1. Kapitel

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_______________zehn Jahre später________________

"Guten Morgen, Engel. Gut geschlafen?", fragt Lia, die Mom von Jisung, ihren Sohn.
"Es ging.", sagt dieser, lächelt sie sanft an.
"Es ist ungewohnt wieder in seinem eigenen Bett zu schlafen, was?"
Er nickt nur, nimmt die Cornflakes Packung, kippt sich was davon in eine Schüssel.
"Freust du dich schon auf die Schule?"
"Wer freut sich auf Schule, Mom? Ich hatte die letzten zwei Jahre keine Schule..ich glaube nicht, dass ich die elfte Klasse jetzt schaffen werde..."
"Ich weiß, dass du das schaffst, Schatz. Du hast doch auch jetzt die Schule gewechselt. Außerdem ist Felix auf deiner Schule. Das bekommst du, das bekommen wir, schon hin, ja?"
Jisung nickt nur.
Tatsächlich zweifelt er stark daran, aber er möchte es versuchen.
Für seine Mom.
Tief atmet er durch, isst dann seine Cornflakes, nachdem er die Milch rein gekippt hat.
"Ich fahre dich heute zur Schule, ja?"
"Musst du nicht zur Arbeit?"
"Ich muss heute später. Deswegen kann ich dich heute zur Schule fahren. Ab morgen musst du dann laufen oder Fahrrad fahren. Ich könnte dir auch ein Busticket kaufen.."
"Nein. Ich laufe lieber."
Zwar ist Jisung wieder halbwegs gesund, was seine Psyche angeht, aber das muss er ja nicht strapazieren, wenn er jetzt noch Bus fährt.
Die Schule wird schon die reinste Kostprobe für ihn.
Wenn er nicht schon am ersten Tag einen kompletten Rückfall bekommt.
Das kann er jetzt nun absolut nicht gebrauchen. Der einzige Lichtblick ist Felix.
Tief atmet er durch, isst seien Cornflakes auf, eh er aufsteht, sich schnell umzieht, sich dann im Bad wäscht.
Im Spiegel sieht er sich an, zieht die Kapuze über seinen Kopf.
Schon besser.
"Jisung wir müssen los, kommst du?"
"Jaha!"
Er rennt in sein Zimmer, greift nach seinem Handy, Kopfhörern und zum Schluss nach seinem Rucksack, eh er runter zu seiner Mom in den Flur rennt.
Dort zieht er seine lieblings Converse an, eh er seiner Mom folgt.
Sobald er im Auto sitzt, fängt sein Bein auf und ab zu wippen.
"Schatz, hast du deine Tabletten genommen?"
"Jaha Mom. Ich muss jeden Morgen meine Antidepressiva und meine Beruhigungspillen nehmen...ich weiß das. Ich bin fünfzehn."
"Und mit fünfzehn sollte man eigentlich nicht so psychisch krank sein..", murmelt sie traurig.
"Das bin ich seid dem ich zwölf bin, Mom."
Darauf ist es ruhig zwischen ihnen.
Nervös und schwitzend, reibt sich Jisung seine Knie, sieht aus dem Fenster.
"Ich werde das schon überleben. Es ist nur Schule."
Ein Ort des Grauens..
Ein Ort voller Menschen.
"Ji, soll ich wieder nach Hause fahren?", fragt Lia, als sie die hektische Atmung ihres Sohnes mitbekommt.
"Nein. Ich kann das. Die Tabletten wirken sowieso gleich. Dann bin ich gefühlt High und alles ist gut."
Lia seufzt, parkt vor der Schule.
"Bist du dir sicher?"
"Jaha..Mom. Ich bin mir ganz sicher. Versprochen."
"Okay..wenn was ist, schreib mir und ich komme sofort und hole dich ab."
"Ist okay Mom. Hab dich lieb."
"Ich liebe dich auch, Engel. Hab einen schönen Tag und grüß Felix von mir."
"Mach ich."
Er steigt aus, sieht ihr nach.
Nun steht er am Tor, sieht auf das Schulgebäude.
Keine Menschenseele ist draußen..
Anscheinend hat der Unterricht schon angefangen.
Naja..besser für ihn.
Dann trifft er jetzt nicht schon sofort auf so unglaublich viele Menschen.
Er beißt sich auf die Lippe, möchte am liebsten wieder umdrehen und sich in seinem Bett verkriechen.
Aber so wird er sonst niemals wieder richtig geheilt werden, wenn das überhaupt möglich ist.
Heilung kann nur einsetzen, wenn er auch etwas gegen diese Angstzustände macht.
Noch einmal atmet er tief durch, eh er den Hof betritt, ins Gebäude geht.
So schlimm kann es ja schon nicht werden, richtig?
Er zieht seine Ärmel über seine Hände, läuft durch die Schule.
In den Ferien war er schon ein paar Mal mit Felix hier gewesen um Bücher und jeglichen scheiß zu holen.
Doch nun hat er den Raum seiner Klasse vergessen.
Zitternd greift er nach seinem Handy, schreibt Felix eine Nachricht.

