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[•Celést•]

„Oh neiiinnnn", stöhnte ich und drückte mir ein Kissen aufs Gesicht. „Stehen Sie auf, das Frühstück hat begonnen", ertönte eine viel zu laute, viel zu fröhliche Stimme. Ich stöhnte erneut. Wer war so grausam, so früh am Morgen? Mein Kopf dröhnte, als hätte eine Band in meinem Schädel geprobt. Innerlich verfluchte ich Miriana. Nur wegen ihr hatte ich so viel getrunken und jetzt bezahlte ich den Preis. „Mach die scheiß Gardinen zu!", fauchte ich und bereute es sofort. Mein eigener Schrei fühlte sich an, als würde jemand mit einem Presslufthammer auf mein Gehirn trommeln. Ich hörte, wie die Gardinen zugezogen wurden, gefolgt vom leisen Rattern der Jalousien. Die Dunkelheit war wie eine Umarmung. Vorsichtig öffnete ich die Augen, blinzelte gegen das schummrige Licht und tastete nach der Nachtlampe. Mit meinem Handy in der einen Hand schlurfte ich wie ein Zombie ins Badezimmer. Licht an – Fehler! Ich kniff die Augen zusammen und hielt mir die Stirn.

Dann der Schock. Ich starrte in den Spiegel und zuckte zurück. Mein Make-up war verschmiert wie bei einem traurigen Clown, meine Haare standen in alle Richtungen, und meine Haut glänzte ungesund. Ich sah aus wie ein wandelnder Kater – im wahrsten Sinne. Schnell schminkte ich mich ab, wusch mir das Gesicht, putzte die Zähne und kämmte meine wilden Haare, zumindest halbwegs bändigte ich sie. Zurück im Zimmer schnappte ich mir das Shirt von Álvaro – wahrscheinlich hatte er es mir gestern Nacht angezogen. Ich ersetzte es durch einen gemütlichen Hoodie von ihm, zog noch ein T-Shirt drunter und schlüpfte in eine Jogginghose. Im Esszimmer war es meistens kalt, und ich war nicht bereit für noch mehr unangenehme Überraschungen. Mit hochgezogener Kapuze, halb geschlossenen Augen und der Müdigkeit noch schwer auf den Schultern schlurfte ich langsam die Treppen hinunter. Bereit für Kaffee.

„Da sieht aber jemand gut aus", witzelte Luna, und ich verkniff mir ein genervtes Augenrollen.
„Psshhh", zischte ich nur. „Guten Morgen, mi Amor", begrüßte mich Álvaro mit einem sanften Lächeln, während er den Stuhl neben sich für mich zurückzog. Ich schüttelte nur müde den Kopf. „Wir sollten heute einfach schweigen." „Da stimm ich dir absolut zu", murmelte Ela irgendwo vom anderen Ende des Tisches. Erst da hob ich den Blick – und stellte fest, dass ich nicht allein litt. Fast alle sahen aus, als hätte man sie aus einem Katastrophenfilm ausgeschnitten. Zerzauste Haare, blasse Gesichter, Augenringe, die fast bis zum Kinn reichten.
Wir alle waren verkatert. Sogar Carlos, der sonst immer topfit wirkte, starrte mit leerem Blick auf seinen Toast.

Aber natürlich gab es Ausnahmen.
Die Männer, die nichts getrunken hatten.
Camilla und Oktehvia – die gar nicht trinken durften.
Und... Miriana.

Miriana, die mit einem scheußlich guten Glow da saß, als hätte sie die Nacht in einer Wellnessoase verbracht. Sie trank seelenruhig ihren Kaffee, wippte leicht mit dem Fuß, und hatte sogar – ich konnte es kaum glauben – Lipgloss aufgetragen. Ich starrte sie fassungslos an. „Wieso geht's dir so gut?" Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe nicht soooo viel getrunken."
Ich stöhnte. „Du bist der Teufel." Sie grinste „Wieso zum Kuckuck bist DU nicht verkatert?!" fragte Ektarina gereizt, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schläfen massierte. Miriana lachte nur, völlig unberührt vom kollektiven Leiden, und strich sich durch ihr perfekt gestyltes, goldenes Haar.
„Was soll ich sagen?" Sie zuckte unschuldig mit den Schultern. „Ich hab halt nicht so viel getrunken – ich hatte einfach Spaß."

„Was?!" Valeria sah sie schockiert an. „Ich habe nur so viel getrunken, weil ich versucht hab, mit deiner Laune mitzuhalten!" Die Männer am Tisch fingen an zu lachen, was unsere Laune nicht gerade besserte. Es schien, als hätten wir uns um den Verstand gefeiert – und sie, diese Biester, saßen da wie Könige und lachten über uns. „Du hast uns jeden Drink zugeschoben!" warf Ela empört ein. „Und alles bestellt!" ergänzte jemand.

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt