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5 Monate später: 02. Mai

„Melodie."
„Melodie!?" Ich verdrehte die Augen. „Das ist so ein schöner Name." Álvaro schüttelte nur den Kopf und lachte leise. „Schön? Du würdest unsere Tochter wirklich Melodie nennen?" Ich schnaubte und drückte mich empört von ihm weg. Wir lagen gerade auf der Couch. Er saß angelehnt in die Ecke, ich seitlich mit dem Rücken an seiner Brust, während ich gedankenverloren Trauben aß. Ich schob ihm eine in den Mund und er kaute sie langsam, während im Hintergrund eine neue Folge True Crime lief. „Aber stell dir das mal vor", begann ich mit schwärmerischem Blick, „wie du ‚Melodie' rufst! Das klingt einfach... harmonisch. Wie das Wort ‚Vase'. Oder ‚Vaseline'." Álvaro zog eine Augenbraue hoch und starrte mich an, als wäre ich nicht mehr ganz bei Sinne.
„Eins steht fest: Du darfst unsere Kinder nicht benennen." Ich schnaufte. Er hatte einfach keinen Sinn für Ästhetik! „Dann wird Melodie wenigstens der Zweitname!" Er grinste breit, schnappte sich eine weitere Traube und warf sie sich in den Mund. Ich tat es ihm gleich. „Nein!", sagte er dann deutlich. „Wie bitte?" Ich runzelte die Stirn. „Álvaro, wir haben nicht mal ein Kind – und du willst schon streiten, wie es heißen soll." Ich versuchte, die Schmetterlinge in meinem Bauch zu ignorieren. Irgendwie war das alles gar nicht so albern, wie ich erwartet hatte. Wir diskutierten über Kindernamen. Ganz normal, als ob es real wäre. Und es fühlte sich... gar nicht falsch an. „Such dir einen schönen spanischen Namen aus. Aber Melodie?" Álvaro schüttelte den Kopf. „Fehlt nur noch, dass du unseren Sohn Gitarre nennen willst." Ich verdrehte die Augen, kaute still weiter und murmelte: „Du nervst."
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und blickte ihn an. „Jaja, was auch immer", grummelte er, dann beugte er sich vor und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Komischerweise wurde ich davon nicht mal mehr rot. Stattdessen genoss ich es. Und das erschreckte mich fast ein bisschen.

Ich wandte den Blick wieder dem Fernseher zu und seufzte leise. Ich werde das hier vermissen.
Die Zeit mit ihm zu verbringen – nur wir zwei, ohne Lärm, ohne Druck, ohne Angst. Nur Sicherheit.
Diese zwei Wochen waren die besten, die ich seit Langem erlebt habe. Und zu wissen, dass sie in drei Tagen vorbei sind, macht mich traurig. Natürlich habe ich meine Mädels vermisst. Sehr sogar. Ich war nie lange ohne sie – wir haben uns fast täglich gesehen. Außer Oktehvia, die immer mal wieder für Monate verschwand, nur um dann plötzlich wieder aufzutauchen, als wäre sie nie weg gewesen. Manchmal trennten wir uns auch als Gruppe – was wir seit dem Unfall allerdings nicht mehr getan hatten.
Trotzdem... ich fand es nicht schlimm, allein zu sein. Im Gegenteil. Es war beruhigend.
Zu wissen, dass es ihnen gut geht – na ja, vielleicht nicht Ela, immerhin heiratet sie am 5. Mai, also in vier Tagen – aber ansonsten war es ruhig. Kein Chaos. Keine Dramen. Nur Ordnung.
Und damit meine ich nicht das äußere – in der Villa war es immer sauber – sondern in mir drin.
In meinem Kopf. In meinem Herzen.
Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit war es still.
Und diese Stille... war schön.

„Mi Amor, was ist los?" Ich sah zu ihm hoch. „Keine Ahnung. Ich denk nur nach." Er nickte. „Worüber?" Ich zögerte. Sollte ich es ihm sagen? Ich hatte beschlossen, ihm eine Chance zu geben – also sollte ich auch ehrlich sein. Auch wenn ich bald gehe. Aber genau deshalb wollte ich die Zeit mit ihm genießen, ihm für diese fünf Monate mein Herz schenken. „Ich werde das hier vermissen", murmelte ich – und meinte nicht nur diesen Ort, sondern alles. Álvaro sagte erst nichts. Es schien, als hätte ich ihn überrumpelt. Er wandte sich vom Fernseher ab und musterte mich mit seinen himmelblauen Augen. „Wir können immer wieder herkommen. Wann immer du willst." Ein Stich zog durch meinen Magen. „Ja, könnten wir... aber die Arbeit. Die Mafia." Er nickte verstehend. „Ich habe im Moment keine hohe Position. Es sollte kein Problem sein, öfter wegzufliegen." Ich schluckte.
„Wie du willst", flüsterte ich – und spürte, wie sich die Sehnsucht in mir ausbreitete.
Nicht nur nach diesem Moment, sondern nach ihm. Mein Herz schlug schneller, kräftiger. Ich versuchte, das Gefühl zu unterdrücken, aber es war zwecklos. Immer wieder redete ich mir ein, ich würde mich nicht in ihn verlieben... aber ein Teil von mir hatte es längst getan.

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt