Kapitel 19
Toni verbrachte den Abend im Corleone. Da es Black Friday war gab es alle Getränke zum halben Preis und der Club war rappelvoll. Doch obwohl Toni genug zu tun hatte, schließlich sollte er den Club in etwa einem Monat an seinen Nachfolger übergeben, konnte er sich nicht konzentrieren. Immer wieder nahm er sein Handy in die Hand und überprüfte, ob Henry seine Nachrichten gelesen hatte. Gegen zehn hielt er es nicht mehr aus und rief Henry an. Es klingelte und klingelte aber Henry ging nicht dran. Als sich die Mailbox einschaltete legte Toni auf. Wenn er doch nur Leonora um ihre Nummer gebeten hätte, dann könnte er sie jetzt anrufen und fragen, ob mit Henry alles in Ordnung war. Aber er hatte ihre Nummer nicht und zu ihr fahren wollte er auch nicht. Wie würde das denn aussehen, wenn er einfach so bei ihr aufkreuzte und nach Henry fragte?
Auf der anderen Seite hatte Toni seit zwei Tagen kein Lebenszeichen von Henry gehabt. Und Henry hatte seine Nachrichten auch nicht gelesen. Unzählige Erklärungen gingen ihm durch den Kopf, doch keine war zufriedenstellend. Frustriert und besorgt schwor sich Toni am nächsten Morgen zu Henrys Wohnung zu fahren, wenn er bis dahin nichts von ihm gehört hatte. Bevor er sein Büro gegen Mitternacht verließ rief er noch einmal bei Henry an. Diesmal ging direkt die Mailbox dran. Entweder war Henrys Akku leer, er hatte keinen Empfang oder das Handy war ausgeschaltet. Diesmal sprach er auf die Mailbox und bat Henry ihn anzurufen, wenn er die Nachricht abhörte.
Dann fuhr er nach Hause, wo ihn eine dunkle und einsame Wohnung erwartete. Er schlief unruhig und wachte mehrfach auf, weil seine Gedanken keine Ruhe finden wollten. Als am Morgen die Sonne aufging und er in den blassgrauen Himmel sah, hatte sich sein Magen zu einem festen Knoten zusammengezogen. Verdammt, er machte sich wirklich schreckliche Sorgen um Henry. Was, wenn etwas passiert war? Er überprüfte sein Telefon, doch es gab keine Nachricht von Henry und er hatte seine Nachrichten auch immer noch nicht gelesen. Er duschte und zog sich an, dann schnappte er sich seine Schlüssel. Die Zeit des Wartens war vorbei.
Als er endlich Henrys Wohnung erreicht hatte verließ gerade ein Bewohner das Haus und er sprintete beinahe die Treppe hoch. Er klopfte. Als niemand öffnete, hämmerte er mit der Faust gegen die Tür.
„Henry? Ich bin es, Toni."
Er meinte ein Geräusch hinter der Tür zu hören, doch Henry öffnete nicht. Er klopfte nochmal.
„Henry?"
Wieder keine Antwort, doch diesmal hörte er ganz eindeutig ein Geräusch aus Henrys Wohnung. Er lauschte. Ja, da war es wieder. Er hämmerte mit der Faust gegen die Tür.
„Henry? Alles in Ordnung? Ich weiß, dass du da bist, mach bitte die Tür auf."
Er klopfte erneut und lauschte. Er konnte hören, wie es in der Wohnung ein Geräusch gab. Waren das Schritte? 30 Sekunden, eine Minute, anderthalb. Dann hörte er Schritte, ganz eindeutig. Noch einmal hämmerte er seine Faust gegen die Tür, dann trat er einen Schritt zurück. Er wollte gerade nochmal rufen, als er hörte, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Die Tür wurde einen Spalt weit geöffnet und Henrys linke Gesichtshälfte wurde im Türspalt sichtbar. Erleichterung machte sich in Toni breit.
„Henry! Ich habe dir zig Nachrichten geschickt und angerufen. Warum hast du nicht geantwortet? Ich habe mir Sorgen gemacht."
„Ähm, ich hatte viel zu tun." Henry sah zu Boden, dann über seine Schulter hinter sich. „Ich muss gleich zur Arbeit, ich habe gar keine Zeit. Ich melde mich, ja?" Und damit begann Henry die Tür zu schließen.
„Hey, jetzt warte doch." Toni presste seine Hand gegen die Tür, um Henry daran zu hindern, sie ihm vor der Nase zuzuknallen. „Was ist denn los?"
„Gar nichts", sagte Henry, doch er sah Toni nicht in die Augen.
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Corleone - Anthony & Henry
RomantikAnthony ist klug, sportlich, reserviert, liebt seine Designeranzüge und...ist in der Mafia. Nicht nur das, er ist der Sohn des Mafiabosses. Und er ist schwul. Was für ihn kein Problem ist, für die Mafia aber schon, denn Homosexualität ist eine Sünde...
