Er wusste, dass seine Worte dieses Mal ziemlich kühn gewählt waren, denn er wusste auch, dass es in den letzten Jahren kein richtiges uns mehr gegeben hatte. Dass man ihre flüchtigen Treffen, die kurzen Momente in denen sie vergessen konnten- oder versuchten zu vergessen, welche Rollen sie eigentlich zu spielen hatten. Dass sie eigentlich Feinde sein sollten. Aber um sein Gegenüber aus der Reserve zu locken, brauchte er scheinbar auch kühne Worte. Diese entschlossene, ruhige Fassade seines Gegenübers machte ihn nervös- sie verunsicherte ihn. Sie ließ das, was zwischen ihnen geschehen war so endgültig wirken, dass er das Gefühl hatte, sein Herz würde in seiner eigenen Brust zerquetscht werden. Er wusste, dass es nicht gerecht war, seinem Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu machen- so wie er in Buthan gewusst hatte, dass seine Worte grausam gewesen waren, noch im selben Moment, in dem er sie geäußert hatte. Außerdem waren sie eine Lüge gewesen.
Nicht nur, weil er tief in seinem Herzen wusste, dass er nie in der Lage wäre, komplett aufzuhören Albus zu lieben, sondern auch, weil er wusste, dass dieser nicht wirklich alleine war. Er hatte seine Kollegen, seine Freunde, seine Verbündeten. Er war von Menschen umgeben. Gellert selbst auch- und doch fühlte sich der Schwarzmagier so alleine wie seit Ewigkeiten nicht mehr. So alleine, wie er sich zuletzt nach dem Tod seines Vaters gefühlt hatte, als seine Mutter und er ihre frühere Heimatstadt Wien mitten in er Nacht verlassen hatten, um zu seinen Großeltern zu flüchten. Seine Mutter hatte richtig erkennt, dass es zu riskant wäre, in jener Stadt zu bleiben, nach dem, was mit ihrem Mann geschehen war. Sie war der Meinung gewesen, dass sie von jenem Ort verschwinden mussten, noch ehe die Aufmerksamkeit der Menschen sich auf sie und ihren Sohn richten würde.
Noch ehe sie die Verbindung ziehen, und realisieren würden, was sie waren. Und so war es beschlossene Sache gewesen- mit schockierende Klarheit erinnerte er sich noh daran, wie seine Mutter ihn mitten in der Nacht, die auf einen einen unheilvollen Tag gefolgt geweckt hatte. Ihn nahezu mit sich gezogen hatte, nachdem sie sämtliche Besitztümer, die sie als wichtig genug erachtet hatte in Koffern vertraut hatte- die meisten davon waren Klamotten gewesen. Er erinnerte sich noch daran, wie er sich verschlafen in seinem Zimmer umgesehen hatte, wissend, dass dies das letzte Mal sein würde, dass er es sehen würde. Wissend, dass er vermutlich nie mehr an diesen Ort zurück kehren würde. Und dann waren sie appariert. So geschockt und verängstigt seine Mutter auch gewesen war, irgendwie hatte sie die Kraft dazu aufgebracht, mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen, und ihre Eltern aufzusuchen. Die Trauer brach erst später über sie herein, dann, als sie die Gewissheit gehabt hatte, dass sie im Anwesen ihrer Eltern sicher waren.
Dann hatte die Zeit begonnen, in der sie sich mehr und mehr zurück gezogen, sich immer weniger um ihren Sohn gekümmert hatte, der umso mehr Zeit mit seinen Großeltern verbracht hatte. Damals hatte er sich alleine gefühlt, und manchmal hatte er sich dabei ertappt, wie er sich nach Hause gewünscht hatte, obgleich er eigentlich gewusst hatte, dass nun das Anwesen der Bagshots sein neues zu Hause war. Mit nur dem Schatten einer Mutter und seinen distanzierten Großeltern als Gesellschaft war es wirklich einsam, gewesen. Kalt. Verlassen. Und doch hatte er das Gefühl, dass die Leere die er jetzt empfand schlimmer war- vielleicht weil er sich mittlerweile an eine Zeit erinnern konnte, zu der sie nicht da gewesen war. Vielleicht, weil der Grund für eben jener Zeit nun direkt vor ihm stand, und doch so unendlich weit von ihm entfernt schien, dass e kaum zu ertragen war. Albus seufzte frustriert auf, fuhr sich mit der rechten Hand durch die rötlichen Strähnen, wandte dann Blick erneut kurz von Gellert ab.
" Uns?" Wiederholte der Ältere ungläubig, und obwohl dieser erschreckend gefasste, beinahe gleichgültige Ausdruck endlich aus den blauen Augen des anderen Mannes zu weichen schein, fühlte die ungläubige Erwiderung sich trotzdem an, wie eine weiterer Schubs, mit dem Albus ihn von sich weg stieß. Die Art, wie er es aussprach, als wäre das, was jenes Wort andeutete ein Ding der Unmöglichkeit. Als wäre es ein Traum, eine Wunschvorstellung, die jedoch nie wirklich existiert hatte. Die ihm nahezu absurd erschien. " Seien wir mal ehrlich, Gellert- wie lange ist es her, seit wir wirklich von einem uns sprechen konnten? Zumindest eines, das nicht nur aus flüchtigen Treffen an immer abgelegeneren Orten bestand, bei denen wir versuchen so zu tun, als wüssten wir nicht, wie sie enden werden?" Seine Stimme klang beherrscht, beinahe sachlich, und doch erinnerte sein Verhalten den Jüngeren nun wieder mehr an Albus' Reaktion in dem Restaurant in Edinburgh, oder in Buthan.
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The Enemy // Grindeldore
Fanfiction~ If I could make you the enemy, I would ~ Es wurde schwerer, Orte für ihre Treffen zu finden-Albus war nicht naiv genug, als dass er dies nicht merken würde. Es wurde schwerer, mit jedem Mal, das Gellerts Name in den Schlagzeilen des Tagespropheten...
