Kapitel 21

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Kapitel 21

Es war früher Nachmittag als Toni die Tür zu Henrys Wohnung aufschloss. In einem Arm hielt er eine Papiertüte mit Süßigkeiten und Knabberzeug, in der anderen den portablen Beamer aus seiner Wohnung. Als kleine Überraschung für Henry wollte er einen Kinoabend veranstalten, mit einem guten Film, leckerem Essen und zum Abschluss – zumindest wenn alles so lief wie geplant – heißem Sex.

Da Henry noch bis vier Uhr eine Vorlesung hatte, bereitete Toni in Ruhe alles vor. Er hängte ein Bild von der Wand über dem Fernseher ab, damit er eine weiße Fläche für das Bild des Beamers hatte, dann verkabelte er alles und testete die Anlage. Das Bild war etwas körnig, aber Toni war zufrieden. Er ging in die Küche um die Snacks auszupacken, die er besorgt hatte. Als er die Tüten vom Küchentresen hob fiel ein kleiner weißer Zettel auf den Boden. Er hob ihn auf und sah, dass es eine Visitenkarte war. Ihm stockte der Atem, als er die drei unmissverständlichen Buchstaben las: „FBI". Darunter stand „Special Agent J. McNamara, Spezialeinheit organisiertes Verbrechen". Dazu eine Telefonnummer und eine E-Mailadresse.

Für einen Moment starrte Toni wie versteinert auf die Visitenkarte in seiner Hand. Dann fingen seine Gedanken an zu rasen. Agent McNamara, das was derselbe Agent, der im Corleone gewesen war. Der Agent, mit dem sein Onkel Frank zusammenarbeitete. Wie kam diese Visitenkarte hierher? Was hatte das zu bedeuten? Toni drehte die Karte um, als ob auf der Rückseite zu lesen sein würde, warum sich die Karte in Henrys Wohnung befand, aber die Rückseite war leer. Die Puzzlesteine fügten sich langsam zusammen. Es konnte nur einen Grund dafür geben, dass diese Visitenkarte hier war. Henry musste sie hierin gelegt haben. Er musste sie von Agent McNamara erhalten haben, weil er mit ihm gesprochen hatte. Mein Gott, was hatte McNamara Henry erzählt?

Toni holte sein Handy aus der Tasche, ließ es in seiner Aufregung beinahe fallen und wählte Henrys Nummer. Es sprang sofort die Mailbox an. Obwohl er wusste, dass es nichts bringen würde, legte er auf und wählte noch einmal. Wieder die Mailbox. „Henry, hier ist Toni. Ruf mich bitte sofort an, wenn du das abhörst."

Sein Herz pochte so heftig, dass er seinen Herzschlag bis in den Magen spüren konnte. Er öffnete sein Nachrichtenprogramm. Henry hatte ihm nicht geschrieben und er konnte sehen, dass er das letzte Mal am frühen Morgen online gewesen war, etwa um die Zeit, als Toni die Wohnung verlassen hatte. Es war ungewöhnlich, dass Henry den ganzen Tag nicht online war. Tonis Finger schwebten über den Tasten, aber er wusste nicht, was er schreiben sollte. Was, wenn das FBI Henrys Telefon überwachte? Er hätte die Mailbox nicht besprechen sollen, dachte er, doch das konnte er nicht mehr ändern. Aber wenn das FBI Henrys Telefon wirklich überwachte, dann könnten sie alle Nachrichten sehen, die sie sich in den letzten Wochen geschrieben hatten. Verdammt! Natürlich hatte Toni nichts über die Mafia geschrieben, aber allein die Tatsache, dass das FBI vielleicht wusste, dass er und Henry eine intime Beziehung hatten...Sie würden ihn damit erpressen können. Und Frank...wenn dieser McNamara es wusste, dann wusste Frank es auch.

Während Toni nachdachte, was er Henry schreiben konnte, dass unverfänglich genug war, fiel sein Blick auf den Rucksack, der neben der Couch stand. Toni runzelte die Stirn. War Henry ohne seinen Rucksack zur Vorlesung gegangen? Er hob den Rucksack hoch und sah hinein. Bücher, Laptop, Papiere, alles da. Henry war ganz offensichtlich nicht in der Universität. Aber wo war er dann? Schnell sah sich Toni in der Wohnung um. Henrys Telefon, Geldbeutel, Jacke und Schlüssel fehlten. Also war Henry weggegangen. Er musste McNamara getroffen, die Visitenkarte hier hingelegt und dann die Wohnung verlassen haben.

Warum hatte Henry nicht angerufen oder eine Nachricht geschickt? Toni begann, panisch zu werden. Was, wenn das FBI Henry mitgenommen hatte? Wenn er verhaftet worden war? Aber warum sollte dann hier eine Visitenkarte liegen? Nein, es war wahrscheinlicher, dass Henry freiwillig weggegangen war. Wo könnte er sein? Toni dachte kurz nach, dann schnappte er sich seine Schlüssel. Leonora...sie war Henrys beste Freundin. Wenn er tatsächlich vom FBI befragt worden war und sie ihm erzählt hatten, wer Toni wirklich war, dann wäre es nur logisch, dass Henry zu Leonora gefahren war. Er schmiss die Tür hinter sich zu und rannte die Treppen hinunter. Da er immer noch nicht Leonoras Telefonnummer hatte, blieb ihm nur eines, nämlich zu ihrer Wohnung zu fahren.

Corleone - Anthony & HenryGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt