17. Kapitel

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"Wie lange willst du eigentlich noch in deinem Zimmer versauern?", fragt Chan, sieht auf Changbin, welcher in seinem Bett liegt und an die Decke starrt.
Er kann ja verstehen, dass es diesem nicht gut geht, aber sich in seinem Zimmer zu verstecken ist doch auch nicht das richtige.
Man kann schließlich nicht ewig vor seinen Problemen weg rennen.
Vor allem nicht, wenn das Problem ein Sturkopf mit Muskeln ist. Und das andere Problem die Liebe.
Er kann ja verstehen, dass es sehr wohl schwer ist für Changbin, dass Seungmin weg ziehen wird, aber ihm deswegen jetzt aus dem Weg zu gehen, ist doch auch nicht richtig.
"Lass mich in Ruhe. Jisung tut schließlich genau dasselbe."
"Jisung hat seine Gründe."
"Die habe ich auch!"
Changbin dreht sich um, zieht die Decke über seinen Kopf.
"Und der wäre? Du bist seit drei Wochen nicht mehr in der Schule gewesen. Was ist dein Grund?"
"Seungmin geht weg..Ich will ihn nicht mehr sehen.", sagt Changbin.
"Und wieso nicht?"
"Hörst du mir nicht zu? Seungmin geht weg. Er zieht um! Weit weg. Auf einen anderen scheiß Kontinent und.."
Chan seufzt, setzt sich zu seinem besten Freund und zieht ihm die Decke etwas weiter runter.
"Das ist dumm, Seo."
"Nein...Ich kann ihn nicht sehen. Ich liebe ihn so sehr, Chan...So sehr, okay? Ich kann nicht...Ich kann ihn nicht gehen lassen und.."
"Und dann ist es besser, wenn du ihn einfach Ignorierst und dein Zimmer erst verlässt, wenn er weg ist?"
"Ja."
"Das ist so dämlich, Changbin...Das ist das dämlichste was ich jemals von dir gehört habe..Ganz ehrlich. Du bist sonst so schlau und talentiert, aber wenn es um dein Leben, dein Glück und allem geht, dann bist du so dämlich, wie Bernd das Brot...Du solltest die Zeit mit Seungmin jetzt noch genießen."
"Und dann? Dann ist er trotzdem weg und ich leide...Ich will nicht das er geht..Ich will das alles nicht.", schluchzt Changbin, zieht die Decke wieder weg.
Wenn Chan jetzt sagen würde, dass dieser Ausbruch ihn nicht überraschen würde, wäre es gelogen.
Er ist absolut überrascht.
Noch nie hat er Changbin weinen sehen.
"Bin.."
"Ich weine nicht."
Der ältere lacht etwas, zieht ihm die Decke wieder runter.
"Du scheinst ihn sehr zu lieben.."
"Das fällt dir jetzt erst auf?"
"Nein, eigentlich nicht.", lacht Chan und drückt ihm ein Taschentuch ins Gesicht.
"Trotzdem ist es kein Grund hier im Zimmer zu versauern. Du verlierst deine Muskeln nur wieder."
"Nicht wirklich. Ich habe hier alles was ich brauche. Meine Mom hat es mir gekauft...weil ich anscheinend einfach nur elendig und dreckig in ihren Augen aussehe."
"Nicht nur in ihren Augen.", sagt Chan.
"Jetzt komm. Steh auf und zieh dich an."
"Wozu?"
"Um nicht an einem Heart broken Syndrom zu sterben, vielleicht? Außerdem kenne ich dich. Ich weiß, dass du es bereuen wirst, wenn du das wirklich durchziehen wirst, Bin. Du liebst diesen Jungen und dann solltet ihr die Zeit genießen, die er jetzt noch in Seoul ist und dann solltet ihr vielleicht über eine Fernbeziehung nach denken...und Australien ist gar nicht so weit entfernt, Bin."
"Auf der Landkarte vielleicht.", murrt der ältere.
"Hay...du weißt das Felix und ich Aussies sind...wir sind öfters in Sydney, dass heißt, dass wir dich dann auch mit nehmen können, wenn Seungmin dort wohnt. Dann könnt ihr euch sehen..klingt doch nach einem Anfang, oder?"
"Ich weiß nicht einmal ob eine Beziehung zwischen ihm und mir überhaupt noch einen Sinn macht, Hyung."
Changbin setzt sich auf, zieht die Beine an sich.
"Weil er Bi-Polar ist?"
"Das ist mir total egal, dass weißt du selbst. Das weiß jeder. Ich liebe diesen Jungen trotzdem. Egal wie unglaublich anstrengend er sein kann...Aber... keine Ahnung... vielleicht sind wir beide nicht dazu gemacht in einer Beziehung zu sein.."
"Seid wann gibst du so leicht auf?"
"Weiß ich nicht.."
"Du solltest wenigstens mit ihm darüber reden. Über deine Gedanken und Gefühle. Kommunikation ist das A und O einer funktionierenden Beziehung."
"Wir sind in keiner Beziehung mehr."
"Trotzdem ist Kommunikation der Schlüssel.", sagt Chan, ist schon leicht frustriert von dem Sturkopf.
"Du liebst ihn..dann zieh deinen Schwanz aus deinem Arsch und rede mit ihm. Er ist schon am Ende."
"Wer ist das nicht? Du hast Insomnia und Depressionen. Felix hat eine Essstörung. Jisung hat ein riesen Trauma plus mehrere psychische Erkrankungen. Minho ist stumm..."
"Minho kann reden.", platzt es aus Chan.
"Jedenfalls hat er Mal einen Satz zu mir gesagt."
"Sicher das es nicht eine Einbildung von deinem Schlafmangel gewesen ist?", fragt der jüngere, weshalb Chan nun selbst das hinterfragt.
Vielleicht ist es ja wirklich so?
"Naja auch egal. Du solltest mit ihm reden."
"Als ob er mich noch sehen will."
"Seungmin möchte dich immer sehen..Er liebt dich genauso sehr, wie du ihn liebst...Rede mit ihm, los."
Chan zieht ihn aus dem Bett, weshalb der jüngere seufzt.
"Wann willst du eigentlich mit Jeongin zusammen kommen?"
"Sobald es nicht mehr illegal ist.", sagt Chan, steckt seine Hände in die Hosentasche.
"Dann Pass auf das Beomgyu dir deine Blaubeere nicht weg nimmt."
"Könnte ich irgendwas dagegen tun? Nein"
"Du bist genauso ein hoffnungsloser Fall wie alle anderen in unserer Clique... eigentlich sind wir alle nur seelisch kaputt."
Chan lacht leise, wuschelt ihm durch die Haare.
"Geh duschen, zieh dich um und dann fahre ich dich zu Seungmin, ja?"
"Okay...aber du bist dann schuld und bekommst meine Laune ab, wenn er mich nicht mehr sehen möchte."
Chan lacht leise.
"Ich glaube zwar nicht, dass das der Fall sein wird, aber okay. Dann wird es so sein."
Changbin brummt nur, geht dann ins Badezimmer.

"Jetzt mach dir nicht in die Hosen. Es ist nur Seungmin. Niemand der dich umbringen möchte."
"Seungmin wäre in einem Tief auch in der Lage jemanden umzubringen."
"Wahrscheinlich eher sich selbst.", sagt Chan, während Changbin murrt.
"Wolltest du auch."
"Aber du hast mir ja das Leben gerettet...Jetzt steig aus und geh zu deiner großen Liebe."
"Okay..."
Changbin atmet tief durch, eh er aussteigt und zur Wohnung geht um dort zu klingeln.
Keine zwanzig Sekunden wird die Tür geöffnet.
"Changbin..es freut mich dich Mal wieder zu sehen.", lächelt Seungmin seine Mom Fiona, während er sie nur sanft an lächelt.
"Ist Seungmin da?"
"In seinem Zimmer, ja. Er wird sich freuen dich zu sehen."
Hoffen wir es Mal..denkt sich Changbin bloß, bedankt sich, eh er sich zu Seungmin sein Zimmer macht, leise rein geht.
"Hay Minnie..."
Der jüngere blickt zu ihm, wird etwas rot.
Natürlich kommt er jetzt, wenn er heult wie ein Schlosshund.
"Changbin-Hyung?", fragt Seungmin, wischt sich die Tränen weg.
"Was machst du hier? Du warst seit drei Wochen nicht mehr zu erreichen oder überhaupt auf der Bildoberfläche."
"Wieso weinst du, Puppy?" fragt der ältere, sieht ihn besorgt an.
Seungmin zuckt mit den Schultern, sieht auf die Umzugskartons.
Er hat keine Ahnung wieso er weint.
"Ich will nicht weg von dir, Hyung..."
"Und ich möchte auch nicht das du gehst.", haucht Changbin, setzt sich auf das Bett.
"Wo warst du?"
"Zuhause im Bett.", sagt Changbin. "Ich wollte dich nicht mehr sehen um dich nicht auf zu halten zu gehen. Ich hätte dich nicht gehen lassen.", gibt er ehrlich zu.
"Und was hat deine Meinung geändert?"
"Chan-Hyung."
Seungmin nickt etwas, sieht auf den älteren runter.
"Du hast auch geweint."
Er streicht vorsichtig über Changbin seine Wange, wischt über die getrocknete Tränenspur.
"Ich weiß."
Seungmin beugt sich etwas zu ihm runter, sieht ihm tief in die Augen.
"Ich kette dich an mein Bett.", flüstert der ältere. "Dann kannst du nicht mehr gehen."
Seungmin lacht leise, haucht ihm ein Kuss auf die Nasenspitze.
"Du würdest dann noch andere Dinge mit mir machen, wenn ich hilflos an deinem Bett gekettet wäre."
"Du Perversling."
"Du hast es doch auch gedacht.", lacht Seungmin, bringt den älteren zum lächeln.
"Wir sind beide noch Jungfrau, Puppy."
"Wir können es ja ändern.", sagt Seungmin, wird dann rot.
"Tut mir leid."
"Was hälst du von einer Fernbeziehung?", fragt Changbin, weshalb der jüngere sich auf die Lippe beißt.
"Du musst natürlich nicht. Es war nur ein Vorschlag und wenn du doch keine Beziehung mehr mit mir möchtest, werde ich es akzeptieren und dich dann in Ruhe lassen und..."
Seungmin drückt seine Lippen auf die von Changbin, bringt ihn somit zum verstummen.
Als ob er jemals ohne seinen persönlichen Teddybären leben könnte...
Er möchte niemand anderen als Seo Changbin an seiner Seite..
Auch wenn sie noch so jung sind und es für viele wahrscheinlich einfach nur dumm klingen mag...
Seungmin weiß es einfach..
Und er weiß auch, dass Changbin es weiß.

Silence (Minsung) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt