Als meine Mutter gerade die Lasagne in den Ofen schob, nutzte ich die Gelegenheit, Jaime's Taille von hinten zu streicheln. Ihre Haare sind in einem Dutt und ich beobachte wie sich ihre Babyhaare am Nacken, als Reaktion auf meine Berührungen, umgehend aufstellen. Sie dreht ihren Kopf zu ihrer linken Schulter und schaut mich intensiv an, auch als meine Hand ihren Körper nicht länger berührt und der Blick meiner Mutter wieder auf uns haftet.
„Also in 40 Minuten ist's fertig", sagt meine Mutter so nebenbei, offensichtlich verwundert darüber, wie Jaime mich anschaut. Sie möchte sich jedoch nichts anmerken lassen.
Ich nicke ihr zu, schnappe mir Jaimes Unterarm und verlasse hastig die Küche mit ihr.
„Lass los", sagt Jaime theatralisch als wir die Treppen hochgehen. Als würde sie es wirklich wollen. Als würde sie wirklich wollen, dass ich aufhöre sie anzufassen. Sie ist nur zu stolz. Ich lasse sie dennoch los.
„Komm mit", antworte ich gleichgültig, meine Augen auf meine Zimmertür gerichtet.Ich lasse mich auf mein Bett fallen und sehe wie Jaime unbeholfen davor steht, ohne etwas zu sagen. Ich schaue sie an, ohne etwas zu sagen. Ihre Haut scheint einen leichten Sonnenbrand zu haben. Weiß sie wie schön sie eigentlich ist?
„Du bist wunderschön"
„Was?", fragt sie verwundert.
„Du hast schon verstanden"
„Bitte... Bitte wiederhol das", bettelt sie geradezu.
Ich nehme ihre Hand und ziehe sie vorsichtig auf meinen Schoß und küsse den Sonnenbrand, der ihre Nase und ihre Wangen ziert. „Du siehst umwerfend aus", nuschel ich.Sie schmiegt sich eng an mich. Sie sieht dankbar aus. Dankbar für was? – Die Wahrheit?
„Was ist deine Lieblingsfarbe?", frage ich.
„Grün"
„Welches grün? Helles? Dunkles? Mit leichtem Blaustich?", frage ich um alles was sie betrifft so detailreich wie nur möglich zu erfassen.
„Das grün deiner Augen", entgegnet sie mir mit knallrotem Gesicht und küsst mich nach der Stille ihrer Antwort hart und entschlossen auf die Lippen. Ich erwidere den unerwarteten Kuss. Das hätte ich nicht erwartet. Ich hätte sie für schüchterner gehalten. Sie kann wohl doch aufs ganze gehen.Ich fahre meine Hände behutsam in ihre Haare und öffne ihren Dutt. Ich möchte ihre Haare jetzt sehen. Der Kuss wird immer intensiver und anders als am Boot ergreift sie jetzt viel mehr die Initiative. Als sie sich außer Atem von mir löst, fühlt es sich an, als würde es wehtun. Ich möchte nicht, dass sie aufhört, ich möchte sie immer genauso spüren. Nein, dass stimmt nicht. Ich möchte sie noch viel mehr spüren.
„Was ist deine?"
„Was?", frage ich mit voller Verwunderung.
„Na deine Lieblingsfarbe"
Versucht sie gerade, dass, das gerade zwischen uns passiert ist zu ignorieren? Das kannst du nicht ignorieren Jaime, es liegt geradezu in der Luft. Und es macht mir Angst.„Orange", antworte ich ruhig und greife nach einer Strähne ihres Haars. „Genau dieser Farbton", füge ich grinsend hinzu.
Ich spüre wie ihr Gesicht in meiner Hand heiß wird.„Was ist vorhin passiert Jaime?"
„Ich möchte nicht darüber reden", antwortet sie zügig – oder eher, antwortet sie nicht.
„Okay, aber du kannst mit mir reden. Bitte rede mit mir. Es hat mich fertig gemacht dich so zu hören"
„Ich kann nicht", schluchzt sie.
„Nein, nein es tut mir leid. Bitte, ich wollte dich nicht traurig machen", sage ich hastig und schließe sie in meinen Arm. Sie in meinen Armen zu spüren, fühlt sich an wie das natürlichste der Welt. Wir kennen uns so kurz, aber es ist, als würde ich sie schon immer kennen. Vielleicht, weil ich es irgendwie auch tue. Ich kenne sie, weil ich Henna kenne, kannte. Sie und Henna sind sich von ihrer Art sehr ähnlich. Henna würde sie lieben.„Du machst mich nicht traurig. Es ist nur, es ist so, dass ich für ein paar weitere Monate hier bleiben muss. Aber weißt du? Danach, danach wird alles besser"
Als Antwort küsse ich sie sanft auf die Stirn, auch wenn ich nicht so recht verstehe wovon sie spricht. Aber das muss ich auch nicht, ich habe ein paar Monate mehr mit ihr, das ist alles woran ich gerade denken kann.
