Kapitel 25 - Silver

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Meine Kawasaki schnurrte, als ich die Straße entlang fuhr. Ich hatte zwar nur einen Tag auf mein Schmuckstück warten müssen, aber es hatte sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Umso befreiender fühlte es sich an, endlich wieder auf meinem Motorrad zu sitzen und durch die Nacht zu fahren. Noch schöner war es, als mir bewusst wurde, dass ich auf dem Weg zu meinem Mädchen war. Alva länger als einen Tag nicht zu sehen war eine Folter für mich. Sie war wie eine Droge für mich und ich war süchtig nach ihr.
Ich hatte nie gedacht, dass ein Mensch solch eine Wirkung auf mich haben würde.
Es war mir egal, ob wir das machen würden, was sie vorhin am Telefon zu mir gesagt hatte, oder ob wir uns einfach nur auf die Couch oder ins Bett legten und die Nacht über miteinander sprechen würden. Ich wollte sie einfach nur bei mir haben.
Auch wenn der Gedanke, sie zum Stöhnen zu bringen, meinen Schwanz hart werden ließ. Sie hatte wirklich keine Ahnung, was sie mit mir anstellte.
Das erste Mal in meinem Leben wusste ich, wie es sich anfühlte, Angst zu verspüren. Ich hatte nicht nur Angst, dass Alva etwas jederzeit zustoßen könnte, sondern auch vor den Gefühlen, die sie in mir auslöste. Ich kannte dieses wohlige Gefühl nicht, dass sich jedes Mal in mir ausbreitete, wenn sie bei mir war.
Oder das Gefühl, als würde sich mein Magen umdrehen und meine Brust beinahe platzen, sobald sie mich mit ihren braunen Augen ansah und lächelte. Ich würde sie nicht mehr gehen lassen.
Für keinen Menschen auf dieser Welt würde ich alles aufgeben, aber für Alva, würde ich alles tun, nur, damit sie glücklich war.
Ich bog in ihrer Straße ein, erkannte sofort das Gebäude, in dem sie wohnte und hielt davor. Mit einer einfach Bewegung klappte ich den Ständer meines Motorrads aus und stellte es ab. Gleich würde ich mein Mädchen wieder sehen.
Ich schwang mich von meiner Maschine, nahm mein Telefon aus meiner Jackentasche, um ihr zu schreiben, dass ich da war, als sie Eingangstür aufgestoßen wurde, und das mit solch einer Kraft, dass sie gegen die Wand knallte.
Mein Blick hob sich und was ich sah, zerbrach mir beinahe mein kaltes Herz.
Alva rannte aus dem Gebäude, ihre Haare waren nass, während ihr Tränen über die Wangen strömten. Sie schluchzte laut und sah sich panisch um.
Sofort war ich in Alarmbereitschaft.
Mit großen Schritten lief ich auf sie zu, meine Wut war unendlich, als mir klar wurde, dass ihr jemand wehgetan hatte.
Wie lange es wohl dauerte, alle Teile einer Leiche in der Stadt zu verteilen? Denn genau das war es, was ich machen werde, wenn ich die Person in die Finger bekam, die Alva zum Weinen brachte.
Alva erkannte mich, bevor ich bei ihr ankommen konnte und sofort rannte sie in meine Arme, drückte sich gegen mich und suchte bei mir die Sicherheit, die sie gerade brauchte. Mein Körper war stocksteif, während meine Gedanken sich überschlugen.
„Was ist passiert?" Ich drückte sie einen Stück von mir weg, sah in ihr panisches Gesicht, als meine Augen auf ihre Unterlippe fiel, die aufgeplatzt war und blutete. Oh, fuck, jetzt war ich blind vor Wut. „Wer hat dir das angetan?", knurrte ich, strich mit meinem Daumen unter ihrer Unterlippe entlang, die zitterte.
Alva atmete unregelmäßig, während sie panisch zu dem Gebäude sah und dann wieder zu mir. „Alva. Wer. War. Das?", presste ich aus zusammen gepressten Zähnen heraus. Mein Kiefer war angespannt, es juckte in meinen Handflächen einfach loszustürmen und jeden einzelnen in diesem scheiß Gebäude in den Tod zu schicken. Ich wollte Blut sehen, dafür, dass man mein Mädchen zum Bluten gebracht hatte.
„Mein Vater..", schluchzte sie, krallte sich in meine Lederjacke und weinte weiter. „Er hat mich geschlagen. Das hat er noch nie gemacht! Er hat mich einfach geschlagen. Seine eigene Tochter!" Ihre Stimme brach und mit ihr mein Herz.
„Welcher Stock?"
„Was?"
„In welchem scheiß Stock ist dein verdammter Vater?", wurde ich lauter, was sie zusammenzucken ließ.
„Im Zweiten, wieso?" Man konnte die Verwirrung deutlich heraushören. Doch als sie meinen Blick erkannte, der förmlich danach rief, Blut zu vergießen, schüttelte sie heftig mit dem Kopf. „Silver, nein!" Aber es war schon zu spät.
Ich schob sie sanft auf die Seite, lief an ihr mit langen und schnellen Schritten vorbei, um in das Gebäude zu kommen. Es war mir egal, ob es ihr Vater war. Er hatte nicht das recht, seine eigene Tochter zu schlagen.
