Nacer scheint unsere Gäste nicht erwartet zu haben. Er wirft mir einen fragenden Blick zu, doch ich schüttle nur den Kopf. Ich habe die beiden definitiv nicht eingeladen. Er seufzt leise und die Unbeschwertheit, welche ihn vorher so strahlen lassen hat, verschwindet beinahe vollständig. Ich drücke seine Hand, um ihm zu zeigen, dass ich da bin, lasse sie dann allerdings los, damit er die Tür zuschließen kann.
„Ah, da seid ihr ja!", begrüßt uns Braedin. Er nimmt Nacer in die Arme, was ich wohl zum ersten Mal erlebe, und schüttelt dann meine Hand. Pasquale macht sich das Leben einfacher und umarmt uns beide.
„Gut zu sehen, dass du wieder auf den Beinen bist, Kumpel!", sagt er zu Nacer, was mich lächeln lässt. Pasquale scheint sich ernsthafte Sorgen gemacht zu haben, genau wie ich es auch getan habe. Ich frage mich, wieso er nicht zu Besuch gekommen ist, denn ich habe ihm gesagt, wo sich Nacer aufhält. Wahrscheinlich hatte er einfach keine Zeit.
„Danke", meint Nacer. Er lässt die beiden herein und legt dann seinen Arm um meine Schulter, während wir zusammen reingehen. Es ist ungewöhnlich, dass er so viel Körperkontakt sucht, aber gleichzeitig gefällt es mir auch. Es ist eine Seite an ihm, welche ich bisher noch nicht gesehen haben, welche aber lieblich und vor allem liebevoll ist.
„Wie kommen wir zu der Ehre, besucht zu werden?", will er wissen, während die beiden ihre Schuhe abziehen und sich dann direkt im Wohnzimmer auf der Couch niederlassen. Es stört mich, dass sie sich hier so gut auszukennen scheinen, während ich diese Wohnung überhaupt nicht gekannt habe. Ich befehle mir, nicht eifersüchtig zu werden und versuche mir einzureden, dass sie schon viel länger eine enge Beziehung zu Nacer gehabt haben. Ich sollte viel eher froh darum sein, dass er all die Zeit nicht allein war.
„Wir müssen reden. Über den Krankenhausbesuch und darüber, dass in der Werkstatt ein weiterer Unfall entdeckt worden ist."
Braedin malt beim Wort Unfall Gänsefüßchen in die Luft, während mein Blick automatisiert an Nacer haften bleibt. Ich verstehe nicht, was all diese Dinge miteinander zu tun haben. Ein undefinierbarer Ausdruck macht sich in seinem Gesicht breit und seine Schultern verspannen sich.
„Was hat das zu bedeuten?"
Braedin wirft mir einen Seitenblick zu und ich verstehe sofort, dass er mich bei dieser Konversation nicht dabeihaben will. Ich trete gerade ein paar Schritte zurück, um den Jungs ihren Freiraum zu lassen, weil es mich eigentlich nichts angeht, als Nacer nach meinem Arm greift und mich wieder zu sich zieht.
„Sie bleibt."
Braedin scheint protestieren zu wollen, doch Nacer schneidet ihm das Wort ab.
„Ich vertraue ihr."
Mein Atem stockt und ich werde rot, während die Blicke zwischen uns hin- und herwandern. Ich denke, dass die beiden wohl gemerkt haben, dass sich etwas zwischen Nacer und mir geändert haben muss, auch wenn sie noch nicht vollends begreifen, was es ist. Ich weiß es nicht einmal selbst, aber es gefällt mir. Nacer holt für uns beide einen Stuhl, damit wir uns gegenüber Pasquale und Braedin setzen können, ehe wir dieses Gespräch fortführen.
„Wo sind wir steckengeblieben?", fragt er und sieht Braedin auffordernd an.
„Du hast gefragt, was es zu bedeuten hat", erinnere ich Nacer. Er nickt mir dankbar zu, richtet seine Aufmerksamkeit dann wieder auf Braedin.
„Ja. Zuerst zu den Entdeckungen. Dein Auto hat denselben Schaden aufgezeigt, wie das von Pasquale es vor der Sommerpause getan hat. Du hättest einen genauso schlimmen Unfall haben können wie er. Du kannst von Glück reden, dass du nicht gefahren bist."
Nacer wird ein wenig bleich und man sieht ihm an, dass der Gedanke angsteinflößend ist. Pasquale selbst starrt sich auf die Hände, um die Erinnerungen in seinen Augen nicht offen an den Tag zu legen.
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Racing Hearts
RomanceNacer ist der Prinz der Rennbahn. Sicily ist die Prinzessin der Gourmetwelt. Eine gespielte Beziehung. Unkompliziert - zumindest bis Gefühle ins Spiel kommen und die beiden komplett aus der Bahn werfen. START: 30/05/22 ENDE: 17/03/23
