Schwärze. Nichts als Schwärze.
Es war, als würde man einschlafen und nie wieder aufwachen. Ein böses Albtraum eben.
Louis musste mit diesem Albtraum leben. Natürlich gab es Momente, in denen er sich zurück zog und niemanden an sich heran liess. Doch meistens war er ein sehr offener, lebensfroher Mensch.
Er hatte es ziemlich gut verkraftet von nun an ohne Augenlicht durch das Leben gehen zu müssen.
Es war ein Sonntag als es passierte. Ein verregneter, grauer Sonntag. Alles schien normal. Doch das war es nicht.
Erst bemerkte er den bitteren Duft, der sich durch die Luft angelte, nicht. Doch dann blickte er aus seinem Lieblingsbuch auf und sah den Rauch.
Der Rauch der ihm einen Sinn nahm.
Er reagierte schnell. Doch da war es schon zu spät. Das Feuer hatte sich durch das Treppenhaus nach oben geschlängelt und versperrte ihm jegliche Fluchtmöglichkeit.
Das Fenster kam nicht in Frage. Er hatte sein Zimmer im dritten Stock.
Und so verlor er an einem harmlosen Sonntag sein Augenlicht. Einfach so.
Es gab da diesen Jungen in seiner Nachbarschaft. Harry Styles.
Allein wenn der Wuschelkopf diesen Namen hörte, begann sein Herz mit Luftsprüngen, sein Atem verschnellerte sich und sein Mund wurde staubtrocken.
Er hatte ihn oft gesehen, deshalb konnte er sich noch genau vorstellen, wie er aussieht. Louis sah es vor seinem inneren Auge.
Diese braunen gelockten Haare, die sich perfekt um sein Gesicht legten. Die apfelgrünen Augen konnten einen förmlich verzaubern und die rosa Lippen, die leicht rau waren, doch trotzdem perfekt.
Das unwiderstehliche Lächeln, dass Louis von nun an nicht mehr sehen konnte.
Wie sagt man doch so schön? Man merkt erst was man hatte, wenn es einem genommen wird. Und daran lag wirklich etwas Wahres.
Und dieser gewisse Harry hatte dem kleinen, zierlichen Jungen sein Herz genommen und wollte es nicht mehr hergeben.
Louis wusste, dass er ihn noch immer liebte. Allein diese Stimme und sein Puls raste nach oben.
~•~
Die Sonnenbrille lag lässig auf der Nase des Wuschelkopfes und das, obwohl es bereits Herbst war. Die Sonne liess sich nur noch selten blicken.
Doch Louis trug sie nicht weil ihn die Sonne blendete, nein, er trug sie, weil man deutlich sehen konnte, dass etwas mit seinen Augen nicht stimmte.
Ohne fühlte sich der 16-jährige nackt, schutzlos, ausgeliefert. Einfach unwohl.
Er sass auf der Holzbank ihm Park und lauschte den Geräuschen der Natur. Das kam öfters vor und ja, er genoss es.
Die letzten Sonnenstrahlen kitzelten auf seiner Nase und unwillkürlich musste er lächeln. Er entspannte sich vollkommen, selbst der Griff um seinen Blindenstock wurde lockerer.
Bis sich eine Person vor ihn stellte und ihm somit die Wärme nahm. Natürlich merkte der Kleinere das.
Er kaute kurz auf seiner Lippe, räusperte sich dann und drehte seinen Kopf in die Richtung, in der er die Person vermutete.
"Entschuldigung? Kann ich etwas für Sie tun?"
Stille. Keine Antwort.
Louis zweifelte, dass sich dort eine Person befand. Vermutlich hatte ihm sein eigener Körper nur einen Streich gespielt.