Er hatte kein recht mein Mädchen zu schlagen.
„Silver, bitte! Tu das nicht!", schrie Alva mir hinterher, versuchte Schritt zu halten, als ich die Treppe hinauf stürmte in den zweite Stock. „Silver, er ist mein Vater!" Ich blieb abrupt stehen und wandte mich zu ihr.
„Welcher Vater schlägt seine eigene Tochter? Welcher Vater würde auch nur eine Sekunde daran denken, seine Tochter zum Weinen zu bringen?", brüllte ich ihr entgegen, weswegen sie wieder zurück zuckte und einen Schritt zurückging.
Mir war klar, dass es nicht in Ordnung war, sie anzuschreien, aber ich konnte meine Wut nicht kontrollieren. „Dein Vater sollte dir Schutz bieten, statt es dir zu nehmen, Alva."
„Er war sauer-", fing sie an, weswegen ich spöttisch lachte.
„Das ist deine Ausrede? Ich bin auch sauer! Verdammt, Alva, ich bin kurz vorm Ausrasten und dennoch würde ich niemals meine Hand dir gegenüber erheben!"
„Bitte, tu es nicht.", wimmerte sie und sah mich bittend an, völlig unter Tränen.
„Alva."
„Bitte Silver. Ich will nur meine Sachen holen und von hier abhauen."
„Du willst noch einmal in die Wohnung?", fragte ich voller Wut und schüttelte mit meinem Kopf, als sie nickte. „Oh nein, das kannst du vergessen!"
„Ich habe mein Smartphone liegen gelassen und meine Tasche. Ich brauche mein Zeug.
„Das können wir auch morgen holen."
„Silver, bitte."
„Was genau verlangst du von mir, Alva?" Ich warf meine Arme in die Luft, als ich sie fragend ansah. „Du willst nicht, dass ich deinem Vater eine Lektion erteile, die ihn erinnern wird, dass man niemals seine eigene Tochter schlagen sollte aber dann willst du auch genau zurück in die Wohnung, in der dein Vater ist, der dir deine Lippe aufgeschlagen hat?"
„Ich weiß, es ist dumm."
„Das ist komplett bescheuert, Alva.", sprach ich und sah ihr in die blutunterlaufenen Augen, als sie mich weiterhin bittend ansah. „Ich komme mit dir."
„Was? Nein! Mein Vater wird ausrasten."
„Dann soll er das doch. Denkst du ich habe Angst vor ihm?" Ich lachte. „Er sollte lieber Angst vor mir haben."
„Silver, du wirst in einer Zelle landen, wenn du einen Schritt in die Wohnung machst."
„Das glaube ich weniger.", winkte ich ab und lief den Flur weiter entlang, um ihre Wohnung zu finden. Zum Glück standen die Nachnamen der Bewohner an der Wohnungstür, ansonsten hätte ich einfach überall die Tür eingetreten.
„Er ist Polizist, Silver! Mein Vater ist bei der Polizei!"
„Denkst du, das weiß ich nicht?", antwortete ich ihr. Sie sah mich erschrocken an, als wäre es unmöglich, dass ich das hätte wissen können. „In dieser Stadt seid ihr die Einzigen mit dem Nachnamen Coleman. Ich hatte oft genug eine Begegnung mit deinem Vater." Ich blieb vor ihrer Haustür stehen und sah sie auffordernd an. „Mach die Tür auf."
„Ich gehe alleine rein. Du kannst hier warten.", sagte sie und versuchte ihre Stimme fest klinge zu lassen, obwohl ich genau das Zittern heraus hören konnte.
„Nein."
„Ich gehe alleine rein!", erhob sie nun ihre Stimme und sah mich wütend an, als ich mich wieder dagegen sträubte, das zu tun, was sie mir sagte. Ich Blick wurde sanfter. „Bitte, lass mich alleine reingehen. Es wird nichts passieren, das verspreche ich dir. Ich lasse die Tür komplett offen, okay? Bitte, Silver." Sie kam auf mich zu und legte ihre Hand beruhigend auf meine Wange. Als hätte sie einen Schalter mit ihrer Berührung umgelegt, seufzte ich einmal und gab mich geschlagen. So etwas schaffte auch nur sie.
„Na gut, aber du lässt die Tür offen, und wenn ich irgendwas höre, was mir nicht passt, stürme ich rein."
„Okay.", nickte sie zustimmend, umgriff mein Nacken und zog mich ein Stück hinunter, während sie sich auf die Zehenspitzen stellte. Sie küsste mich innig. Ich schmeckte das Blut auf ihrer Lippe und ihre Tränen. Mein Kiefer spannte sich wieder an, die Wut lauerte in mir, jederzeit bereit dazu auszubrechen und Chaos zu verbreiten.
Als hätte Alva dies bemerkt, zog sie sich vom Kuss zurück und lächelte mich leicht an.
Daraufhin war sie in der Wohnung verschwunden, jedoch ließ sie wie versprochen die Tür offen. Ich lehnte mich gegen den Türrahmen und lauschte.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jun 20, 2025 ⏰

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