Kapitel 33

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Nicolas kann nicht in Worte fassen, wie erleichtert er ist, dass dies funktioniert hat.
Er hat nun einen weitaus ruhigeren Killian neben sich sitzen, der die Zunge zwischen die Zähne geklemmt hat und versucht einen Film mit der Fernbedienung zu starten, wobei sich das schwerer als gedacht herausstellt.
Ein leichtes Lächeln hat sich auf Nicolas' Lippen gelegt. Er ist froh, dass sie erwachsen über die Dinge geredet haben. Besserung ist also in Sicht, wenn sie dies beibehalten.
So kann Nicolas auch weitaus ruhiger als sonst schlafen, da er nun mit dem Wissen, dass Killian nur ein paar Zimmer weiter im Bett liegt, ein entspannteres Gefühl hat.
Die folgenden Tage sind so normal wie noch nie. Als wären sie zwei ganz einfache Freunde, die zusammen wohnen, essen sie jeden Morgen gemeinsam, beide gehen zur UNI oder Arbeit, nachmittags reden sie über ihren Tag und abends essen sie zusammen, wobei sie den Tag immer mit einem Film ausklingen lassen.
Zwar ist Killian dabei immer noch wie ein aufgescheuchtes Huhn, sobald Robbie in der Nähe ist, aber sonst ist alles relativ entspannt. Bis darauf, dass Nicolas natürlich nicht entgangen ist, dass Killian immer noch einen gewissen Sicherheitsabstand zu ihm einhält.
Wer könnte es ihm auch verübeln?
Nicolas wäre der letzte. So nimmt er dies wortlos hin, auch, wenn es sehr schwer ist sich zu beherrschen. Oft hat er Killian von hinten umarmt, ihn schützend an sich gezogen und in sein Ohr gewispert, was er mit ihm anstellen wird.
Das Verlangen Killian nah zu sein zu unterdrücken ist nicht die einfachste Aufgabe.
Aber der Dom ist sehr diszipliniert, wenn es um Durchhaltevermögen und Selbstbeherrschung geht.
Er will seinen Eisengel keinesfalls noch mal in irgendeine Situation bringen, die ihn derartig verschreckt. Das will er nie wieder. Einmal ist einmal zu viel gewesen.
Killian selbst macht sich nicht so viele Gedanken. Er steckt im Stress für die UNI und hat höchstens abends mal Zeit sich einen Kopf über die Sache zwischen ihm und Nicolas zu machen.
Der Eisengel fühlt sich tatsächlich sehr schuldbewusst. Wie ein Parasit lebt er hier auf Nicolas' Kosten, ohne eine gewisse Gegenleistung zu bringen. Aber das mit dem starken Körperkontakt wie sonst geht eben noch nicht so gut.
Gewalt ist für Killian nichts Neues, nur hatte er diese nie von Nicolas erwartet. Das hat sich erstmal in seinen Verstand gebrannt. Und trotzdem möchte er doch irgendeinen Nutzen haben. So ist auch er derjenige, der das Essen einkaufen geht, um zumindest ein wenig beizusteuern.
Und damit ist er auch der, der ihre Abmachung als Erstes in eine Grauzone getrieben hat. Denn er hat Ida die Hauskraft gebeten Nicolas nichts davon zu sagen, da dieser es ablehnen würde.
Noch ein weiterer Grund sich schlecht zu fühlen, aber er versucht darüber hinwegzusehen.
Und vielleicht klappt es ja auch irgendwie bald wieder mit der Nähe. Killian will es.
Er möchte Nicolas nah sein. Der Mann, der sein Herz verboten schnell schlagen lässt. Über die Tatsache, dass Killian ihm in der kurzen Panikattacke aus Versehen seine Gefühle teilweise gestanden hat, haben sie auch noch nicht geredet. Also theoretisch gesehen ist alles wie beim alten.
Oder sie warten einfach nur auf den passenden Zeitpunkt.
Aber der Sub hat erstmal andere Pläne, um sich Nicolas wieder anzunähern. Er hat bemerkt, dass Nicolas ihm seinen Freiraum lässt und dominante Bemerkungen, die es normalerweise gab, nicht sagt. Das schätzt Killian sehr. Dass Nicolas solche Geduld und solch ein Verständnis für ihn hat, ist keinesfalls selbstverständlich.
Also ist dem Sub klar, dass er auch selbst versuchen möchte einen Schritt auf ihn zuzugehen.
Vielleicht hat sich da auch die schelmische Ader wieder hervor geschlichen, als Killian die Schlüssel für den Schrank des Playrooms Nicolas abgeluchst hat.
Denn nun steht er vor dem großen dunklen Schrank und schließt zielsicher eine Schublade auf, ist sich dabei ganz bewusst, wo das heute noch hinführen könnte. Aber komischerweise gefällt ihm der Gedanke. Und es ist eine gute Sache zum Einstieg. Hofft Killian zumindest.
So holt er etwas aus der Schublade und eilt nach unten.
„Nicolaaaaas?", erklingt es aus dem Flur, als sich der Dom gerade geschafft von seinem Tag auf die Couch fallen lassen hat.
Er hebt den Blick und lehnt sich zurück.
„Wohnzimmer", kommt es rufend als Antwort, während Nicolas die Füße hochlegt und sich streckt. Wie ermüdend ein Tag im Büro doch sein kann. Und trotzdem schmückt ein sanftes Lächeln seine Lippen, als er die etwas höhere Stimme von Killian vernehmen kann.
„Wie war dein Tag?", erkundigt sich Nicolas, der gerade dabei ist seines Kragens aufzuknöpfen, damit dieser nicht so eng ist.
Er hört das Tapsen von Killian, der mal wieder barfuß unterwegs ist. Eine Angewohnheit, die Nicolas schon früh aufgefallen ist. Killian ist offensichtlich kein Freund von Hausschuhen oder Socken im Haus, wenn es doch überall eine Fußbodenheizung gibt. Perfekt für den Winter.
„Eigentlich ganz gut. Und ich habe auch nichts angestellt, als ich heute bei Professor Morgan war", berichtet Killian mit einem stolzen Lächeln.
Dabei ist jedoch zu erwähnen, dass die erste Begegnung mit seinem Professor nach dem einen Abend sehr peinlich war. Er konnte nicht aus dem Kopf bekommen, dass der Mann hinter dem Rednerpult seinen großen Hintern versohlt und ihm einen Plug reingeschoben hatte.
So saß er auch mit feuerrotem Kopf da, sobald sein Professor ihn ansah und ein wissendes Lächeln auf den Lippen hatte. Zum Glück ist es sonst jedoch recht normal.
Der Sub watschelt ins Wohnzimmer, wobei Nicolas ihn jedoch noch nicht ansieht und gerade die kaputte Fernbedienung unter die Lupe nimmt.
„Sehr schön", gibt er zurück, ist jedoch etwas verwundert. Es ist das erste Mal, dass Killian eine Art Andeutung auf sein gutes Benehmen seit dem Tag macht. Schließlich war es bisher ganz normal ohne den BDSM Touch während ihres Alltags.
Umso größer werden Nicolas' Augen, als er den Blick hebt und zu seinem Schatz sieht, der da vor ihm steht und nervös als auch aufgeregt und ein wenig unsicher lächelt.
Er hat tatsächlich in seiner Hand eine Windel und die Flasche mit dem Nuckelaufsatz sowie einen Body.
Nicolas kann seinem Sehvermögen nicht trauen und starrt ihn mit leicht geöffnetem Mund an.
Hat Killian das Zeug freiwillig geholt? Einfach so? Will er es? Wie hat er den Schrank überhaupt aufbekommen?
Letzteres beantwortet ihm sein Sub, indem er die Schlüssel auf den Tisch legt.
„Ich...äh, wollte dich... naja. Unvorbereitet damit überraschen. Ich...äh. Also...", verlegen versucht der Sub eine Erklärung für sein Handeln zu finden, doch ihm fallen keine Worte dafür ein.
Nicolas muss darüber schmunzeln. Sein Herz macht einen gefährlich hohen Hüpfer, sobald er aufsteht und ganz sanft und vorsichtig nach Killians Hand greift. Er zieht diese nicht zurück. Doppelter Hüpfer!
Die großen blauen Augen von Killian blicken zu ihm auf, während er leicht unbeholfen lächelt und sofort in die Rolle des Subs zu rutschen scheint.
Devot sieht er zu seinem Dom und wartet anscheinend darauf, dass dieser etwas sagt.
Nicolas darf es keinesfalls überstürzen. Tatsächlich hatte er ebenfalls Ageplay im Kopf, um langsam anzufangen, aber er wusste nicht, wie weit Killian war und ob ihm Ageplay überhaupt richtig gefällt. Umso erleichterter ist er, als sein Eisengel selbst den Schritt gewagt hat.
„Wollen wir hochgehen..., Prinzessin?", haucht Nicolas leise und noch recht zurückhaltend.
Der nervöse Killian ist jedoch schnell in seinem Bann gefangen. Wie in Trance nickt er und drückt Nicolas' Hand etwas.
Aufgeregt rast das Herz des Subs, als sie die Treppen hochgehen. Jetzt wird Nicolas die Kontrolle wieder übernehmen. Er wird das Sagen haben.
Er hofft mehr als alles andere, dass Nicolas weiß, was er mit ihm machen möchte. Und das sollte jedenfalls jetzt noch nicht einen einzigen Schlag beinhalten. Das wäre noch zu früh für Killian.
Aber zum Glück ist das beiden bewusst.
So beweist Nicolas auch überraschende Ruhe und Geduld, als er mit Killian in den Playroom geht und für ihn extra zur Seite tritt, damit Killian entscheiden kann, wann und wie er sich aufs Bett legen will. Oder vielleicht möchte er sich ja auch woanders hinsetzen.
Nicolas will ihn nicht bedrängen.
Langsam schleicht Killian zu dem Bett und lässt sich erstaunlich schnell darauf nieder.
Mit einem verbotenen unschuldigen Augenaufschlag wendet er sich Nicolas zu, der dabei dank der in ihm aufsteigenden Hitze schlucken muss.
„Bloß nicht die Kontrolle verlieren Nicolas, Killian steht im Vordergrund und nicht dein Bedürfnis mit ihm zu schlafen", sagt der Dom in Gedanken zu sich, kann sich aber nicht von dem Anblick seines Engels da auf dem Bett losreißen.
„So wunderschön", verleiht Nicolas unbewusst seinen Gedanken Ausdruck, was Killians Wangen tatsächlich röten lässt.
Es ist nicht das Erröten von Scham. Es ist das Erröten, wenn man ein Kompliment von einer Person bekommt, die einem sehr wichtig ist, man aber noch nicht auf der Ebene ist, auf der man sein will.
Nicolas stoppt einen Meter vor Killian. In seine Augen ist erkennbar, wie schwer ihm das fällt. Aber er hält sich wacker.
Killian hat die Windel und den Body neben sich liegen und blickt nachdenklich auf diese.
„Wenn... Wenn du das benutzen möchtest, dann wäre es besser, wenn du dich ausziehst, mein Engel", äußert Nicolas sich vorsichtig. Es wäre das erste Mal, dass Killian wieder nackt vor ihm sein würde. Dass er ihn so nah an sich lässt. Sein Herz rast schneller als eine wild gewordene Rennschnecke.
Der Sub wendet sich Nicolas zu und scheint nachzudenken. Für Nicolas eine stille Qual, da es so lang dauert.
„Ja..." Killian beißt sich auf die Lippe. „Ja Daddy."
Nicolas kratzt das letzte Bisschen an Beherrschung zusammen, als sein Eisengel diese Worte ausspricht. Er könnte vor Freude schreien, da Killian wohl wirklich versuchen möchte wieder ihre alten Gewohnheiten aufzugreifen. Er könnte nahezu in seine Hose kommen, denn diese Worte sind so heiß, dass auch seine Disziplin überlegt die Vernunft abzulegen.
Und wieder wird ihm bewusst, dass Killian der Erste ist, auf der er derartig emotional und stark reagiert. Ohne es zu bemerken, hat der Sub ihn in seinen Bann gezogen. Nicolas kann es nicht fassen, hat aber nichts dagegen, weil es sich mehr als gut anfühlt, dass es da jemanden gibt, für den er die beste Version seiner selbst sein möchte.
Was in Killians Kopf vorgeht, ist noch kitschiger als Nicolas' Gedanken. Der Eisengel hatte bisher noch niemanden, für den er sich so ins Zeug gelegt hat und ihn immer wieder beeindrucken und von sich überzeugen wollte. Bei dem er den Drang hatte, zu zeigen, dass er ihn begehren soll.
Verrückt.
Aber genau das führt dazu, dass die Beiden jeweils im Bann des Anderen so sehr gefangen sind, weshalb Killian letztendlich nackt vor Nicolas auf dem Bett sitzt.
Schutz und Wehrlos.
So hatte Nicolas sie am liebsten. Hatte.
Jedoch hat sich das geändert. Denn nun hat er das Verlangen seinen Eisengel genau den verlorenen Schutz zu bieten.
