[•Celést•]
„Und Gabriela, bist du bereit?" fragte Camilla ruhig. Ela antwortete nicht. Sie starrte sie nur an, wortlos, mit diesem ausdruckslosen Blick, der mehr sagte als jede Antwort. Ich seufzte leise. Ich wusste noch ganz genau, wie sich dieser Moment anfühlte. Kurz vor der eigenen Hochzeit. Dieses nervöse Kribbeln, die Panik, die sich heimlich in die Brust setzt. Aber bei Ela war es schlimmer. Sie wirkte, als würde sie gleich aufhören zu atmen. Sie stand da – in dem Raum. In dem Raum, in dem ich mich damals für meine eigene Hochzeit fertiggemacht hatte. Aber sie war nicht wirklich hier. Ihr Blick wanderte immer wieder zur Tür, suchte jemanden. Okthevia. Doch die war nirgends zu sehen. Irgendwo draußen, vermutlich mit Sergio. Und das brachte Ela sichtbar aus dem Gleichgewicht. Ich konnte es ihr nicht mal verübeln. Die zwei waren wie Magneten – unzertrennlich, fast schon auf eine krankhaft schöne Weise. Aber genau das war wohl das Problem.
Thiago – ihr Bräutigam – versuchte schon seit Wochen, ein wenig Distanz zwischen Ela und Okthevia zu schaffen. Nicht, weil er gegen ihre Freundschaft war, sondern... ich glaube, er wollte, dass Ela ihn mehr brauchte. Nicht nur sie. Doch Ela war nicht so einfach. Sie blieb oft distanziert zu ihm, manchmal sogar schüchtern, als würde sie sich selbst nicht trauen, zu viel Nähe zuzulassen. Und Thiago? Der tat auch nicht viel, um sie abzuholen. Er war da, ja. Er beobachtete sie. Stand in der Ecke wie jemand, der darauf wartet, gebraucht zu werden, aber selbst nicht wusste, wie er sich nähern sollte. Sie hatten bisher genau ein richtiges Date – und das war sogar erst ein paar Tage nach ihrer Verlobung gewesen. Und trotzdem... Wenn Ela über ihn sprach, wenn sie bei ihm war – dann blitzte da etwas in ihr auf. Ein stilles Glück.
Thiago kannte sie. Er wusste, wie sie ihr Brot mochte. Dass ihr Bett ihr sicherster Ort war. Und genau deshalb hatte er es in der Villa eine kleine Wohlfühloase verwandelt – mit ganz vielen Kissen, Decken, Lichterketten und sogar Pflanzen. Es war der einzige Raum im ganzen Haus, der hell und weich war – so wie Ela sich fühlte, wenn sie sich sicher fühlte. Er hatte ihr sogar ihr eigenes Schlafzimmer eingerichtet. Ein Rückzugsort, falls es ihr mal zu viel wurde. Das war keine typische Beziehung. Sie war leise, zaghaft, neu. Noch nicht laut, noch nicht klar – aber da. Und obwohl sie ihm gegenüber oft verschlossen wirkte, sah man, wie sehr sie auf ihn wartete. Wie sehnsüchtig ihre Augen ihn ansahen, wenn er vorbeilief. Und trotzdem – in diesem Moment? In diesem Moment wartete sie nicht auf Thiago. Sie wartete auf Okthevia.
„Machen wir uns jetzt fertig", sagte Luna und riss mich damit aus meinen Gedanken. Ela wurde in einen anderen Raum gebracht – ganz anders als damals bei mir. Dort wurde sie anscheinend vorbereitet. „Komm, Celést, mach deine Haare", meinte Camilla, und ich folgte ihr, ließ mich neben ihr nieder. Eine Friseurin kam und fragte, was ich mir wünsche. Ich bat sie, meine Haare zu Glätten und halb hochzustecken – nichts Wildes, aber elegant. Während sie loslegte, warf ich einen Blick in den Spiegel. „Miriana, alles okay?" fragte ich vorsichtig. Sie nickte nur leicht, aber sie sah... abwesend aus. Irgendwie verloren. Vielleicht lag's an Marcus.
In letzter Zeit hatte sie sich ihm immer mehr geöffnet – sie lachten viel zusammen, schauten Filme, verbrachten Zeit. Doch in den letzten Tagen war sie auf einmal auf Abstand gegangen. Und Marcus? Der war sichtlich genervt. Was da genau passiert war, wusste keiner. „Jaja, alles gut", murmelte sie und setzte sich, um ihre Nägel zu machen.
Ich tauschte einen verwirrten Blick mit Camilla, die nur mit den Schultern zuckte. „Sie sieht aus, als hätte ihr jemand richtig miese Nachrichten überbracht", flüsterte Camilla. „Ich frag sie später mal", antwortete ich. „Irgendwie ist alles angespannt", meinte sie leise weiter. Und sie hatte recht. „Liegt wohl daran, dass Ela und Miriana normalerweise die Stimmung hochziehen", sagte ich. „Aber heute... die eine steht kurz vorm Nervenzusammenbruch, und die andere – naja, du siehst's ja." Ich verzog das Gesicht, als die Friseurin mir ein bisschen zu fest an den Haaren zog. Sie steckte mir dann ein paar kleine lilafarbene Blumen ins Haar. „Ela wollte, dass wir zum Kleid ein kleines Accessoire tragen", erklärte Valeria, die sich gerade ihr Make-up im Spiegel ansah. Ich nickte. Süßer Gedanke. Mein Kleid hatte ich schon vor einem Monat ausgesucht – schlicht, aber schön. Als die Haare fertig waren, ging ich rüber zum Schminken. Ich wollte nichts Krasses, also entschied ich mich für ein leichtes, natürliches Make-up.
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Amor a la Mafia
Teen Fiction𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Band 1 𝐶𝑒𝑙𝑒́𝑠𝑡 𝑦 𝐴́𝑙𝑣𝑎𝑟𝑜 🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎ Kapitel: 15 Ich habe eindeutig zu viele Filme gesehen, und genau deshalb will ich nicht, dass er meine Haare zur Seite streicht, mir langsam die Kette umbi...