'In welchen Raum muss ich?'

Hoffentlich bekommt er auch noch eine Antwort.
Er umklammert sein Handy, drückt es an seine Brust, während er sich umsieht.
Er weiß, dass er jetzt Musik hat bei einem gewissen Mr. Min, aber wo?
Wo ist dieser scheiß Raum?
"Jisung?"
"Felix!"
Der ein Tag ältere, umarmt den blondhaarigen, atmet tief durch.
"Ich bringe dich hin, ja?"
"Okay..", haucht Jisung, möchte den blondhaarigen gar nicht los lassen.
Eigentlich möchte er nur zurück in sein Zimmer.
Dort wo er sicher ist.
"Na komm, Ji. Du hast jetzt Musik. Und Mr. Min ist mehr als nur gechillt..Du wirst ihn mögen. Versprochen."
Jisung nickt nur, folgt Felix.
Dieser klopft keine zwei Minuten später an einer Tür.
"Herein!"
Felix drückt Jisung ein Kuss auf die Wange. "Ich hole dich nach der Stunde ab, ja? Du schaffst das."
Der blauhaarige atmet tief durch, geht dann hinein.
Er versucht das zittern unter Kontrolle zu haben und auch die Blicke von jedem zu ignorieren.
Er versucht es wirklich.
"Du bist zu spät, Jisung."
"Ich habe den Raum nicht gefunden..tut mir leid.", sagt er leise, weiß nicht einmal ob sein Lehrer es verstanden hat.
"Setz dich Jisung. Hinten bei Minho ist noch ein Platz frei."
Sofort sieht Minho von seinem Block hoch, sieht Mr. Min sprachlos an.
Noch nie hat jemand neben ihm gesessen, schließlich ist er nur der Freak.
Der stumme Freak.
Und der neue wird nicht besser sein..
Das weiß er einfach.
"Hab dich nicht so, Minho. Jisung wird dich schon nicht beißen.", lacht Mr. Min, während Jisung nach hinten läuft, sich auf den freien Platz setzt.
"Hay..ich bin Jisung..", flüstert er seinem Banknachbarn zu, doch wird er ignoriert.
Der braunhaarige sieht auf die Tafel, widmet dem jüngeren keinen einzigen Blick.
Die gesamte Stunde nicht.
Es ist fast so, als wäre Minho in dieser Position eingefroren.
Jisung schreibt alles ab, versucht sich dabei gleichzeitig auf dem Gerede seines Lehrers zu konzentrieren, doch klappt das einfach nicht.
Er spürt die Blicke auf sich, weswegen er anfängt panisch mit dem Bein auf und ab zu wippen.
Minho murrt innerlich, ist jetzt schon genervt von dem Jungen neben sich, doch möchte er auch nicht, dass dieser gleich am ersten Tag in der ersten Stunde eine Panikattacke erleidet.
Vorsichtig legt er seine Hand auf das Knie des Jungen, streicht beruhigend drüber.
Anscheinend hilft es dir blauhaarigen wirklich, denn er wird etwas ruhiger, wackelt nicht mehr mit dem Bein auf und ab.
Minho streicht noch ein paar Mal beruhigend drüber, eh er von dem Jungen ab lässt, ihn weiterhin ignoriert.
"D-Danke.", haucht Jisung, bekommt aber keine Antwort.
Mal wieder.
Was ist nur mit diesem Jungen?

Silence (Minsung) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt