Mein Körper prallte hart auf dem Asphalt auf, nachdem mich das Motorrad von sich runter geschmissen hatte. Ich hörte meine Knochen knacken, mein Kopf fing augenblicklich das Schmerzen an, als der Helm aufprallte. Aber zum Glück war er gut gepolstert. Hätte ich keinen Helm getragen.. ich wäre wahrscheinlich gestorben.
Ein schmerzerfülltes Stöhnen drang aus meiner Kehle, meine Brille drückte mir unangenehm gegen die Nase, während ich mich auf dem Boden zusammen kugelte. Scheiße, meine Kniegelenke brachten mich beinahe um, so sehr schmerzten sie.
„Fuck!", keuchte ich wieder, als ich versuchte mich aufzusetzen. Nach dem zweiten Versuch schaffte ich es endlich, nur um Silver zu sehen, der auf die Situation zu rannte. Mein Blick landete auf sein Motorrad, welches im Graben neben der Straße lag.
Oh, nein. Sein Motorrad.
Tränen traten mir in die Augen, meine Unterlippe zitterte, als mir klar wurde, dass ich sein Motorrad geschrottet hatte. Silver würde mich umbringen.
Sein geliebtes Motorrad, das er schon immer haben wollte und ich Idiotin hatte es zerstört.
Ich fing bitterlich das Weinen an. Mit zittrigen Händen versuchte ich den Helm zu öffnen. „Verdammt, geh auf!", rief ich aus. Ich öffnete das Visier und nahm meine Brille ab. Ich ignorierte, dass das Glas gesprungen war.
Irgendwie schaffte ich es dann doch noch, den Helm abzunehmen. Ich wollte Silver nicht anschauen, ich wollte sein wütendes und enttäuschtes Gesicht nicht sehen.
Meine Schultern bebten, meine Brust schnürte sich schmerzhaft zu, als ich meine Hände vor mein Gesicht legte und weinte. Ich hatte sein Motorrad kaputt gemacht. Seine scheiß geliebte Kawasaki, nur weil ich unbedingt damit fahren wollte. Ich hätte es niemals machen sollen.
„Alva.", hörte ich Silver außer Atem sagen. Seine Hände legten sich um meine Handgelenke, um meine Hände von meinem Gesicht abzunehmen. Ich entriss ihm meine Hände. Ich konnte ihn nicht ansehen, weswegen ich zu seiner Kawasaki sah.
„Es tut mir so leid, Silver.", weinte ich und umarmte meine Beine, nachdem ich sie an meinen Körper gezogen hatte. „Es tut mir so leid. Ich habe dein Motorrad kaputt gemacht!", schluchzte ich und weinte nun stärker. Die Tränen liefen unkontrolliert über meine Wange, während mein Schluchzen sich überschlug und ich in die Schnappatmung geriet.
„Alva.."
„Bitte sei nicht sauer auf mich. Ich habe dein Motorrad kaputt gemacht!"
„Alva, beruhig dich, bitte." Als er das zu mir sagte, sah ich ihn zum ersten Mal an. Ich erkannte keinerlei Wut oder Enttäuschung in seinen Augen. Stattdessen blickten sie mich besorgt an. „Hast du dich verletzt? Gehts dir gut?" Ich antwortete ihm nicht, zu sehr saß der Schock in meinen Knochen. Silver öffnete den Reißverschluss seiner Lederjacke und zog mir die Jacke aus, nachdem er sanft die Handschuhe von meinen Händen abstreifte.
Er untersuchte meine Arme nach Schrammen und Verletzungen. Als nächstes nahm er mein Gesicht in seine Hände und betrachtete es.
„Dein Motorrad, Silver. Ich habe es geschrottet."
„Ich scheiß auf mein Motorrad, Alva. Ich will nur wissen, ob es dir gut geht.", antwortete er mir und untersuchte nun meinen Kopf, wahrscheinlich nach Platzwunden.
„Aber-"
„Mein Motorrad ist ein Gegenstand, das ich einfach reparieren lassen kann. Fuck, ich kann mir auch einfach ein neues kaufen aber dich Alva, dich hätte ich verlieren können. Und ich würde nie wieder jemanden wie dich finden. Du bist mir wichtiger als dieses Teil." Er deutete auf sein Motorrad, welches noch immer im Graben lag. Der Motor lief noch.
Mein Herz setzte aus, die Schmetterlinge nahmen meinen ganzen Körper ein, als ich seine Worte in meinem Kopf wiederholte.
Dich hätte ich verlieren können... Du bist mir wichtiger als dieses Teil...
Und jetzt weinte ich noch mehr.
Ich ignorierte meine schmerzenden Knochen, als ich mich zu Silver beugte und ihn umarmte. Sofort schlangen sich seine Arme um mich, jedoch mit Vorsicht, da er mich wahrscheinlich nicht noch mehr verletzen wollte.
Ich vergrub mein Gesicht in seiner Brust und schluchzte auf.
„Es tut mir leid.", weinte ich, während Silver beruhigend mit seiner Hand über meinen Rücken streichelte.
„Es ist alles gut, Alva. Es ist meine Schuld.", sprach er und ich konnte genau sein Bedauern aus seiner Stimme heraus hören. „Ich hätte es dir nicht anbieten sollen. Ich hätte dich nicht fahren lassen sollen."
„Aber ich wollte es.", sprach ich dagegen, als ich mich aus der Umarmung entfernt hatte. Seine blauen Augen sahen mich beinahe schon traurig an. Mein Herz zerbrach ich tausend Teile.
Silver war traurig? Wegen mir?
Sanft legte ich meine Hand an seine Wange, versuchte ihm damit zu verdeutlichen, dass er keinerlei Schuld trug.
„Wir beide haben heute einen Fehler gemacht." Ich ahmte seine Geste nach, die er jedem Mal bei mir tat und streichelte mit meinem Daumen leicht über seine weiche Wange. Augenblicklich erschien es mir, als würde er sich unter meiner Berührung entspannen. „Ich werde vielleicht
doch nicht meinen Motorradführerschein machen.", versuchte ich die Situation mit einem kleinen Witz zu retten. Silver rollte mit seinen Augen, aber dennoch lächelte er leicht.
„Ja, vielleicht wäre es besser, wenn du es lassen würdest.", stieg er in meinen Witz ein. Sein Lächeln verschwand kurz darauf wieder und die Sorge breitete sich in seinen Augen aus. Er küsste mich sanft auf die Stirn, als würde er mir damit sagen wollen, dass alles wieder gut werden würde.
„Komm, wir schauen mal, ob wir nach Hause kommen." Er stellte sich wieder aus seiner Hocke auf und hielt mir seine Hand entgegen, die ich annahm. Ich stöhnte vor Schmerz auf, als meine Knochen rebellierten. Das würde mit Sicherheit noch eine Zeit lang wehtun. „Gehts?"
„Ja, es geht schon.", seufzte ich und folgte ihm zu seinem Motorrad.
Er stellte sein Motorrad wieder auf und schaltete den Motor kurz ab, nachdem er den Ständer ausgeklappt hatte. Ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange und die Tränen stiegen mir wieder in die Augen, als ich die Schrammen erkennen konnte, die die komplette rechte Seite seines Motorrads zierten. Die Kratzer sahen ziemlich tief aus und eine fette Delle war zu sehen.
Silver betrachtete den Schaden ganz genau, fuhr mit seinen Fingerspitzen über die Schrammen und zog etwas von dem Lack ab, der abblätterte. Ich konnte keinerlei Regung in seinem Gesicht ausmachen.
„Mann, Mauerblümchen.", sprach er plötzlich uns sah zu mir. „Du hattest verdammt Glück, ist dir das bewusst?"
Ich schüttelte meinen Kopf. „Das hätte ganz anders enden können. Sieh dir doch meine Kawasaki an. Das war kein kleiner Unfall." Ich spürte Scham in mir aufkommen, als Silver sich auf sein Motorrad setzte und den Motor starrte. Sofort schnurrte seine Todesmaschine unter ihm auf wie ein gefährliches Raubtier. „Ich denke, wir können ohne Probleme losfahren."
„Bist du dir sicher?"
„Ja, keine Sorge. Wir fahren in die Stadt, da bringe ich es gleich in die Werkstatt und dann fahren wir einfach mit dem Bus zurück."
„Es tut mir wirklich leid. Ich kann dir die Reparatur auch irgendwie bezahlen."
„Mauerblümchen, ich möchte dein Geld nicht. Steig jetzt auf, lass uns nach Hause fahren."
Nachdem Silver sein Helm und alles von der Straße aufgesammelt hatte, waren wir wieder zurück in die Stadt gefahren, dieses Mal jedoch viel langsamer und um einiges vorsichtiger.
Schnell hatten wir das Motorrad in der Werkstatt abgestellt. Der Motorradmechaniker hatte nicht schlecht geschaut, als Silver sein Lieblingsstück in die Werkstatt geschoben hatte. Sie hatten kurz miteinander gesprochen, dann kam Silver auch wieder zu mir.
„Auf den ersten Blick scheint nur die Verkleidung kaputt zu sein, aber er wird es sich heute noch anschauen und mich später anrufen.", erklärte mir Silver, als wir uns zusammen auf den Weg zur Bushaltestelle machten.
Die Sonne ging bereits unter, der Schock saß noch tief in meinen Knochen, während wir die Straße entlangliefen, weswegen ich leicht das Zittern anfing. Meine Kniegelenke taten höllisch weh, aber ich versuchte den Schmerz einfach zu ignorieren. Am morgigen Tag würde mir mein ganzer Körper weh tun. Ich sollte Mike später anrufen, um ihm Bescheid zu geben, dass ich morgen vielleicht nicht in die Arbeit kommen würde.
„Ist dir kalt?", holte Silver mich aus meinen Gedanken. Leicht nickte ich. Er blieb stehen und zog sich seine Lederjacke aus, dann nahm er mir meinen Helm aus der Hand und reichte mir seine Jacke. „Zieh sie an."
„Danke.", sagte ich und zog mir seine Jacke um. Auf der Stelle umhüllte mich sein Duft und ich fühlte mich augenblicklich wohl. „Wird die Reparatur viel kosten?"
„Nicht so viel wie dein Leben.", antwortete er mir direkt. Ich biss mir auf meine Unterlippe und ließ mich von der Stille sowie vom Duft seiner Jacke umhüllen. Und so setzten wir unseren Weg Richtung Bushaltestelle fort.
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SILVER
Teen Fiction"it's hard to resist a bad boy who's a good man. Jeder in der Stadt wusste wer er war. Jeder fürchtete sich vor ihm. Wenn man seinen Namen hörte zuckte jeder zusammen, denn sie wussten wie er war. Sie kannten ihn. Silver King. Jedoch, kannten sie ih...
