[•Celést•]
„Celést, Liebes, ich bring dich in dein Schlafzimmer", sagte Luna leise, während sie mich am Arm nahm und langsam mit mir die Treppe hinaufstieg. Jeder Schritt hallte in meinem Inneren wider, dumpf und schwer, als würde mich das Gewicht der vergangenen Tage nach unten ziehen. Es war ein seltsames Gefühl, wieder hier zu sein – in diesem Haus, in diesem Foyer, das sich so fremd anfühlte, obwohl es doch einmal mein Zuhause gewesen war. Nach all der Zeit war ich zurück, aus dem Krankenhaus entlassen, und stand nun hier, begleitet von Luna, mit Camilla im Nacken, die mich keine Sekunde aus den Augen ließ – und ohne Álvaro. Nachdem er einfach gegangen war, blieb ich nur noch dort sitzen, reglos, leer, wie in Trance. Erst als mich eine Krankenschwester fand, wurde ich in mein Zimmer zurückgebracht. Man verabreichte mir Tabletten, ich schlief sofort ein. Später wachte ich auf, in einem dunklen Raum, in völliger Stille, allein. Ich lag einfach nur da, starrte ins Nichts, bewegte mich nicht. Dann kam Luna, sprach mit mir, bat mich, etwas zu essen. Doch ich konnte nicht. Ich fühlte mich leer. Taub. Als hätte man mich ausgeweidet und nur die Hülle zurückgelassen. Die Tage vergingen. Ich blieb im Bett, wartete. Worauf, wusste ich selbst nicht. Aber ich wartete – auf etwas, das mir nicht benannt werden konnte.
Nun war ich entlassen worden. Und jetzt war ich hier. Wieder in diesem Haus, wieder an diesem Ort, der zu vertraut war, um ihn zu ignorieren, und zu schmerzhaft, um ihn zu ertragen. Luna führte mich weiter nach oben, und mit jeder Stufe, die wir gingen, fühlte es sich mehr so an, als würde ich von innen heraus zerdrückt werden. Mein Brustkorb wurde enger, meine Atmung flacher. Die Luft um mich herum war zu dick, zu schwer. Ich konnte nicht mehr richtig atmen. Schließlich standen wir vor der Tür zu meinem Schlafzimmer. Ich blieb stehen. Starrte die weiße Tür an, die so unscheinbar vor mir stand, aber sich anfühlte wie eine Grenze zwischen dem, was war, und dem, was nie wieder sein würde. Ich konnte mich nicht rühren. Meine Beine waren wie festgewachsen, mein Blick blieb auf das Holz geheftet. Ich wagte nicht, die Klinke zu berühren. Irgendetwas in mir schrie auf, wehrte sich gegen jeden weiteren Schritt.
„Willst du rein?" Camillas Stimme klang leiser als sonst, aber klarer als früher. Viel deutlicher als in den letzten Tagen, in denen ich ihre Worte nur wie durch Wasser vernommen hatte. Der Arzt hatte gesagt, ich würde etwa achtzig Prozent meines Gehörs zurückbekommen. Dass das Piepen in meinem Ohr nicht komplett verschwinden würde und immer wieder auftauchen würde. Für immer ein Echo dessen, was geschehen war. Für immer ein Mahnmal in meinem Kopf. Und doch – in diesem Moment war da nur Stille. Nur das Flattern meines Atems. Und die Tür, die sich nicht bewegte.
Ich bin nicht schwach.
Langsam öffnete ich die Tür, trat ein, ohne einen Blick nach rechts oder links zu werfen. Ohne zu zögern, ging ich geradeaus auf das Bett zu, ließ mich hineinfallen und drehte mich zur Wand. Ich starrte sie an – leer, reglos, ohne zu blinzeln. Luna und Camilla blieben zunächst still, oder vielleicht sprachen sie doch? Ich weiß es nicht mehr. Ihre Stimmen waren nur noch verschwommene Schatten in meinem Kopf, kaum mehr als Rauschen. Irgendwann verließen sie das Zimmer, und die Tür schloss sich leise hinter ihnen. Zurück blieb nur Dunkelheit. Stille. Und ich.
Ich lag da, bewegungslos, umhüllt von der Dunkelheit, starrte auf die Wand vor mir und wartete. Wartete darauf, dass Álvaro kam. Dass sich irgendetwas änderte. Dass der Schmerz in mir aufhörte, dass diese schreckliche Leere, die mich von innen zerfraß, endlich verschwand. Doch nichts geschah. Nichts änderte sich. Das leise Ticken der Uhr im Hintergrund war das Einzige, was die Stille durchbrach – jede Sekunde ein Schnitt, eine Folter, die mich in Stücke riss, langsam, erbarmungslos. Ich wartete weiter. Wartete darauf, dass die Tür sich öffnete. Dass Álvaro eintrat. Dass er sich neben mich legte, meine Hand nahm, mich ansah, als wäre nichts verloren. Dass er da war. Dass wir noch da waren. Doch die Tür blieb zu. Er kam nicht.
Nicht an dem Tag, an dem ich entlassen wurde. Nicht am nächsten.
Nicht am übernächsten. Nicht einmal eine Spur.
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Amor a la Mafia
Novela Juvenil𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Band 1 𝐶𝑒𝑙𝑒́𝑠𝑡 𝑦 𝐴́𝑙𝑣𝑎𝑟𝑜 🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎ Kapitel: 15 Ich habe eindeutig zu viele Filme gesehen, und genau deshalb will ich nicht, dass er meine Haare zur Seite streicht, mir langsam die Kette umbi...
