Kapitel 18
Wie erwartet war das Essen, das sein Vater von einem Sternerestaurant hatte kommen lassen, ausgezeichnet. Es gab Truthahn mit diversen Füllungen, Rosmarinkartoffeln, Gemüse, selbstgemachtes Brot und auch ein oder zwei traditionelle italienische Gerichte, die zwar nichts mit Thanksgiving zu tun hatten, die sein Vater aber jedes Jahr auftischte, weil sie ihn angeblich an seine Heimat erinnerten. Toni wusste, dass das Unsinn war. Sein Vater war genau wie er in New York geboren und aufgewachsen und war vielleicht drei Mal in Italien gewesen. Alles nur Show, dachte Toni, als er seine Servierte auf den Tisch legte und zusammen mit den anderen aufstand. Das Essen war vorbei und während das Servicepersonal abräumte, verteilten sich die Mitglieder der Cosa Nostra auf den Salon, den Flur und die Bibliothek.
Sein Vater würde in seinem Büro Hof halten, aber Toni hatte nicht vor, auch nur einen Fuß dort hinein zu setzen. Er nahm sich einen Drink vom Sideboard und stellte sich zu Marcus an den Kamin im Salon. Sie unterhielten sich eine Weile, bis einer der Capos sich dazu stellte und Marcus in ein Gespräch verwickelte. Toni entschuldigte sich, goss sich einen neuen Drink ein und wollte gerade zu Lucas Vater gehen, um ihn nach Luca zu fragen, als sein Onkel an seiner Seite auftauchte. Für einen Moment griff ein Fluchtreflex nach ihm und Tonis Augen suchten die nächste Tür, doch bevor er Reißaus nehmen konnte, fing sein Onkel auch schon ein Gespräch an.
„Da habt ihr euch ja ganz schön was geleistet, bei den Yakuza." Sein Onkel lachte gehässig und nahm einen Schluck Whiskey.
„Es ist vielleicht nicht ganz optimal verlaufen", sagte Toni und wünschte sich, er könnte seinen Onkel einfach stehen lassen.
„Das ist wohl die Untertreibung des Jahres. Dein Vater war richtig wütend, das kannst du mir glauben, Bursche."
Ich bin nicht dein Bursche, dachte Toni verärgert, doch er zuckte nur mit den Schultern. „Die Sache ist erledigt."
„Hmm", machte sein Onkel und sah ihn lange an. „Ich habe deinen Vater überredet, dich diesmal laufen zu lassen. Das hast du mir zu verdanken. Außerdem haben wir uns um Doc Johnson gekümmert. Nur, dass du es weißt."
Toni merkte, wie ein Schauder über seinen Rücken lief. Wenn sein Onkel sagte, man habe sich um den Arzt gekümmert, konnte das nur eines bedeuten. Er fragte lieber nicht nach Details. Wenigstens wusste er jetzt, warum ihn sein Vater nicht zu der Sache mit den Yakuza verhört hatte. Aber wenn sein Onkel nur eine Sekunde meinte, dass Toni ihm glaubte, dass Frank irgendetwas für ihn getan hatte, hatte er sich geschnitten. Warum auch immer sein Onkel für ihn interveniert hatte – wenn es denn so war – musste einen anderen Grund haben. Als er nicht antwortete, setzte sein Onkel das Gespräch fort. „Das war ja ziemliches Glück, dass du diesen anderen Arzt kanntest. Der, der den jungen Rossi dann zusammengeflickt hat."
Als sein Onkel Henry erwähnte, hielten seine Finger sein Glas so fest, dass es fast schmerzte. Toni würde nicht über Henry reden, sein Onkel sollte nicht einmal an ihn denken. Es war viel zu gefährlich. Um das Thema schnell abhaken zu können, nahm Toni einen Schluck und sagte lapidar: „Er ist nur Pfleger, kein Arzt, aber es hat gereicht."
„War das derselbe, der bei dir im Krankenhaus war, als dieses Arschloch dir den Arm aufgeschlitzt hat?"
Scheiße...Toni fühlte sich, als ob ihm ein Messer in den Magen gerammt worden war. Woher wusste sein Onkel, dass Henry bei ihm gewesen war, als seine Wunde im Krankenhaus genäht worden war? Außer Luca war niemand in der Gasse gewesen. Hatte Luca etwas erzählt? Nein, das glaubte er nicht. Luca redete nicht mit seinem Onkel, Luca hasste seinen Onkel, nach dem, was er ihm angetan hatte. Aber wie dann? Als er nicht sofort antwortete, verengten sich die Augen seines Onkels misstrauisch.
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Corleone - Anthony & Henry
RomansaAnthony ist klug, sportlich, reserviert, liebt seine Designeranzüge und...ist in der Mafia. Nicht nur das, er ist der Sohn des Mafiabosses. Und er ist schwul. Was für ihn kein Problem ist, für die Mafia aber schon, denn Homosexualität ist eine Sünde...
