Six ( Part one)

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Der Schnee knirschte leise unter den Schuhsohlen des Zauberers, während er durch die Straßen streunte. Es musste ein merkwürdiger Anblick sein, wenn man ihn jetzt sehen würde- wie er alleine durch die dunklen Straßen wanderte, im spärlichen Licht der Straßenlaternen, während die Schneeflocken vom Himmel rieselte, und sich in seinen Haaren und Wimpern und Klamotten verfingen. Die Kälte der Schneeflocken, die auf der unbedeckten Haut im Gesicht landetet ließen ihn beinahe zusammen fahren. Eigentlich mochte er die Kälte- ebenso wie er den Winter mochte. Einst war dieser wohl sogar seine liebste Jahreszeit gewesen- trotz dessen, wie kalt die Winter früher in Durmstrang gewesen waren. Trotz dessen, wie verdammt kalt es im Schloss gewesen war, sobald auch nur der Herbst begonnen hatte- wie es größtenteils soagr nötig gewesen war, die schweren Mäntel der Uniformen innerhalb vom Schloss zu tragen. Schließlich waren es nur die Klassenräume gewesen, in denen geheizt worden war- und auch nur dann, wenn in diesen gerade Unterricht stattgefunden hatte. Die Kälte, die das Land heimsuchte und die Schüler plagte, hatte die Lehrer nie sonderlich gekümmert, und so hatte es an ihnen selbst gelegen, sich mit Wärmezauber  warm zu halten. Mittlerweile musste er zugeben, dass die bedeutendste Jahreszeit in seinem Leben bisher wohl der Sommer gewesen war, doch er mochte den Winter noch immer. Meistens zumindest. An diesem Tag bescherte die Kälte ihm eine Gänsehaut. Sie war so deutlich spürbar, dass es beinahe weh tat.

Der Schnee und der kühle Wind brannten auf seinen Wangen, so dass Gellert nicht drum herum kam, den Kopf unwillkürlich leicht zu senken, in der Hoffnung, dass es dieses Gefühl ein wenig abmildern würde. Ohne großen Erfolg. In gewisser Weise passte das Wetter perfekt zu seiner momentanen Verfassung- es war fast wie ein Spiegel dessen, was in seinem Inneren vor sich ging. Während er direkt nach Buthan geradezu zu viel empfunden hatte, hatte er nun den Eindruck, sämtliche Emotionen wären eingefroren worden. Vielleicht waren die Emotionen jedoch auch einfach zu viel gewesen- zu viele auf einmal  so, dass er sich jetzt nicht mehr sicher war, was genau er empfand. So, wie wenn ein Maler sämtliche Farben seiner Palette miteinander vermischte, bis keine einzelne mehr herauszufiltern waren. Bis sie alle in einen Braun- oder Grauton übergingen. Er fühlet sich kalt, und seltsam leer- die leeren, dunklen Straßen der Stadt waren wohl wirklich die perfekte Verbildlichung davon. Er fühlte sich leer, als würde irgendwo in seinem Inneren ein tiefes Loch klaffen.

Unwillkürlich dachte er daran, wie lächerlich das, was er jetzt gerade tat war. Was für ein lächerliches Bild all das abgeben würde, wenn jemand außer ihm darüber Bescheid wüsste- dass er, der gefährlichste Schwarzmagier seiner Zeit im Winter durch die verlassenen Straßen dieser Stadt wanderte wie ein verlorener Streuner, und nach der Person suchte, die er am wenigstens suchen sollte. Nach der Person, die er eigentlich hassen sollte. Erst recht nach dem, was jene Person getan hatte. Er sollte nicht durch die Straßen irren, mit flauem Magen und klopfendem Herzen und dem Wissen, dass das, was er hier gerade tat absoluter Blödsinn war. Er sollte in Nurmengard sein, er sollte an seinen Plänen arbeiten. Er sollte seien Ziele weiter voran bringen, zumal auch seine Anhänger auf ihn zählten. Er sollte sich nicht hiervon, von solchen Kleinigkeiten ablenken lasen. 

Er sollte Albus hassen- verdammt, er sollte ihn gar tot sehen wollen. er hätte ihn töten können, damals nach ihrem Duell, damals, als der ältere Zauberer ihm so unvorsichtig den rücken zugekehrt hatte- aber er hatte es nicht getan. Weil er wusste, dass er es nicht über sich bringen konnte. Weil er wusste, dass er  vermutlich daran kaputt gehen würde, sollte es letzten Edes wirklich er sein, durch dessen Zauberstab Albus Dumbledore den Tod fand. Weil ein Teil von ihm wusste, dass sämtliche Ziele, sämtlicher Erfolge seinerseits hohl sein würden, wenn er dafür die eine Person töten müsste, die ihm einst alles beutetet hatte. Buthan hatte ihm dies nur noch einmal mehr ins Gedächtnis gerufen. Er könnte es nicht über sich bringen, und er hasste sich selbst dafür. Ebenso wie dafür, dass er damals, vor einer gefühlten Ewigkeit mehr Erleichterung als Enttäuschung  darüber empfunden hatte, dass Aurelius bei seinem halbherzig gegeben Auftrag gescheitert war. 

The Enemy // GrindeldoreWo Geschichten leben. Entdecke jetzt