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[•Celést•]

„Und das Geschenk ist für dich, Amira." Carlos drückte ihr eine rechteckig verpackte Schachtel in die Hand.

Es ist Weihnachten und wir wichteln – natürlich auf unsere eigene Art. Es gibt zwei Schüsseln: In der einen sind unsere Namen, in der anderen die 26 Buchstaben des Alphabets. Wer einen Namen zieht, zieht auch einen Buchstaben und muss dann ein Geschenk besorgen, das mit diesem Buchstaben beginnt. Es darf maximal 20 Euro kosten oder muss selbst gemacht sein.

Gerade werden die Geschenke verteilt und es ist wirklich amüsant zu sehen, wie unkreativ die Männer sind. Sie haben einfach keine Ahnung, was sie uns schenken sollen. Immer wieder dasselbe: ein Bild, eine Karte mit einem Bild, ein Schlüsselanhänger mit einem Bild, ein Kissenbezug mit einem Bild.

„Oh, danke ... ein Bild" sagte Amira lächelnd.
Ich lachte und beugte mich vor, um es mir anzusehen. Es war das Foto vom 15. Dezember – an dem Abend, als wir gemeinsam einen Film geschaut hatten und schließlich eingeschlafen waren.
„Ohhh, das ist so süß", sagte Ela, während sie das Bild betrachtete.
Diese Nacht war besonders gewesen. Seit diesem Abend sind wir uns alle nähergekommen. Die Martínez-Brüder verbringen viel Zeit mit uns. Ab und zu verschwinden Santiago und Carlos für irgendwelche Mafia-Angelegenheiten, manchmal ist Sergio dabei, doch er bleibt nie lange. Verständlich – ich würde auch verschwinden, wenn ich Freundinnen voneinander trennen müsste.
„Ihr habt echt beschissene Wichtelregeln, kein Wunder, dass nur Bilder verschenkt werden" grummelte Carlos. Er wirkte genervt, weil wir uns über das Geschenk amüsierten. Wahrscheinlich dachte er, wir würden ihn auslachen oder Amira würde es nicht wertschätzen. Dabei war es genau das Gegenteil. Wir fanden es einfach witzig, dass hier anscheinend nur Bilder verschenkt wurden. Aber so waren wir im ersten Jahr auch.

„Zeig du doch mal, was für ein Geschenk du bekommen hast" forderte Carlos heraus. Die Braunäugige presste die Lippen aufeinander und drückte Álvaro ein viereckig verpacktes Geschenk in die Hand.
„Das sieht auch aus wie ein Bild" bemerkte jemand und Amira zuckte nur mit den Schultern.
Álvaro riss das Papier auf und in dem Moment klappte mir der Mund auf. Ich glaubte fast, meine Augen würden aus den Höhlen fallen. Amira hatte ein Bild von uns gemalt – von mir und Álvaro. Sie hatte das Foto nachgezeichnet, das Gabriela von uns gemacht hatte und es sah atemberaubend aus.

„Wow ..." entfuhr es mir.
„Das ist so schön" murmelte ich und strich gedankenverloren mein rotes Kleid glatt. Das Bild war in Schwarz-Weiß gehalten. Álvaro hob mich ein paar Zentimeter an, hielt mich sicher in seinen Armen, während er mir tief in die Augen sah – sein Blick verträumt, fast ehrfürchtig. Ich hielt mich an seinen Schultern fest, meine Haare fielen mir halb ins Gesicht, während ich zu ihm hinunterblickte. „Das ist wunderschön, Mira. Danke" sagte ich leise und schmiegte mich an Álvaros Arm.
In den letzten zehn Tagen waren wir uns unglaublich nah gekommen. Es war, als könnten wir nicht ohneeinander sein – ständig suchten wir den Körperkontakt, als würden wir aneinanderkleben. Ich wusste nicht, was genau uns so zusammengeführt hatte, aber ich liebte es. Und es war nicht nur das Körperliche.
Es war auch das Emotionale. Ich wusste nicht, ob nur ich es so spürte, aber tief in mir war ich mir sicher: Er fühlte es auch.
Das hier war echt. Es musste echt sein.

„Danke, Amira" sagte Álvaro und nickte ihr anerkennend zu. Dann wandte er sich um. „Alina!" rief er nach einer der Angestellten. Sie kam eilig herbeigelaufen und senkte den Blick „Häng es im Schlafzimmer auf." „Äh, was?" fragte ich verwirrt. Er ignorierte mich einfach und übergab das Bild an Alina, bevor er seinen Arm um mich legte.

„Also, es fehlt nur noch das Geschenk für Gabriela!" rief Camila aufgeregt. „Wer hat sie gezogen?" Sie strich ihr rotes Kleid glatt und schaute fragend in die Runde.
Wir blickten uns gegenseitig an, jeder hatte sein Geschenk bereits überreicht. „Wartet" sagte Thiago mit rauer Stimme. „Warten?" Gabriela runzelte die Stirn und strich sich ihre dunklen Haare aus dem Gesicht. „Du bekommst dein Geschenk später." Ich runzelte die Stirn und warf Álvaro einen fragenden Blick zu, doch er sah mich bereits an.
„Wieso später?" flüsterte ich ihm zu. „Es ist eine Überraschung." Ich nickte und nahm mir einen Keks. „Naja, da jetzt jeder sein Geschenk bekommen hat ... was machen wir jetzt?" fragte jemand. Ich zuckte mit den Schultern, nahm mein Glas und trank einen Schluck. „Oh, lass uns Bilder machen!" rief Gabriela aufgeregt. „Ich hole die Kamera!" rief Miriana und Camila folgte ihr.

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt