Albus nickte stumm, und spürte, wie sich ein leichter Kloß in seinem Hals formte. Natürlich war diese Information nicht wirklich etwas Neues für ihn- schließlich wusste er von Gellerts Visionen, und nicht zuletzt wusste er auch, dass diese ihm teilweise mehr zusetzten, als der Seher zugeben würde. Zwar hatte Gellert schon al Jugendlicher zumindest eine gewisse Kontrolle über seine Visionen besessen, doch das bedeutete nicht, dass diese immer perfekt gewesen war. Im gegenteil- es hatte immer wieder Momente gegeben, in denen sie ihn mehr oder weniger überrumpelt hatten, in denen die von dem Blonden so geliebte Kontrolle ins Wanken geraten war, und den Jungen, der normalerweise immer so beherrscht, so gelassen wirkte in einer für ihn völlig untypischen, aufgelösten Verfassung zurück ließen. Und er konnte sich noch zu klar daran erinnern, wie beunruhigend er dies anfangs gefunden hatte.
Dabei war es weniger die Art gewesen, wie sich die Visionen seines Gegenübers geäußert hatten- auch, wenn dies womöglich auch etwas damit zu tun gehabt hatte, zumindest bis er sich daran gewöhnt hatte. Denn selbst er konnte nicht verleugnen, dass das Ganze zu Beginn etwas Unheimliches gehabt hatte- zumindest ein wenig. Insbesondere dieser starre, ausdruckslose Blick, der in die sonst so klaren und aufmerksamen Augen seines Gegenübers getreten war. Der gleichzeitig so fokussiert, und so losgelöst von Allem schein. Als würde der Blonde etwas anblicken, was nur er sehen konnte- etwas, das sich außerhalb der Grenzen von der Albus bekannten Welt befand, was vermutlich soagr stimmte. Es war ein seltsamer Gedanke gewesen, und der Rothaarige würde lügen, wenn er sagen würde, dass er ihn sonderlich beruhigend fand.
Doch trotzdem hatte all das ihn weniger verstört als die Art, wie verloren der andere Junge teilweise ausgesehen hatte, als sein Bewusstsein nach und nach in die Gegenwart zurück kehrte. die geweiteten, zweifarbigen Augen, die sich hektisch umblickten, als müsste der Jüngere erst einmal begreifen, wo genau er sich befand. Die hektische, schwere Atmung nach einer besonders schlimmen Vision, die sich manchmal auf erschreckende Weise mehr nach einem ringen nach Luft angehört hatte, als nach einem normalen Atemzug. Und manchmal- nur manchmal, wenn es besonders schlimm, oder besonders plötzlich gewesen war- waren da einige einzelne Tränen gewesen, die in den Augenwinkeln des Sehers geglitzert hatten. Tränen, die Gellert oft in einer trotzigen Geste mit dem Handrücken weggewischt hatte, nur um frustriert festzustellen, dass ihnen nicht selten noch Weitere folgten.
In solchen Momenten hatte er so viel jünger gewirkt als normalerweise, so jung, wie er tatsächlich gewesen war. So, wie Gellert sich die meiste Zeit über gegeben hatte, war es manchmal leicht gewesen zu vergessen, dass der Blonde trotz Allem gerade einmal siebzehn Jahre alt gewesen war. Abus verbannte das Bild von diesem gehetzten, verängstigten Ausdruck des ungleichen Augenpaares eines Jungen, den er einst gekannt hatte in den Hinterkopf. Jetzt war nicht der Moment um in Erinnerungen zu versinken- doch obwohl es so ziemlich außer Frage stand, dass Gellerts Kontrolle über seine Visionen im Laufe der Jahre um einiges besser geworden sein musste, konnte er nicht anders, als ein geradezu irrationales Schuldgefühl zu verspüren, wenn er daran dachte, dass er und seine Verbündeten eben diese Fähigkeit des Schwarzmagiers zu ihrem Vorteil genutzt hatten. " Es ist eine Sache, sie im wachen Zustand zu kontrollieren. Ich hatte Jahre lang Übung darin", fuhr Gellert fort, und riss Albus somit endgültig aus seinen vorherigen Gedankengängen.
Der Schwarzmagier zögerte kurz, runzelte die Stirn, als gäbe es etwas, das er eigentlich hinzufügen wollte, obgleich es ihn scheinbar beinahe dazu drängte. Und Albus fragte sich, wie so oft schon, was genau gerade in den Gedanken des Anderen vor sich ging. es hätte kaum einen Zweck zu versuchen, seien Gedanken zu lesen. Zu einen war Gellert Okklumentiker , noch dazu einer, der jene Fähigkeit beinahe perfekt zu beherrschen schein. Zumindest gut genug, um zu verhindern, dass jemand in seien Gedanken eindrang, wenn er nicht wollte, dass jemand in seine Gedanken eindrang- eine weiterer Sache, die Albus im Bezug auf die Frage, wie das Ministerium wohl an die Information bezüglich der Verbindung zwischen Gellert und ihm gekommen war Kopfschmerzen bereitete. Doch die natürlich Begabung des Jüngeren in der Okklumentik war nur einer der Gründe, warum Albus keinen solchen Versuch startete- es nie getan hatte, so gern er oft auch wissen wollte, was genau in Gellerts Gedanken vor sich ging.
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The Enemy // Grindeldore
Fanfiction~ If I could make you the enemy, I would ~ Es wurde schwerer, Orte für ihre Treffen zu finden-Albus war nicht naiv genug, als dass er dies nicht merken würde. Es wurde schwerer, mit jedem Mal, das Gellerts Name in den Schlagzeilen des Tagespropheten...
