Kapitel 25

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Kapitel 25

In der Nacht vor dem Drogendeal konnte Toni nicht schlafen. Er lag neben Henry in dessen schmalem Bett und starrte an die Decke. Sie hatten sich stürmisch geliebt, als ob es das letzte Mal sein würde, dass sie einander berühren, einfach zusammen sein konnten. Kurz nach Mitternacht war Henry eingeschlafen, doch Tonis Gedanken drehten sich einfach immer weiter. Er sehnte sich danach, dass es endlich vorbei war. Das Warten auf etwas, dem man nicht entfliehen konnte, war furchtbar.

In dem schwachen Licht der Straßenlaternen drehte er den Kopf und sah zu Henry. Seine blonden Haare waren ihm in die Stirn gefallen und seine Lippen waren leicht geöffnet. Langsam, um Henry nicht zu wecken, strich Toni ihm die Haare aus der Stirn. Henry sah so friedlich aus, wenn er schlief. Bei dem Anblick zog sich Tonis Magen zusammen. Was, wenn morgen etwas schief ging? Wenn das FBI Henry nicht glaubte oder wenn es ihn verhaftete? Was, wenn die Kolumbianer das FBI bemerkten? Was, wenn....

Toni atmete tief durch und legte seine Hand auf die Augen. Nein, er durfte sich nicht verrückt machen. Dann würde er durchdrehen. Alles würde gut gehen, daran musste er einfach glauben. Er musste für Henry stark sein. Als sich sein hämmerndes Herz langsam beruhigte, drehte er sich zur Seite und schmiegte sich an Henry. Der murmelte etwas, doch er wachte nicht auf. Toni schloss die Augen, atmete Henrys unverwechselbaren Duft ein und versuchte, wenigstens noch ein paar Stunden zu schlafen.

Als er am nächsten Morgen aus der Dusche stieg und sich anzog, fühlte er, wie sich Kopfschmerzen hinter seinen Schläfen ausbreiteten. Er hatte keinen Schlaf gefunden und die ganze Nacht wachgelegen und über den heutigen Tag nachgedacht. Aber wenn Toni dachte, dass er schlecht aussah an diesem Morgen, sah Henry aus, als ob er sich jeden Moment übergeben musste. Beim Frühstück brachte er kaum etwas herunter und er sah immer wieder auf die Uhr, bis Toni seine Hand auf seinen Arm legte. „Wir haben noch Zeit", sagte er und strich Henry sanft über den Arm. „Hier, ich habe etwas für dich."

Toni ging zu seiner Jacke und holte ein in Geschenkpapier gewickeltes Päckchen hervor, sowie einen braunen Umschlag. Er überlegte kurz, dann streckte er Henry den Umschlag hin.

„Was ist das?" fragte Henry und sah hinein. „Ein Pass? Und Flugtickets?"

„Nur für den Fall", sagte Toni. Als Henry den Pass öffnete und ihn dann verwirrt ansah, erklärte er es ihm. „Ich habe einen Freund um einen Gefallen gebeten. Wenn heute Abend alles zum Teufel geht, wenn unser Plan nicht aufgeht, dann will ich, dass du diesen Pass benutzt und aus New York verschwindest." Henry begann den Kopf zu schütteln, doch Toni ließ ihn nicht zu Wort kommen.

„Henry, wenn alles schief geht, wird mein Vater dich jagen. Und mein Onkel Frank auch. Und wenn einer von beiden dich findet, werden sie dich umbringen." Henrys Augen weiteten sich und er wurde noch blasser. „Ich möchte dir keine Angst machen, Henry, aber das sind nun einmal die Tatsachen. Sie wissen wie du heißt, wo du wohnst und vermutlich auch, wie du aussiehst. Mein Vater wird Leute zu den Bahnhöfen, Busbahnhöfen und Flughäfen schicken. Du musst schneller sein als er. Wenn du bis zum vereinbarten Zeitpunkt nichts von mir gehört hast, gehst du zum Flughafen, benutzt dieses Ticket und diesen Pass und verschwindest von hier."

„Aber Toni, das kann ich doch nicht machen", sagte Henry und deutete auf den Pass. „Das bin ich nicht."

„Doch, das bist du." Toni deutete auf den Pass. „Ab morgen heißt du Henry Christopher Wright, zumindest, wenn heute Abend alles schief geht."

Henry sah sich den Pass an und Verwirrung und Angst spiegelten sich in seinem Gesicht. „Aber, wo soll ich denn hin? Was soll ich dann machen?"

„Ich habe ein Konto auf deinen neuen Namen eingerichtet. Darauf ist genug Geld, dass du dir keine Sorgen um das Finanzielle machen musst. Du kannst das Geld überall auf der Welt abheben. Ich habe auch dafür gesorgt, dass du Universitätsabschlüsse auf deinen neuen Namen erhältst, damit du weiter studieren kannst. Aber die sind noch nicht fertig. Mein Kontakt wird dich kontaktieren." Er streckte Henry ein Wegwerfhandy hin. „Hier, unter dieser Nummer wird er dich kontaktieren. Gib diese Nummer niemanden, in Ordnung? In der Notizen App stehen die Webseiten der Banken, bei denen ich Konten eröffnet habe, sowie die Kontonummern und Passwörter."

Corleone - Anthony & HenryGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt