[•Celést•]
Ich stand vor dem Waschbecken, starrte mit großen Augen zur laufenden Dusche. Der Dampf stieg langsam auf, das gleichmäßige Prasseln des Wassers erfüllte den Raum – und trotzdem blieb ich wie angewurzelt stehen. Die Angst saß mir im Nacken. Nein, nicht einfach Angst. Panik. Reine, lähmende Panik.
Duschen war in den letzten Monaten jedes Mal ein Kampf gewesen – ein Kraftakt, den ich entweder mit einer Panikattacke oder völlig aufgelöst in irgendeiner Ecke meines Zimmers beendet hatte. Der Gedanke, Wasser auf meiner Haut zu spüren, löste etwas in mir aus, das ich kaum kontrollieren konnte. Es war, als würde es mich zurück in die Dunkelheit ziehen, in all das, was ich versucht hatte zu vergessen. Ganz gleich, ob Dusche, Badewanne oder nur das Waschen meines Gesichts – es fühlte sich jedes Mal an, als müsste ich mich selbst überwinden, gegen meinen eigenen Körper kämpfen. Und ich verlor zu oft.
Aber heute, nach all den Tagen, wollte ich es versuchen. Ich wollte duschen. Weil Álvaro mich fragte, ob ich morgen mit der Familie frühstücken würde – etwas, das ich seit Monaten nicht mehr getan hatte. Ich wollte frisch und nicht zerbrechlich wirken und ich wollte diese Angst nicht länger gewinnen lassen. Ich wollte all das, was sich in mir aufgestaut hatte, von mir abwaschen. Den Schmutz, die Schuld, den Schmerz. Ich wollte mich sauber fühlen. Frei. Doch jetzt, da das Wasser lief, bereute ich es. Ich stand da, meine Finger um das Waschbecken gekrallt, und konnte mich nicht bewegen. Die Angst klebte an mir wie eine zweite Haut. Ich fühlte mich wie ein Eindringling im eigenen Körper.
„Celést."
Ich zuckte zusammen und drehte mich zur Tür, die sich langsam öffnete. Álvaro trat ein und blieb stehen, als er mich am Waschbecken entdeckte – nicht in der Dusche, wie er es wohl erwartet hatte. Seine Stirn legte sich leicht in Falten, als sein Blick auf meinen verkrampften Griff am Becken fiel. „Was ist los?", fragte er ruhig und kam langsam näher. Ich schluckte und zuckte nur leicht mit den Schultern. „Celést", sagte er noch einmal, sanft, aber eindringlich. Ich atmete tief durch.
„Es ist einfach...", begann ich und biss mir auf die Lippe, mein Blick wich dem seinen aus. „Ich hab Angst zu duschen", murmelte ich schließlich kaum hörbar. Álvaro schwieg einen Moment, atmete tief ein – dann nickte er nur, schaltete die Dusche aus und verließ ohne ein weiteres Wort das Bad. Für einen Augenblick glaubte ich, er würde mich allein lassen, doch wenige Sekunden später kam er mit einem Stuhl zurück.
Wortlos stellte er ihn vor das Waschbecken, und ich sah ihn verwirrt an. „Setz dich", sagte er ruhig. „Wie bitte?" „Wir fangen mit deinen Haaren an. Ich dusche sie dir zuerst."
Ich schluckte, die Scham kroch langsam über meine Haut. Trotzdem nickte ich schließlich und setzte mich zögerlich. Álvaro ging zur Dusche, nahm mein Shampoo und meine Spülung, kam zurück und drehte das Wasser auf. Sofort zuckte ich zusammen, wollte aufspringen, doch seine Hand legte sich ruhig auf meine Schulter.
„Beruhig dich. Ich bin da. Ich geh nicht weg." Sein Blick war ruhig, seine Stimme so sicher, dass ich trotz allem still blieb. Ich atmete tief ein und ließ meinen Kopf langsam nach hinten sinken, während das warme Wasser über mein Haar lief.
Er arbeitete vorsichtig, ließ das Wasser erst meine Längen durchdringen, bevor er näher zum Ansatz kam. Mit jedem Zentimeter, den seine Finger sich nach oben bewegten, zog sich mein Magen enger zusammen. Panik stieg in mir auf, saß mir wie ein Kloß im Hals – doch ich zwang mich, ruhig zu bleiben.
Als meine Haare schließlich komplett nass waren, öffnete er das Shampoo und begann behutsam, es einzuarbeiten. Seine Finger glitten durch mein Haar, massierten sanft meine Kopfhaut. Ein gleichmäßiger Rhythmus, beruhigend, fast hypnotisch. Ich schloss die Augen. „Ich kann das auch alleine", murmelte ich, fast trotzig – doch meine Stimme verlor sich in dem wohltuenden Gefühl. Ich genoss es. Seine Hände. Die Nähe.
„Ich weiß", erwiderte er ruhig, ohne den Rhythmus zu unterbrechen. „Ich mein's ernst. Als du weg warst, hab ich es auch alleine gemacht."
Er nickte leicht, sagte aber nichts – seine Hände sprachen für sich.
„Ich will aber an deiner Seite sein, mi Amor", sagtet er schließlich. „Okay..." flüsterte ich zurück, mein Blick blieb an seinem Gesicht hängen – an seiner ernsten Miene, seinem konzentrierten Blick, seinem markanten Kiefer. Aus diesem Winkel sah ich ihn anders. Wahrscheinlich sah ich selbst völlig zerzaust aus, unvorteilhaft, vielleicht sogar hässlich – aber er war da.
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Amor a la Mafia
Teen Fiction𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Band 1 𝐶𝑒𝑙𝑒́𝑠𝑡 𝑦 𝐴́𝑙𝑣𝑎𝑟𝑜 🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎🝮︎︎︎︎︎︎︎ Kapitel: 15 Ich habe eindeutig zu viele Filme gesehen, und genau deshalb will ich nicht, dass er meine Haare zur Seite streicht, mir langsam die Kette umbi...