„Dein Liebslingsbuch?"
„Das ist schwierig, verdammt", antwortet sie in Gedanken versunken.
„Der Herr der Ringe, gehört zu einen meiner Favoriten. Deins?"
„Ich halte mich eher an die Filme", antworte ich lachend.
„Ich bitte dich, ich hätte dich für etwas besseres gehalten", neckt sie.
„Also was ist dein Lieblingsfilm?", fragt sie neugierig.
„Forest Gump"
„Meiner auch", flüstert sie lächelnd und nestet sich in meinem Arm ein.„Erster Kuss?", frage ich neugierig mit intensiven Blickkontakt.
„Mit 15, du?"
„13"„Wann warst du das erste Mal verliebt?", fragt sie mich musternd.
„18, du?"
„14, schätze ich"
„Da war ja jemand ganz früh dabei", sage ich und schubse sie ein bisschen zur Seite.
„Jaja"„Essen ist fertig!", höre ich meine Mutter schreien während ihre Schritte immer lauter werden. Kurz bevor sie meine Tür öffnet rutsche ich ein Stück von Jaime weg. Sie mustert uns beide. Sie weiß es. Meine Mutter ist nicht blöd, sie vermutet es zumindest. Vor allem weil Jaime's Haare komplett zerzaust und unsere Lippen knallrot vom küssen sind.
„Essen ist fertig", wiederholt sie kalt.„Jap", sage ich und rutsche hastig vom Bett. Jaime läuft vor meiner Mutter und mir die Treppe runter in die Küche, als meine Mutter mich an der Schulter festhält. Meine Mutter ist mindestens einen halben Kopf kleiner als ich, aber sie ist definitiv trotzdem ernstzunehmen.
„Was ist das mit euch?!", sagt sie leise, dennoch mit Wut.
„Nichts", lüge ich.
„Nicht mit mir Matts. Du lügst mir nicht ins Gesicht"
„Ich lüge nicht", lüge ich.
„Sie macht eine schwere Zeit durch, sie kann das jetzt nicht gebrauchen. Mach das bei Liv, aber nicht bei ihr"Sie hatte Liv nie sonderlich gemocht. Die letzten Jahre hatten wir schon öfter Streit wegen mir, meinem Verhalten und Liv. Ich war nach Henna's Tod mit Sicherheit nicht der beste Sohn gewesen. Und nicht der beste Freund zu Liv. Meine Mutter wusste bestimmt die ganze Zeit das da keine echten Gefühle im Spiel sind, sonst hätte sie auch etwas unternommen. Sie beschrieb sie gerne mal als gefühlskalt und charakterlos. Klar, hätte sie sich total für mich interessiert, hätte sie auch versucht von mir und meiner Familie zu erfahren und würde nicht ständig nur von sich reden. Ich glaube aber nicht, dass es ihr darum ging, ich denke sie wollte einfach nur sagen können, dass sie mit mir zusammen ist. Nicht, dass ich der Hauptpreis wäre, ich scheine aber auch nicht schlecht anzukommen seit der Highschool. Ich denke trotzdem, dass meine Mutter diesbezüglich mehr als übertreibt. Liv ist kein schlechter Mensch nur weil ich nicht ihr Seelenverwandter bin. Sie spielt sich eben nur selbst etwas vor, weil sie das mit uns eben zu sehr will.
„Jaime ist nicht wie Liv. Ich behandle sie nicht wie Liv", entfuhr es mir genervt und gereizt.
„Wo bleibt ihr?", höre ich Jaime perplex fragen.Meine Mutter schaut stur nach unten und läuft zu Jaime in Richtung Küche. Und ich mache es ihr stumm nach.
Könnt ihr Matts' Mutter verstehen? Dass sie Jaime vor Matts schützen möchte - oder denkt ihr, es wird garnicht nötig?
Lasst mich gerne wissen, wie euch mein Kapitel gefällt - in Form eines Kommentars oder eines Votes :)
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Ohne dich
RomanceJaime lebt in Deutschland, Matts in den USA, aber ein Zufall sorgt für ein Aufeinandertreffen. Sie ist auf ihrer Abifahrt in den USA, doch ein unglücklicher Vorfall verlängert ihre Reise, welche ihr ganzes Leben verändern sollte. Matts ist in ein...