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[•Celést•]

Erschrocken schnappte ich nach Luft und begann heftig zu husten, als ich plötzlich etwas Kaltes auf meiner Haut spürte. Mein ganzer Körper zuckte zusammen. Ich blinzelte, rang nach Atem – doch das grelle Licht über mir blendete mich so stark, dass es kaum möglich war, meine Augen offen zu halten. Alles war verschwommen, benebelt, als hätte man einen Schleier über mein Gesicht gelegt. „Wach bleiben", hörte ich eine männliche Stimme – sie klang amüsiert. Vielleicht sogar spöttisch. Ich versuchte, mich zu orientieren, doch ich sah nur Schatten. Drei Männer? Oder war es nur einer, der sich bewegte? Ich konnte es nicht sagen. Mein Kopf pochte, mein Magen krampfte sich zusammen. Ich blinzelte erneut, versuchte, mich aufzurichten und die nassen Strähnen aus meinem Gesicht zu wischen – doch meine Arme rührten sich nicht. Ich... konnte sie nicht bewegen.

Panik durchfuhr mich. Ich spürte, wie mein Herz raste, wie sich mein Atem beschleunigte. Langsam klärte sich mein Blick. Ein Mann trat näher. Er war der Einzige, den ich nun deutlich erkennen konnte. Und mit jedem weiteren klaren Detail, das meine Augen erfassten, wuchs die Angst in mir.
„Na gut geschlafen?"
Ich riss die Augen auf. Direkt vor mir tauchte ein fremdes Gesicht auf , viel zu nah, viel zu ruhig für das, was ich in diesem Moment fühlte. Wer war das? Wo war ich? Wo waren die anderen „Was...?" Meine Stimme klang rau, kaum mehr als ein Flüstern. „Wo... wo sind die anderen? Wer bist du? Was willst du von mir?" Meine Worte stolperten panisch aus meinem Mund, während mein Blick hektisch durch den Raum flog. Ich saß auf einem Stuhl – fest, unbequem, kalt. Noch immer trug ich mein Kleid, aber es war durchnässt. Der Raum war groß und leer. Grau. Klinisch. Keine Fenster. Nur zwei Türen. Und sonst – nichts. Der Fremde lachte leise, schüttelte den Kopf. „Immer dieselben Fragen. Wo sind wir, was will ich, wer bin ich... langsam wird's langweilig." Ich spürte, wie mein Herz bis in meine Ohren hämmerte. Der Mann war unheimlich. Vielleicht Mitte zwanzig, groß, kräftig gebaut. Seine roten, lockigen Haare wirkten seltsam deplatziert, fast harmlos – aber seine Augen... Seine braunen Augen waren kalt. Leer. Er trug ein gelbes T-Shirt, das seinen breiten Oberkörper noch massiver wirken ließ. Schweigend holte er einen Stuhl, stellte ihn vor mich und ließ sich langsam nieder. Dann starrte er mich einfach an. Kein Wort. Keine Bewegung. Nur dieser durchdringende Blick, als könnte er meine Angst direkt in sich aufnehmen.

„Schade... du bist wirklich hübsch", sagte er schließlich, seine Stimme tief, fast enttäuscht. Ich schluckte schwer. Ich hatte Angst – nicht nur um mich, sondern auch um das, was in mir grade wuchs. „Wie war's bei den Martínez?" fragte er plötzlich, lehnte sich zurück, die Arme locker über die Lehne seines Stuhls gelegt. Ich sah ihn an. Erst in sein rechtes Auge, dann in sein linkes. Schließlich zwang ich mich, in beide gleichzeitig zu blicken. Er war seltsam. Unberechenbar. „Antworte." Sein Tonfall wurde schärfer, fast zischend. Ich zuckte zusammen. „G-gut", stammelte ich und krallte mich an den Stuhl „Freut mich für dich", murmelte er, aber ich glaubte ihm kein Wort. Ich verstand ihn nicht. In einem Moment wirkte er ruhig, beinahe freundlich. Im nächsten... gefährlich. Jähzornig. Es war, als hätte er zwei Gesichter und das machte alles nur noch schlimmer.

„Was hast du bei ihnen gelernt?" fragte er schließlich. Ich zögerte. „Nichts", antwortete ich. Es war die Wahrheit. Oder das, was ich dachte, was er hören wollte. Er musterte mich eine Weile, dann nickte langsam. „Dann fangen wir an." Ich erstarrte. Anfangen womit? „Wo sind die anderen?" fragte ich erneut, meine Stimme bebte. Ich schaute mich nervös um, versuchte irgendein Geräusch von draußen zu erhaschen, aber das Einzige, was ich hörte, war mein eigener Herzschlag, der wild gegen meine Rippen trommelte. Der Mann vor mir sagte eine Weile nichts. Dann, ganz plötzlich:
„Wie heißt du?" Ich runzelte die Stirn. „W-was?" stammelte ich. Er muss doch meinen Namen kennen. „Wie heißt du?" wiederholte er ruhig, lehnte sich in seinem Stuhl zurück, als hätte er alle Zeit der Welt. Ich blinzelte verwirrt. „Celést", antwortete ich schließlich zögerlich – obwohl ich wusste, dass er mich kannte. Doch er schüttelte nur langsam den Kopf. „Nein... wie heißt du?" Ich verstand nicht, worauf er hinauswollte. „Celést", wiederholte ich, dieses Mal unsicherer„Martínez", fügte ich nach einem tiefen Atemzug hinzu. Er sah mich an. Und schüttelte wieder den Kopf.
„Wie heißt du?"
Was sollte das? Ich spürte, wie meine Geduld schwand, wie sich in mir Wut mit Panik vermischte. „Was willst du eigentlich?" fragte ich schärfer. „Ich heiße Celést García – verheiratet, also heiße ich jetzt Martínez. Ist das, was du hören wolltest?!"

Amor a la MafiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt