihr Fragt euch jetzt bestimmt, warum er mich nicht zum Direktor lässt. Tja, ich kann euch nur sagen, ich bin sehr überzeugend und habe schon einer meiner Lehrer so aus dieser Schule geschmissen. Ich grinse vor mich hin, doch als ich mich wieder umdrehe verschwindet es und ich schaue skeptisch.
"Bist du dir da wirklich sicher, Benjamin?" Frage ich ihn ernst.
"Ja." antwortet er mir darauf nur. Ich zucke mit den Schultern und gehe wieder an meinen Platz. Benjamin fährt mit dem Unterricht fort, doch ich höre nicht zu.

Einer von vier Lehrern geschafft, sage ich stolz in Gedanken. Jetzt muss ich nur noch drei wütend oder eher angepisst machen, und dann ist meine Mission für die nächsten Wochen erledigt.

Experiment Nummer 143Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt