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[•Celést•]

„Mann, ich weiß einfach nicht, was ich anziehen soll!", meckerte Gabriela, während sie hektisch durch ihren Kleiderschrank wühlte.
Ich musste lachen und zog mir in aller Ruhe mein schwarzes Kleid über. Es war schlicht, aber saß perfekt – mein Notfallkleid für solche Abende.
„Das sagst du wirklich jedes Mal!", rief Valeria mit vollem Mund vom Badezimmer herüber. Man hörte, wie sie gleichzeitig föhnte und redete.
„Ja, aber diesmal meine ich's ernst! Ich fühl mich in allem komisch!" Gabriela seufzte laut, ließ sich aufs Bett fallen und hielt sich zwei völlig unterschiedliche Outfits vor den Körper.

„Ach Ela, zieh einfach irgendwas an", sagte ich und schüttelte grinsend den Kopf. Ich beugte mich über den kleinen Schminktisch und begann, meine Haarnadeln herauszuholen. Dabei stellte ich überrascht fest, wie viele ich reingesteckt hatte. Zum Glück hatte ich mich für einen lockeren, eleganten Dutt entschieden – wäre es ein Sleek-Zopf gewesen, säße ich jetzt ewig daran, alles wieder zu lösen.

Als ich endlich fertig war, schüttelte ich vorsichtig meine Haare aus, um ein wenig mehr Volumen reinzubringen, und lief dann rüber ins Bad.
„Was meinst du, welchen Lippenstift soll ich heute tragen?", fragte ich Valeria, die gerade mit einem Handtuch ihre nassen Haare trocken rieb. Kleine Tropfen flogen dabei in alle Richtungen.
Sie hielt inne, überlegte kurz und griff dann zielsicher nach einem Lippenstift in ihrer Kosmetiktasche.
„Hier, nimm den. Der passt zu deinem Kleid – ist rötlich, aber nicht zu knallig."
„Perfekt, danke", murmelte ich und wollte ihn gerade auftragen, als es plötzlich an der Tür klopfte.

Ich runzelte die Stirn. „Hä? Wir wollten doch erst in zehn Minuten los?"
„Komm rein!", rief Camilla aus dem Zimmer, ohne auch nur aufzublicken.
Die Tür ging langsam auf, und Natascha trat zögernd ein – mit einem Bündel Kleidung auf dem Arm und einem vorsichtigen Blick in die Runde.

Plötzlich war es mucksmäuschenstill. Alle Bewegungen stoppten. Selbst Gabriela hörte auf, sich zu beschweren, und starrte sie an.
Was wollte sie denn hier?

„Was!?", fauchte Miriana spitz und stemmte eine Hand in die Hüfte. Ihre Stimme war schärfer als nötig, und Natascha zuckte erschrocken zusammen.
„I-ich ...", begann sie leise.
„I-ich? Was denn, sprich schon!", zischte Miriana, sichtlich genervt. Ich musste mir das Lachen verkneifen, obwohl ich auch etwas Mitleid mit Natascha hatte – sie sah wirklich aus, als würde sie am liebsten im Erdboden versinken. „Ich wollte fragen, ob ich vielleicht mitkommen darf und mich mit euch fertig machen kann", sagte sie schließlich mit einem tiefen Atemzug. Man hörte deutlich, wie viel Überwindung sie das kostete „Ne–", setzte Valeria gerade an, doch da mischte sich plötzlich Ekaterina ein:
„Ja, klar. Warum nicht?" Wir alle drehten uns überrascht zu ihr um.
„Kommt schon, es schadet doch niemandem. Und je mehr, desto lustiger, oder?" Sie zuckte locker mit den Schultern, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt.

Einen Moment lang war es still, dann atmeten wir alle gleichzeitig tief durch. Ich tauschte einen kurzen Blick mit den anderen. Schließlich nickten wir – nicht begeistert, aber auch nicht feindselig. „Ein Wort – und es knallt", murmelte Miriana warnend in Nataschas Richtung, aber der Ton war nicht mehr ganz so scharf wie zuvor.
Natascha nickte hastig, trat ein, schloss vorsichtig die Tür hinter sich und begann, sich ein schlichtes, rotes Kleid überzuziehen. Sie wirkte erleichtert – fast ein wenig dankbar – und wir alle wandten uns wieder unseren eigenen Vorbereitungen zu. Ich begann, den Lippenstift aufzutragen, presste dann die Lippen sanft zusammen und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel.
Ich war eigentlich zufrieden mit meinem Anblick – das Kleid saß gut, das Make-up war dezent, aber wirkte. Und doch... irgendetwas störte mich. Meine Haare. Irgendwie sahen sie unordentlich aus, nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Außerdem war mir der Schmuck plötzlich zu viel.

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt