lawyer

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Harry, der Spitzenanwalt. Louis, der Rabauke, der dringend Hilfe benötigt.

"Mr. Styles, wir haben einen neuen Mandaten für Sie."

Lorie, die junge Sekretärin des Anwaltes, spitzte ihren Kopf durch die Glastür. Sie trägt wie immer einen Jeansrock mit einer Bluse. Ihre kurzen blonden Haare sind lässig zur Seite gestrichen. Außerdem trägt sie lange Ohrringe. Harry glaubte manchmal, sie steckte noch in 2010 fest.

Der große Lockenkopf seufzte. Er war sowieso schon im Stress, denn er hatte einen großen Prozess vor der Tür. Sein Terminplaner schien aus allen Nähten zu platzen.

"Eigentlich haben wir doch keine Kapazitäten mehr, Lorie. Das hatten wir besprochen, wir können leider niemanden mehr annehmen."

"Können wir bitte eine Ausnahme machen?", schmollt die junge Dame und zieht ihre geschminkten Lippen nach vorne. Sie wirkte dadurch wie ein kleines Schulmädchen.

"Warum?" Genervt sah der Anwalt auf seine Armbanduhr. Für sowas hatte er jetzt echt keine Zeit.

"Naja, er ist schon da?", druckste Lorie leise herum und lugte kurz aus der angelehnten Tür.

"Er? Wie bitte?"

"Er wirkte so verloren, ich musste ihn reinlassen!", versuchte die Sekretärin sich zu erklären und öffnete die Tür ein Stückchen mehr. Harry konnte direkt auf den Wartebereich blicken und sofort schoss seine rechte Augenbraue nach oben.

Ein kleiner, zierlicher Junge, Harry schätzte ihn höchstens auf neunzehn, saß eingeknickt in der hinteren Ecke. Seine Wuschelmähne fiel im ins Gesicht und verdeckte so seine Miene. Seine Kleidung war teilweise verdreckt und sein rechter Schnürsenkel fehlte komplett. In den Händen hielt ein ein verkrümpfeltes Blatt. Leicht zitterte sein Körper, sein rechtes Bein ging unruhig auf und ab.

"Lorie, was hast du dir dabei gedacht?", zischte Harry und stand von seinem Schreibtischstuhl auf, um einen genaueren Blick nach draußen werfen zu können. Kurz knackten seine Knie.

"Er braucht Hilfe, das sehen Sie doch. Und außerdem wollte ihm sonst keiner helfen. Sie haben doch auch ein Herz, Mr. Styles! Ich habe ihm erstmal etwas zu Trinken hingestellt und ihm mitgeteilt, dass er noch ein wenig warten müsste."

Manchmal konnte Lorie sehr bestimmend sein und manchmal hatte sie sich etwas in den Kopf gesetzt, was unmöglich dort wieder heraus zu bekommen war. Manchmal benahm sie sich außerdem wie seine Mutter und wollte jeden schützen, der ihr über den Weg lief. Harry konnte sagen was er wollte, er wusste insgeheim, dass er keine Chance hatte. Seufzend warf er einen Blick auf seinen Laptop.

Sein Terminkalender war komplett voll, aber als er wieder das Häufchen Elend in seinem Wartebereich betrachtete, spürte er ein Ziehen in seinem Herzen. Ja, er hatte auch ein Herz.

"Ich habe eine halbe Stunde Zeit, bevor ich ins Gericht muss. Das wäre eigentlich meine Pause, aber hol ihn schon rein."

Harry fuhr sich durch die Haare und ließ sich wieder in seinen Stuhl fallen, bevor er einen großen Schluck von seinem Proteinshake nahm. Kurz checkte er sein Handy, ob er irgendeine wichtige Nachricht hatte. Deshalb sah er nicht, wie Lorie mit einem zufriedenen Grinsen nach draußen hüpfte, um das verlorene Kerlchen zu dem Anwalt zu schicken.

~•~

Der kleine Junge versank förmlich in dem Stuhl. Harry musterte ihn eine Weile, ehe er sich vorsichtig räusperte. Er wusste manchmal nicht genau, wie er beginnen sollte. Auf keinen Fall wollte er irgendjemanden in eine unangenehme Situation bringen.

„Wie ist denn dein Name?" 

Erschrocken blickte sein Gegenüber auf. Der Anwalt sah ihm zum ersten Mal in sein makelloses Gesicht. Obwohl ein wenig Dreck seine Wangen bedeckten, war Harry sofort von der Schönheit einen Moment sprachlos. Die zarten Lippen, die leichten Sommersprossen, die perfekten Augenbrauen, den langen Wimpern und von den strahlenden, eisblauen Augen wollte er erst gar nicht anfangen.

oneshots | larry ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt