Innerlich knirschte der Jüngere mit den Zähnen. Seit Paris hatte er den Blutpakt schon vermisst, und nachdem der anfängliche Schock und die Wut darüber, ihn verloren zu haben sich gelegt hatten, waren ihm durchaus einige Möglichkeiten durch den Kopf gegangen, was genau passiert war. Wie genau er ihn verloren haben könnte. Es mochte ein wenig paranoid wirken, dass seine Gedanken recht schnell bei einer ganz bestimmten Person gelandet waren, nachdem sein anfänglicher Unglaube verflogen war. Nachdem er die eigene Fassungslosigkeit wieder in den Brief bekommen hatte. Es mochte ein wenig paranoid, geradezu irrational wirken, doch irgendwann war er tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass Newt Scamander etwas damit zu tun gehabt hatte- schließlich hatte er das fehlendes Pakts genau dann festgestellt als er aus Paris zurück nach Nurmengard gekehrt war- und das konnte wohl kaum wirklich ein Zufall sein. und die Antwort seines Gegenübers deutete erneut darauf hin. Trotzdem stellte sich die frage nach dem wie. Die Frage, was genau in Paris passiert war. und es waren gleichzeitig Bitterkeit und morbide Neugier, die beide , Gedanken in ihm aufkeimte.
Wie zur Hölle hätte Scamander an den Pakt kommen können, ohne dass er es bemerkt hätte? Es ärgerte ihn, und er wusste nicht, ob jener Ärger sich mehr gegen Scamander oder gegen sich selbst richtete. Er hätte aufmerksamer sein müssen. er hätte nicht zulassen dürfen, dass sein gegenüber überhaupt eine Gelegenheit dazu bekam. Aber nochmal, wann sollte diese Gelegenheit gewesen sein? Er wusste es nicht, und das ärgerte ihn noch mehr- allein der Gedanke daran, dass Scamander es irgendwie geschafft haben könnte, ihn zu überlisten- ihn, von allen Menschen- sorgte dafür, dass sich in ihm alles zusammen zog. Albus, der bemerkt zu haben schien, dass ihn irgendwas beschäftigte, seufzte kurz. " Spielt es wirklich eine Rolle?" Fragte er dann, nicht wirklich genervt, doch offensichtlich auch nicht willig, weiter über das Thema zu sprechen.
" Nennen wir es Schicksal", fügte der Ältere beschwichtigend hinzu, und Gellert entschied sich, dass er es sich erst einmal damit zufrieden geben würde. Mehr oder weniger. Die Fragen schwirrten nicht immer in seinem Kopf herum, und ohne dass er richtig den Grund dafür benennen konnte, fühlte er sich ein wenig verraten, doch er beschloss, all diese Dinge erst einmal zu verdrängen. Er war wegen Albus hier- und es wäre mehr als dämlich, die wenige Zeit, die sich miteinander hatten durch ein Streitgespräch noch mehr zu verkürzen. Er war nicht hier um zu streiten. Er war nicht hier, um Vorwürfe zu machen. Er war hier, weil Albus im geschrieben hatte, dass er hier sein sollte. Sein Blick fiel erneut auf den Blutpkat in Albus geschlossener Hand. " Lass mich ihn sehen", sagte er also leise, einerseits um sich von seinen vorherigen Gedanken abzulenken, andererseits, weil er es wirklich so meinte, wie er es sagte. Er wollte ihn sehen- einen weiteren Blick darauf werfen, zumal er bezweifelte dass Albus vorhatte, ihn ihm wieder zurück zu geben. Nur ein kurzer Blick auf das, was ihm einst so viel beutetet hatte, dass er es Tag und Nacht bei sich getragen hatte. Einige mochten es Paranoia nennen, doch die Wahrheit war, dass er den Blutpakt meistens nicht einmal zum Schlafen abgelegt hatte. Zu groß war die Angst davor gewesen, dass er ihm irgendwie abhanden kommen würde- und dann hätte er gar nichts mehr, das ihn mit Laubs verband.
Sein Gegenüber kam seiner Aufforderung nach, und wenige Sekunden später sprang ihm die kleine Phiole ins Auge, die er seit jeher mit sich getragen hattet. Die, die er so lange bei sich getragen hatte, dass er sich im Nachhinein fast darüber wunderte, dass sein Herz bei der Realisation, dass er den Pakt nicht mehr besaß nicht ausgesetzt hatte. Er erinnerte sich noch daran, wie kalt er sich gefühlt hatte. Wie diese Gefühl von kälte mit eisigen Händen nach ihm gegriffen hatte, und er sich plötzlich um einiges mehr alleine Gefühlt hatte als er es bisher getan hatte. Der Blutpakt war ein Teil von beiden von ihnen, und wenn er ihn getragen hatte, bei sich gehabt hatte, hatte es sich fast angefühlt, als wäre Albus auch bei ihm. Manchmal war es fast genug gewesen, um dieses scheinbar endlose Sehnsucht die an ihm nagte zum Schweigen zu bringen. Genug, damit er sich einreden konnte, dass er nicht ganz alleine war.
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The Enemy // Grindeldore
Fanfiction~ If I could make you the enemy, I would ~ Es wurde schwerer, Orte für ihre Treffen zu finden-Albus war nicht naiv genug, als dass er dies nicht merken würde. Es wurde schwerer, mit jedem Mal, das Gellerts Name in den Schlagzeilen des Tagespropheten...
