" Ich rannte", wiederholte der Durmstrang Schüler leise, mit einer Sanftheit, die weder zu den Worten noch zu der Situation passte, und die fast über die Bitterkeit hinweg täuschte, die in den Worten mitschwang. Von der Bitterkeit, vor der sie nur so zu triefen schienen, und die sich gegen die Vergangenheit, gegen die Art, wie ausweglos die momentane Situation erschien, und gegen Gellert selbst zu richten schein. " und es verging kaum ein tag, an dem ich mich nicht dafür hasste. Eine Zeit lang dachte ich, ich könnte mich damit arrangieren. Ich dachte, ich könnte es-uns- hinter mir lassen, wenn ich mich nur genug auf meine Ziele fokussieren würde. Aber ich konnte es nie." Abus erinnerte sich noch an ihr erstes Treffen, nach all den verstrichenen Jahren, an den Brief, der ihn so lange hatte zögern lassen. Daran, wie sie jenes Thema bereits damals erstmals aufgegriffen hatten- doch bisher hatten sie nie im Detail darüber geredet. Bisher hatten ihre Worte nur über die Oberfläche von all dem gekratzt, ohne wirklich Einfluss über all das darunter zu haben. Bisher waren sie um dieses Thema herum getanzt- war er selbst bewusst um dieses Thema herum getanzt wie ein Schüler um eine Hausaufgabe, die er besonders ungern erledigen wollte. Und bisher konnte er sich nicht daran erinnern, dass Gellert in irgendeinem vorherigen Gespräch so offensichtlich und komplett schuldbewusst geklungen hatte. Bisher hatte der Schwarzmagier zu oft versucht, sich zu rechtfertigen, war Albus Worten und Argumenten stets mit Gegenargument begegnet- nie zuvor, mit Ausnahme von ihrem Gespräch nach dem Duell in Buthan hatte sein gegenüber so vor- oder eher neben ihm gestanden.
Mit gesenkten schultern, den Händen tief in den Taschen seines Mantels vergraben, und bemüht, seinem blick auszuweichen. Nie zuvor hatte an ihm irgendeine Art von Schuld ansehen können- nie zuvor hätte man erahnen können, dass er diese überhaupt empfand, denn obgleich er einst behauptet, dass er seine Machenschaften nicht genoss, war er bisher stets darauf versessen gewesen, sie so zu rationalisieren. Sie als etwas Notwendiges, als etwas Richtiges darzustellen. Bisher schien er immer in der Lage gewesen zu sein, sie zu rechtfertigen. zumindest für sich selbst, auch wenn Albus sich allmählich fragte, wie sehr das wohl der Fall sein mochte. Vielleicht tat er es noch immer, wenn es um seine momentanen Machenschaften ging- doch nun, in diesem Moment, wo die Vergangenheit sie allmählich einzuholen, und der Geist von Albus' verstorbener Schwester über der gesamten Situation zu lungern schein, war kau joch eine Spur von dieser rechthaberischen Seite des Jüngeren zu sehen. Die ungleichen Augen des anderen Mannes glänzten, als er wieder zu Albus aufblickte- vielleicht war es leidglich die Art, wie sie das Licht reflektierten, das aus den Fenstern des Cafés noch immer zu ihnen drang. vielleicht war es die Kälte, die ihm etwas wie Tränen in die Augen treib, oder vielleicht war es allein Albus' Verstand, der zu viel in diesen Anblick hinein interpretierte. Oder vielleiht- und letzten Endes wusste er, dass diese letzte Annahme am ehesten der Wahrheit entsprach- war das, was in den Augenwinkeln des meist gesuchten Zauberer schimmerte tatsächlich ein Anflug von Tränen. " Ich wünschte, ich könnte dir deine frage beantworten, Al. Wirklich. Ich würde es tun, wenn ich könnte, aber...damals ging alles so schnell. Zu schnell, selbst für mich." Ein leichtes Lächeln umspielte die Mundwinkel des anderen Mannes, doch es hatte kaum etwas Fröhliches an sich- viel mehr wirkte es wie eines von denen, die jemand aufsetzte, wenn er nicht wusste- nicht wissen wollte- was die Alternative dazu wäre.
" Ich weiß", seufzte Albus. Zu schnell- welch eine passende Art, das Geschehene zu betiteln. Wie das Duell begonnen hatte- zornige Worte, die zu noch zornigeren Aktionen geführt hatten, Zauberstäbe die gezückt worden waren. Und Zauber, die aufeinander getroffen waren- Muggel hätten diese Streitigkeiten vermutlich mit Fäusten geklärt, doch sie waren keine Muggel gewesen, und so war die Auseinandersetzung fataler geendet, als jede Prügelei es je hätte können. " Für mich war es das auch. Und für Abe, wo wir schon dabei sind. Ich glaube, ich wünsche mir einfach ein wenig Klarheit in dem heillosen durcheinander von damals. Aber ich schätze, die Erinnerung wird wohl für immer verschwommen bleiben, nicht wahr?" vermutlich war Gellerts Antwortirgendwo so erwarten gewesen- vermutlich war abzusehen gewesen, dass seine Erinnerung nicht viel besser, nicht viel detaillierter sein würde, als Abus' eigen. In dem Chaos von aufeinander treffenden Zaubern und explodierenden Lichtern, war es fast unmöglich gewesen, den Überblick zu erhalten- Seher oder nicht. Und auch, wenn es nicht die Antwort war, die er sich erhofft hatte-auch wenn es keine richtige Antwort gewesen war- konnte er nicht anders, als etwas wie Dankbarkeit zu empfinden. Dafür, dass sein Gegenüber ehrlich gewesen war- vor nicht allzu langer Zeit war er noch der Meinung gewesen, dass Ehrlichkeit mittlerweile ein Fremdwort für Gellert gewesen war, doch in diesem Moment war er sich sicher, dass dem nicht so war. Die Schuld, die Trauer seines Gegenübers kam ihm zu frisch, zu roh vor, als fass es geschauspielert sein könnte.
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The Enemy // Grindeldore
Fanfiction~ If I could make you the enemy, I would ~ Es wurde schwerer, Orte für ihre Treffen zu finden-Albus war nicht naiv genug, als dass er dies nicht merken würde. Es wurde schwerer, mit jedem Mal, das Gellerts Name in den Schlagzeilen des Tagespropheten...