Langsam, ganz langsam nähert sich Nicolas dem schlanken Killian vor sich und berührt ihn zuerst sanft mit dem Zeigefinger am Fußgelenk.
Ein Stromschlag schießt durch Killians ganzen Körper. Hätte er nicht schon wegen der fehlenden Kleidung eine Gänsehaut, würde sich diese garantiert spätestens jetzt bemerkbar machen.
Killian ist sehr nervös. Wegen der Nähe zu diesem Mann und weil er dennoch an Geschehenes denken muss. Zum Glück kommt die Vernunft gerade richtig.
Killian ist fast ganz sicher, dass Nicolas ihm nichts tun wird. Das muss nur noch der Rest seines Körpers kapieren.
Nicolas streicht mit dem Finger vorsichtig höher und verharrt sofort zur Pause etwas, wenn Killian sich verspannt, ehe er fortfährt.
In Position vor Killians leicht gespreizten Beinen stehend, greift er diese ganz sanft. Nicolas ist sich sicher, solche Vorsicht hat er bisher bei keinem Sub an den Tag gelegt. Aber Killian ist auch nicht mehr nur ein Sub für ihn.
Killian liegt da und beobachtet Nicolas, der nicht die Augen von ihm nimmt, wie er ruhig seinen Hintern hochhebt und die Windel platziert. Anfängliche aufkommende Panik unterdrückt Killian sofort.
Er will das hier jetzt. Sein Nicolas. Scheiß auf Geschehenes!
Das Rascheln des weichen Stoffes ist zu hören. Die Windel sitzt perfekt.
Nicolas ist gefangen in dem Anblick von Killian hier in Windel vor sich liegend.
Der Baby blaue Body folgt. Zu gern würde Nicolas ein Foto seines wunderschönen Eisengels machen.
So unglaublich schön.
Er schließt die Knöpfe in Killians Nacken vorsichtig, ist dabei aber über ihn gebeugt und spürt, dass es Killian doch etwas nervös macht.
Der Sub liegt da. Scheint wie in einer Illusion gefangen, als er Nicolas so beobachtet.
Nicolas' Atem trifft den seinen. Sie sind sich nah, und doch berühren sie sich nicht.
Dieser Zustand ist irgendwie sehr interessant und frustrierend zu gleich für den Sub, der Nicolas perfektes Profil bewundert.
Die Jawline wird durch den gepflegten Drei-Tage-Bart makellos hervorgehoben. Das Grau der Augen harmoniert mit den pinken Lippen und der reinen Haut.
Die Nase relativ schmal und hohe Wangenknochen. Verdammt männlich.
Wie kann man nur so aussehen? Muss man reich sein, wegen der ganzen Pflegeprodukte, die das Aussehen so machen? Killian weiß es nicht.
Er ist so versunken, dass er nicht mehr an sich halten kann. Seine Hand wandert langsam nach oben und umfasst wie von selbst Nicolas Krawatte, die zwar im Hosenbund befestigt ist, dennoch leicht durchhängt.
Er hat sie und somit auch das Kommende im Griff. Mit einem Ruck zieht er Nicolas auf einmal an der Krawatte hinunter zu sich und küsst ihn mit solch einer Hingabe, die die beiden nur aus den Märchen kannten.
Überrascht geht sein Dom auf den noch zögerlichen aber sehr gefühlvollen Kuss ein.
Wie von selbst legt sich sein Arm um Killians Taille, um den jungen Mann näher an sich zu ziehen. Um ihre Lippen länger zu vereinen und das Herzklopfen nie enden zu lassen. Um...
„Killian? Prinzessin? Soll ich dir Milch in die Flasche machen?", reißt Nicolas' Stimme ihn auf einmal aus seiner Fantasie, worauf der Sub erschrocken zusammen zuckt.
Für den Dom sofort ein negatives Zeichen, weshalb er schnell Abstand zu Killian aufbringt.
„Entschuldige, falls dir das zu viel war", hängt er eilig ran und etwas benommen blinzelt Killian.
„Zu viel?" Eher zu wenig äußert sich Killian teilweise.
Nicolas nickt.
Da versteht der Sub, warum Nicolas sofort den Rückzug antreten wollte.
Er richtet sich schnell auf.
„D-Das war gar nicht zu viel. Ich... war nur etwas in Gedanken... "
Mit großen unschuldigen Augen sieht er zu seinem Dom. Er will Nicolas. Nur ihn.
„Kö-Können wir bitte weitermachen..., Daddy?"

Something New (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt