Louis war schon immer eine schüchterne Person. Er war sehr zurückhaltend und bei allem vorsichtig.
Sicher war das keine schlechte Eigenschaft, doch manchmal einfach nur nervig.
Der Katzenhybrid sass auf der kleinen Fensterbank und starrte hinaus auf die leeren Strassen. Es war Sonntag, an diesem Tagen fuhren kaum Autos, wie er mittlerweile wusste. Außerdem regnete es in Strömen.
Ein einzelner Tropfen fand den Weg von der Scheibe und veranstaltete ein Rennen mit einem anderen.
Begeistert sah der kleine Junge dabei zu und stellte sich vor, selbst einmal so schnell und sorgenlos rennen zu können.
In dem Heim in dem er untergebracht war, extra für Hybriden ohne Familien, war es trostlos.
Traurig, schlicht, einsam.
Er verstand sich kaum mit jemandem hier und war deshalb froh, dass er heute in Ruhe gelassen wurde.
Er hatte seinen Schwanz eingekringelt und neben sich liegen. Seine Ohren lagen, kaum sichtbar, in seiner zerwuschelten Mähne.
Ab und zu zuckten sie kurz aus Aufregung, wenn dann aber nur kurz.
Ein Poltern lässt den 15-Jährigen zusammen fahren und augenblicklich sah er zur Türe, woher das störende Geräusch kam.
Katzenhybride können viel besser hören und nehmen das meiste intensiver wahr. Das liegt allerdings daran, dass sie nunmal mit einer Katze verwandt waren und deshalb diese Eigenschaften besitzen.
Der Heimleiter, ein grosser kräftiger Mann, steht in der Türe. Louis mochte ihn nicht sonderlich, denn er mochte ihn auch nicht.
"Louis", zischte er. "Mitkommen."
Seine Stimme ist sehr tief und strenger als sonst.
Schnell hüpft Louis von dem Fensterbrett und folgt dem Mann mit schnellen Schritten. Er war um einiges grösser und hatte somit auch längere Beine, weshalb der Hybrid Mühe hatte, mitzuhalten.
Er schweigt, möchte nichts falsches sagen, denn auf Ärger ist er nicht aus. Erst letzte Woche hat er mitbekommen wie der Leiter einen Hasenhybrid an den Ohren zog und das nur, weil diese ihr Bett nicht richtig gemacht hatte.
Also schwieg er lieber, aus Sicherheit.
Der lange Gang wollte kein Ende nehmen, doch endlich erreichten sie die rote Tür. Die rote Tür, die eigentlich dafür gedacht ist, jemanden kennen zu lernen.
Sofort wedelt Louis Schwanz aufgeregt und etwas nervös hin- und her. Er legt seine Öhrchen an und wartet auf einen Befehl.
Mit einem Schubser vom Leiter stand der Kleine in dem grossen Raum. Neugierig betrachtete er diesen. Noch nie war er in diesem Raum gewesen, obwohl er schon eine lange Zeit in diesem Heim wohnte und jeden Winkel kannte.
Er setzte sich auf einen kleinen Stuhl, der extra für Hybride war und kaute nervös an seinen Nägeln.
Er hatte ein wenig Angst. Doch er redete sich die ganze Zeit ein, dass es etwas gutes heissen würde, wenn er die Ehre hatte, in diesem Raum zu sein.
Erneut öffnete sich die grosse Tür und der Heimleiter betrat mit einem Mann den Raum.
Sofort huschte der Blick der Halbkatze zu diesem. Der grosse muskulöse Mann hatte Locken und ein freundliches Lächeln auf den Lippen.
Am liebsten würde Louis mit diesen Locken spielen. Sie wirkten sehr einladend.
Er trug einen Anzug mit einem weissen Hemd und einer schwarzen Fliege. Er musste ein wichtiger Mann sein, dachte der Wuschelkopf.
