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Monate später.

[•Célest•]

Mehrere Monate sind vergangen und irgendwie ist vieles passiert, aber gleichzeitig auch nichts. Okthevia ist zurückgekommen, aber sie wurde einen Tag nach ihrer Rückkehr wieder weggebracht, weil sie sich weigerte, die Hochzeitspapiere zu unterschreiben. Wir wissen nicht, wo sie ist oder wie es ihr geht. Es ist die ganze Zeit ruhig hier, jeder ist in seinem eigenen Zimmer oder spricht nicht miteinander. Die Stimmung ist angespannt, vor allem bei Gabriela.
Sie ist daran zerbrochen und hat das Zimmer nicht verlassen. Ihr ging es nicht gut, als Okthevia weggebracht wurde, als sie den Entzug gemacht hat und jetzt, wo Okthevia völlig verschwunden ist, zerbricht sie endgültig.

Okthevia war immer stur, wir alle wussten, dass sie die Papiere nicht unterschreiben würde, weshalb es nie eine Hochzeit gab. Wir standen alle im Esszimmer und warteten, aber sie tat es nicht und jetzt ist sie weg. Wir wissen nicht, wo sie ist, wie es ihr geht oder ob sie überhaupt noch lebt.

Ich war die ganze Zeit zu Hause und durfte nicht raus, weil Álvaro mich nicht begleiten konnte. Er ist seit Wochen nicht da, genauso wie Juan und Marcus. Wenn er zu Hause war, ignorierte ich ihn und sprach nur, wenn es nötig war. Zurzeit kommt er spät von der Arbeit und geht früh. Das hat mir die Sache etwas erleichtert. Die Stimmung in der Villa ist angespannt. Es ist so seltsam hier, die Zeit vergeht wie im Flug und ich komme kaum hinterher. Außerdem ist es so langweilig hier. Jeden Tag sitze ich hier, denke nach, was wir tun sollten, oder verbringe die Zeit damit, Filme zu schauen oder zu lesen. Warum passiert nichts Aufregendes?

Heute war es ziemlich kühl, der 14. Dezember. Weihnachten rückt näher, aber die Stimmung ist alles andere als festlich. Normalerweise würden wir jetzt ständig über Weihnachten reden, Weihnachtsfilme schauen, Plätzchen backen und das Haus dekorieren. Miriana und Gabriela würden in Dauerschleife Weihnachtslieder laufen lassen und wir würden uns darüber beschweren. Am 15. Dezember hätten wir schon das Wichteln vorbereitet. Aber das ist jetzt anders. Weihnachten fühlt sich nicht mehr so an wie früher.
Seufzend lief ich die Treppe hinunter, der Duft von Abendessen lag schon in der Luft. Ich sprang die letzten Stufen hinunter und ging ins Esszimmer.

Álvaro war nicht da und es war seltsam ruhig. Es schien, als wäre ich ganz alleine mit Natascha und Valeria. „Na super," murmelte ich, „keiner kommt mehr zum Essen?" Ich verdrehte die Augen, als mir Valeria mitteilte, dass niemand mehr da war. Natascha saß angespannt da. „Ich will raus essen gehen," sagte ich. Verwundert schaute mich die rothaarige an. „Wir dürfen die Villa nicht verlassen," antwortete sie und ich zuckte mit den Schultern. „Na und? Wir können immer noch lügen" grinste ich. „Willst du mit ko-" Valeria brach ihren Satz ab. Stattdessen verstummte sie und starrte jemanden rechts von sich mit purem Hass an. „Lass uns gehen" sagte Valeria und stand auf, während sie mir folgte. „K..." Natascha räusperte sich. „Kann ich mitkommen?" Wir ignorierten sie einfach.
„Ich kann problemlos raus und ich-"
„Nein" unterbrachen wir sie gleichzeitig. „Wir wollen nicht, dass du mitkommst" sagte ich, meine Stimme deutlich wütend, während ich versuchte, ruhig zu bleiben. Natascha spielte nervös mit ihrer Kette und biss sich auf die Lippe.

„Also, Vale, wie sollen wir das anstellen?" fragte ich, während wir das Esszimmer verließen. Doch wir blieben abrupt stehen, als die Schlange hinter uns weitersprach: „Ich werde Álvaro und Andrés anrufen, wenn ihr geht." „Das wagst du nicht!" Valeria trat einen Schritt auf sie zu. „Willst du es darauf ankommen lassen?" Natascha verschränkte die Arme und sah uns mit einem eingebildeten Blick an. Ich warf einen Blick zu Valeria, die schon genervt zu mir schaute. Ich dachte nach: Beide könnten uns verfolgen, aber wenn wir mit Natascha gingen, würden sie es vielleicht erst später erfahren. Und wenn sie es dann merken, wenn wir schon im Laden sind, dann können sie nicht mehr viel machen – vielleicht nur ein bisschen Drama. Auf jeden Fall wollte ich nicht hier sitzen, essen und sauer sein, wenn sie plötzlich in den Laden stürmen.

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt