Es tut weh, Al. Das Echo der Worte hallte in seinem Kopf nach, und er wünschte sich , er könnet die Traurigkeit, von denen sie getränkt waren überhören. Er wünschte sich fast, er würde das leichte Glänzen in den Augen des dunklen Magiers nicht sehen können, so egoistisch dieser Wunsch auch klingen musste. Trotzdem hatte er sich schon öfter dabei ertappt, dass er sich wünschte, den Gefühlen des Anderen gegenüber nur ein kleines Stück gleichgültiger sein zu können. Dass er dessen Schmerz nicht nahezu mitfühlen könnte, als wäre es sein eigener. Dass Gellert ihm gegenüber nur ein kleines Stück grausamer, weniger menschlich wäre. So, dass es ihn nicht sämtliche Kraft kostetet, sich in den Kopf zu rufen, wer genau da bei ihm saß, und warum genau er schleunigst abstand von ihm gewinnen sollte. So, dass er sich nicht so sehr anstrengen musste sich alle Gräueltaten, die dieser begangen hatte in den Kopf zu rufen, nur um genug Willensstärke aufzutreiben, um die Mauer zwischen ihnen nicht komplett einstürzten zu lasen. es wäre so viel leichter, diesem verräterischen Drängen seines eigenen Herzens zu widerstehen.
Dem Teil von ihm, der das alles hier nicht wollte. Der diesen Konflikt, diesen Kampf, der nahezu einem kalten krieg glich nicht wollte. Der auf sein Gegenüber eingehen, die Sachen zwischen ihnen klären, ihm noch eine Chance geben wollte, ungeachtet dessen, dass er dies schon zu oft getan hatte. Dem Teil von ihm, der die Vergangenheit, die erzwangen des Ministeriums am liebsten hinter sich lassen, sie vergessen wollte. Der Teil von ihm, der, wenn man ihm die Möglichkeit geben würde, von all dem Ablassen würde, es eintauschen würde, gegen die Möglichkeit, sein Gegenüber wieder in den Armen halten zu können. Für die Chance, die Lippen des Anderen wieder auf seinen spüren zu können. Abends neben ihm einschlafen, und am nächsten Morgen neben ihm aufwachen zu können. Dessen Wärme, die Sicherheit, die diese ihm so fot gegeben hatte gegen seine eigenes, leeres Bett, das sich manchmal so erschreckend kalt anfühlte eintauschen zu können. Sich noch einmal nicht alleine fühlen zu müssen. Dieses Gefühl, von Leuten umgeben und doch alleine zu sein vergessen zu können. Die Chance, noch einmal, von vorne beginnen zu können, ein Leben mit dem Jüngeren haben zu können.
Aber das waren die verzweifelten Träumereien des naiven, achtzehnjährigen Jungen, der er einst gewesen war. Aber dieser Junge war er nicht mehr, dieser Junge war in jenem Sommer gemeinsam mit seiner Schwester gestorben. Es waren schöne Träumereien, aber es waren Träumereien, und es wäre nicht gut, sich darin zu verlieren. Sie sich in einem endlosen was wäre wenn durch den Kopf gehen zu lassen- denn letzten Endes, würde es den Schmerz nur verstärken. Letzten Endes würde er sich damit nur selbst kaputt machen. Er war nicht mehr der Junge von damals, ebenso wenig wie Gellert seinerseits der Junge von damals war. Und er hatte ein versprechen gegeben- an seine Freunde. An seinen Bruder. An die Zaubererwelt. Wer wäre er, es einfach zu brechen? Er hatte gesehen, was sein einstiger Egoismus angerichtet hatte- er konnte sich nicht dazu bringen, erneut egoistisch zu sein. Gellert konnte sich nicht dazu bringen, seine Ziele loszulassen, Albus konnte sich nicht dazu bringen, sein Versprechen loszulassen. er durfte es nicht loslassen. Es war ganz einfach. Aber bei Merlin, warum musste das so schwer sein? "Was meinst du damit?" Die Worte verließen seine Mund, ehe er sie stoppen konnte- nicht zuletzt wohl mangels einer besseren Antwort.
Gellert lachte freudlos auf. Ein leiser, milder Laut, der etwas erschreckend Besiegtes an sich hatte. " Du verstehst es nicht, nicht wahr? fragte er dann, noch immer ohne wirklichen Vorwurf in der Stimme. " Ich sehe dich in ihnen. Immer wieder. An den verschiedensten Orten. Manchmal sehe ich dich, wie du mir sagst, dass du mich hasst. Manchmal sehe ich dich, wie du mir sagst, dass du mich liebst. Ich sehe, wie wir gegeneinander kämpfen. Oder wie war es nicht tun. Wie du mir den Rücken kehrst, und nie mehr zurück blickst. " Eine kleine Pause, und Albus erinnerte sich daran, wie Gellert ihm einst erzählt hatte, dass das, was er in seinen Visionen war mehr Möglichkeiten als eine bestimmte Zukunft waren. Dass es Dinge waren, die eintreten konnten, oder auch nicht. Die anders eintreten konnten, als man dachte. die in einem ganz anderen Kontext passieren konnten, als man annahm. Das bedeutete nicht, dass sie weniger bedeutsam waren- es beutete nur, dass sie teilweise unendlich schwer einzuordnen waren- und dass anzunehmen war, dass seinem Gegenüber nicht selten der Kopf schwirrte, wenn er dies versuchte. " Ich weiß nie, was genau davon eintreten wird. Und sie hören nicht auf. Und ich kann nichts Anderes tun, als dazustehen, und sie über mich ergehen zu lassen. Weil du nicht wirklich da bist. Du bist überall außer an meiner Seite. Überall, nur nicht bei mir, und das bringt-", der Schwarzmagier stockte. Seine Augen weiteten sich kurz, als würde er es jetzt begreifen, was er fast gesagt hätte. Was er bereits gesagt hatte. Dann schluckte er schwer. " Und das bricht mir das Herz, Albus."
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The Enemy // Grindeldore
أدب الهواة~ If I could make you the enemy, I would ~ Es wurde schwerer, Orte für ihre Treffen zu finden-Albus war nicht naiv genug, als dass er dies nicht merken würde. Es wurde schwerer, mit jedem Mal, das Gellerts Name in den Schlagzeilen des Tagespropheten...
