Kapitel 2

526 24 11
                                        

Unruhe herrschte in Hogwarts' Krankenflügel.
"Sie müssten schon längst wieder hier sein, nicht wahr, Albus?", fragte Remus angespannt. Der Angesprochene nickte zögerlich.
"Ja, eigentlich schon. Wer weiß, was ihnen in die Quere gekommen ist..." "Wohin sind Harry und Hermine denn verschwunden? Was ist hier los?", rief Ron und bedachte seine zwei Professoren mit misstrauischen Blicken.
"Ron", begann Remus, "es gibt die Möglichkeit, in der Zeit zu reisen. Zumindest für einige Stunden. Hermine hat zum Anfang des Schuljahres einen Zeitumkehrer bekommen, mit dessen Hilfe sie es schaffte, zu all ihren Kursen zu gehen. Diesen Zeitumkehrer haben Harry und Hermine jetzt benutzt, um Sirius und Seidenschnabel zu retten. Und eigentlich müssten sie schon wieder hier sein."
"Aber sie sind nicht hier, Professor."
"Und genau da liegt das Problem, Ron", seufzte der Werwolf und setzte sich auf einen Stuhl. Den Kopf in die Hände gestützt fragte er: "Albus, hast du wirklich gar keine Idee, wo sie stecken könnten? Seidenschnabel konnten sie befreien, Sirius auch."
"Seidenschnabel... Seidenschnabel! Das ist es! Professor Star, Remus. Erinnerst du dich?" Die Augen des Schulleiters blitzten und die Erkenntnis stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nun blickte auch Remus erstaunt auf.
"Aber natürlich. Wie könnte ich ihn jemals vergessen. Was der uns alles beigebracht hat... Und jetzt weiß ich auch, wieso ich ihn so mochte."
"Könnte mich bitte jemand aufklären?", fragte Ron schlecht gelaunt. Er konnte es nicht leiden, wenn alle außer ihm einen Zusammenhang verstanden.
"1977 stellte ich einen Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste ein, der sich William Star nannte. Er brachte seinen Sohn, seine Tochter und einen Hippogreif mit, den sie Seidenschnabel nannten. Stars Kinder gingen in die vierte Klasse..."
"Aber... aber das ist unmöglich! Professor Lupin, Sie haben eben selbst gesagt, dass man höchstens einige Stunden in der Zeit reisen kann!", rief Ron entsetzt aus.
"Ich weiß, ich weiß. Es muss etwas passiert sein, dass der Zeitumkehrer anders funktioniert hat als sonst", erwiderte Remus.
"Vielleicht sollten wir noch einmal auf den Turm steigen und uns umsehen. Aber nicht mehr heute. Ich wünsche dir eine angenehme Nacht, Ron. Mach' dir nicht zu viele Sorgen um deine Freunde", bat Remus, bevor er in seine Räume verschwand.
"Auch ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Mister Weasley. Wir werden uns morgen sehen." Damit verabschiedete sich auch Dumbledore und Ron blieb mit Madame Pomfrey alleine zurück. Völlig fertig ließ er seinen Kopf zurücksinken und war nicht einmal in der Lage, gegen den Schlaftrunk, den ihm die eifrige Krankenschwester verabreichte, zu protestieren.

》》》》》

"Sirius, wir müssen uns was überlegen!" "Was genau, Hermine?" Der Black zog fragend eine Augenbraue nach oben, während er den Schreibtisch inspizierte. "Naja, wir müssen uns eine Geschichte ausdenken. Unser Haus wurde abgefackelt, wir waren auf der Flucht. So viel wissen wir. Aber wer war unsere Mutter? Wo genau kommen wir her? All diese Fragen müssen wir beantworten können. Außerdem musst du Harry und mich unterrichten, wenn wir nach den Ferien in die vierte Klasse gehen sollen." "Hermine, entspann' dich bitte ein wenig. Morgen ist der erste Ferientag, das heißt, wir haben noch massig Zeit. Natürlich werde ich euch unterrichten, dann kann ich gleich üben, wie man sowas macht. Aber Professor Dumbledore weiß, dass ihr auf einem anderen Stand seid, da ihr ja seines Wissens nach bisher nicht zur Schule gegangen seid. Ich erinnere mich nur noch schwammig an uns hier, aber ich weiß noch, dass ihr nie über eure Mutter reden wolltet. Ihr meintet damals immer, es sei zu schmerzhaft für euch und ein unschöner Teil eurer Vergangenheit. Das wurde von allen respektiert. Aber für den Notfall sagen wir, sie sei vor einigen Jahren schon ums Leben gekommen." Zufrieden nickte Hermine und auch Harry gab sein Einverständnis.

