[•Celést•]
Die ganze Rückreise verlief still. Nach dem ich mich widerwillig fertiggemacht und etwas gegessen hatte, machten wir uns sofort auf den Weg. Unsere Koffer waren bereits gepackt – Gott sei Dank, denn dafür hätte ich keine Kraft gehabt.
Im Flugzeug herrschte eisiges Schweigen zwischen uns. Kein Wort. Kein Blick. Erst als das Flugzeug abhob und mir plötzlich übel wurde, brach das Schweigen – zumindest seinerseits. Ich musste mich übergeben, und ausgerechnet da zeigte mein Ehemann wieder seine warme, fürsorgliche Seite. Doch ich konnte sie in diesem Moment nicht mehr annehmen. Sie kam zu spät. Ich drehte mich wortlos von ihm weg und schlief ein – mehr aus Flucht als aus Müdigkeit. Als wir schließlich ankamen, weckte er mich sanft und meinte nur, ich solle mich umziehen. Umziehen? Für was? Es war bereits dunkel draußen. Warum also? Ich stellte die Frage nicht. Ich war zu müde für Diskussionen, zu abgestumpft, um mich aufzulehnen. Wir fuhren dann eine Weile, die Stille zwischen uns spannte sich wie ein Drahtseil. Plötzlich stoppte er das Auto, drückte mir kommentarlos ein Sandwich in die Hand. „Du musst etwas essen, mi Amor." Du musst essen, bla bla bla.
Er nervte mich. Wortwörtlich. Und ich wusste nicht einmal warum. Vielleicht war es das ständige Kümmern, vielleicht das Schweigen davor. Vielleicht einfach... weil er atmete. Alles reizte mich. Jede Bewegung, jeder Blick, selbst seine bloße Anwesenheit rieb an meinen Nerven. Ich wollte nur noch Ruhe.
Ich saß im Auto, trug ein süßes, orangenes Kleid – das meine Sommerbräune perfekt betonte – und war einfach nur genervt. Gedankenverloren spielte ich irgendein Spiel auf meinem Handy, versuchte mich abzulenken. Doch plötzlich riss Álvaro mir das Handy aus der Hand. „Was soll das?" zischte ich und warf ihm einen scharfen Blick zu. „Wir sind gleich da." „Ja, das hätte ich auch selbst gesehen." Ich verschränkte demonstrativ die Arme und sah trotzig aus dem Fenster. Er seufzte. „Mi Amor, was ist los?" Ich schluckte. Ich wusste selbst nicht genau, was los war. Er machte mich einfach nur... wahnsinnig.
„Du musst schon mit mir sprechen." Ich runzelte die Stirn. „Jetzt soll ich also sprechen?" fauchte ich. „Ich spreche doch ständig! Aber du? Du redest nur, wenn wir im Urlaub sind. Kaum sind wir zurück, bist du wieder dieser bescheuerte, kalte Eisblock vom Anfang!" Er zog die Augenbrauen zusammen. „Schau nicht so!" fuhr ich ihn an, das Fass war längst übergelaufen.
„Celést..." Er atmete tief durch. „Ich war angespannt. Weil wir früher aufbrechen mussten. Weil du... fast ertrunken bist." Ich sah ihn fassungslos an. Die Wut wurde von einem Moment auf den anderen durch Stille ersetzt. „Und wieso mussten wir dann überhaupt früher zurück? Warum hast du mich morgens einfach so herumkommandiert? Und warum, um Himmels willen, soll ich mich um 21 Uhr noch umziehen?" fragte ich verwirrt und suchte in seinem Blick nach einer Antwort. Er wich meinem Blick nicht aus. „Das wirst du jetzt sehen."
Damit stieg er aus dem Auto. Ich runzelte die Stirn – erst jetzt bemerkte ich, dass wir tatsächlich angekommen waren. Er öffnete mir die Tür, nahm meine Hand und zog mich mit sich. Vor uns ragten zwei hohe, weiße Doppeltüren auf. Noch bevor ich etwas fragen konnte, wurden sie geöffnet. Wir traten ein. Meine weißen High Heels klackerten auf dem makellos glänzenden Marmor. Ich strich mir eine glatte Strähne aus dem Gesicht, atmete tief durch. Mein Herzschlag beschleunigte sich. „Denkst du, die wollen uns umbringen?" hörte ich Valerias Stimme aus dem Wohnzimmer. „Wieso sollten die das tun?" kam Elas besorgter Ton hinterher. Verwirrt blickte ich zu Álvaro hoch. Was war hier los? Was hatten sie geplant? Ich lief ins Wohnzimmer – und blieb kurz stehen. All meine Freunde saßen dort, aufgestylt, fertig angezogen, aber deutlich nervös.„Ich sag's euch, die haben was vor. Irgendwas Schlimmes. Celést ist nicht mal da, bestimmt wollen sie uns einzeln ausschalten – einer nach dem anderen," flüsterte Miriana dramatisch. „Junge, Miriana, ist das dein Ernst?" entgegnete Valeria trocken. „Okay, okay, vielleicht übertreibe ich gerade ein bisschen." Miriana lachte plötzlich, hob die Schultern und funkelte verspielt in die Runde.
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Amor a la Mafia
Jugendliteratur𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Band 1 𝐶𝑒𝑙𝑒́𝑠𝑡 𝑦 𝐴́𝑙𝑣𝑎𝑟𝑜 🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎ Kapitel: 15 Ich habe eindeutig zu viele Filme gesehen, und genau deshalb will ich nicht, dass er meine Haare zur Seite streicht, mir langsam die Kette umbi...