Einige Minuten später klopfte auch schon der Schulleiter an die hölzerne Tür, um die Familie zum Abendessen abzuholen.
Während sie gemeinsam den Weg zur Großen Halle einschlugen, erklärte Dumbledore Harry und Hermine alles über die vier Häuser und das Auswahlverfahren durch den sprechenden Hut.
Das Abendessen wurde in gemütlicher, kleiner Runde an einem gemeinsamen Tisch eingenommen. Nur sehr wenige Schüler blieben über die Ferien in Hogwarts und so war die Atmosphäre sehr entspannt. Als dann, nach dem Speisen, auch die Einteilung von Harry und Hermine vollendet war - sie waren natürlich in Gryffindor gelandet -, beschloss Hermine, noch für eine Weile in die Bibliothek zu gehen, während Harry und Sirius sich mit der Unterrichtsplanung des frisch gebackenen Professors beschäftigten.
"Sag, Harry, was habt ihr in den ersten drei Klassen behandelt?", fragte Sirius. "Naja, das ist etwas schwierig. Bei Quirrell und bei Lockhart haben wir nicht wirklich etwas gelernt. Lockhart hat nur mal versucht, uns etwas über Wichtel beizubringen. Daran ist er aber kläglich gescheitert, weil er selbst nicht wusste, wie er sich verteidigen soll." Er schmunzelte.
"Bei Professor Lupin haben wir uns mit Hinkepanks, Irrwichten und Werwölfen beschäftigt. Außerdem hat er mir den Patronus beigebracht."
"Also eines ist ganz sicher: Für die dritten Klassen werde ich mich, abgesehen vom Patronus, an Remus' Vorgehensweise halten." Harry lachte.
"Das ist bestimmt gut. Und für die restlichen Klassenstufen hast du ja auch die Lehrbücher, nicht wahr?" Sirius nickte.
"Ich denke übrigens", erklärte Harry, "dass du ruhig etwas mehr als normalerweise von den Schülern verlangen kannst. Immerhin bist du derjenige, der sie auf den Krieg vorbereiten muss." Sirius nickte erneut. "Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Also, lass uns mal schauen, was wir in diesen dicken Wälzern hier noch finden..."

》》》》》

Am nächsten Morgen wurden Harry und Hermine von einem sehr motivierten Sirius geweckt.
"Aufstehen, ihr Schlafmützen! Wir gehen jetzt shoppen!", rief er und die Jugendlichen tauschten einen amüsieren Blick aus.
"Ich könnte schwören, wenn er jetzt in seiner Hundegestalt vor uns stünde, würde er vor lauter Schwanzwedeln abheben", kicherte Hermine und Harry fiel mit in ihr Lachen ein. Sirius hingegen guckte ziemlich bedröppelt, hatte er schließlich keinen solchen Kommentar erwartet. Doch auch er konnte seine Maske nicht lange wahren und brach in bellendes Gelächter aus.

Nach dem Frühstück flohten die drei schließlich gemeinsam in die Winkelgasse. Den ersten Stop legten sie bei Gringotts ein, um sich mit einigen Galleonen einzudecken. Anschließend gingen sie zu Madam Malkins, um dort ihre Maße zu hinterlassen und später die neuen Sachen abholen zu können. Danach besorgten sie gemeinsam die benötigten Schulbücher und andere Materialien, einen neuen Zauberstab für Sirius, einen Besen für Harry und eine Katze für Hermine, die sie "Jolly" taufte.

"So, ihr zwei. Jetzt müssen wir bloß noch unsere Klamotten abholen und dann haben wir es geschafft. Wenn wir in Hogwarts sind, dann gibt es erstmal eine schöne heiße Schokolade", sagte Sirius mit einem sehnsuchtsvollen Unterton.
"Die hab' ich schon so lange nicht mehr getrunken. Ihr müsst wissen, die Hauselfen in der Küche machen den besten Kakao überhaupt. Mit ganz viel Sahne, Streuseln, Zimt und anderen Leckereien. Macht euch auf was gefasst", erklärte er, da ihm die verwunderten Blicke seitens Harry und Hermine nicht verborgen geblieben waren.
"Na, da bin ich ja mal gespannt", meinte Harry.
"Ich auch. Aber danach beginnen wir mit dem Unterricht, ja?", bat Hermine, denn sie und Harry brannten förmlich darauf, von ihrem angeblichen Vater unterrichtet zu werden. Sirius nickte lächelnd.
"Ja, keine Sorge. Das machen wir."

Und so flohten sie, nachdem sie alle Besorgungen erledigt hatten, gemeinsam zurück nach Hogwarts.

》》》》》

"Interessant", murmelte Dumbledore und betrachtete den obersten Turm von Hogwarts, in dem einen Tag zuvor noch Sirius gesessen hatte.
"Lauter Splitter", stellte Remus fest.
"Sie müssen vom Zeitumkehrer stammen, anders kann ich mir das nicht erklären", meinte er.
"Die Frage ist nur, Remus, was wir jetzt tun sollten, abgesehen davon, dass ich den restlichen Schülern sagen werde, dass die beiden vorzeitig abgereist sind." "Auf jeden Fall müssen wir die Splitter einsammeln. Ich werde dann nachher mal schauen, ob es in der Bibliothek ein Buch gibt, das uns helfen könnte."
Der Schulleiter nickte und so machten sich die beiden daran, jedes einzelne der kleinen Stücke aufzuheben.

𝑑ᵢₑ ꜱ𝒑Լᵢ𝑡𝑡ₑᵣ 𝑑ₑᵣ 𝑧ₑᵢ𝑡Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt