Ein schlechtes Gewissen nagte an mir. Wieso war ich so dumm gewesen? Wieso hatte ich so etwas zu Silver gesagt, obwohl ich selber ganz genau wusste, dass es immer einen Grund für ihn gab, solche Sachen zu machen. Vielleicht würde man sie nicht verstehen, aber es war seine eigene Ansicht auf die Dinge der Welt. Wenn man mit Silver zurecht kommen wollte, dann musste man das akzeptieren.
Ich hatte niemals von Kyle erwartet, dass er solche Dinge tat. Drogen an kleine Kinder verteilen und verkaufen? Das hätte ich niemals gedacht. Kyle und ich waren nur Bekannte aus der Schule gewesen, aber dennoch hatte ich gedacht genug von ihm wissen aber anscheinend war es wirklich so, dass man niemals einen Menschen genau und komplett kennen würde. Jeder hatte eine Seite an sich, die er mit jeder Chance versuchte zu verstecken. Ich war auch eine derjenigen.
Ein Schmerz breitete sich in meinem Kopf aus, während ich zu mir nach Hause lief. Ich war bis eben an der Mauer gewesen, die ich so sehr liebte, nur um zu entdecken, dass mir das griechische S tatsächlich geantwortet hatte. Ich hatte mich gefreut. Wenigstens war eine gute Sache an diesem Tag geschehen.
Das geheimnisvolle griechische S und ich teilten unsere Gedanken miteinander aus.
Es fühlte sich aufregend an. Keiner von uns wusste wer der andere war, was bedeutete, dass man sich keinerlei Sorgen machen musste, dass irgendjemand sonst davon erfuhr.
Ich war mir zudem sicher, dass wir beide wussten, wir sprachen nicht übereinander, wenn wir unsere Zitate teilten. Es war etwas schönes. Ich freute mich bereits jetzt schon auf seine Antwort.
Ich musste leicht lächeln, als ich wieder a das Zitat dachte, dass ich heute a die Wand geschrieben hatte.
„Falling doesn't feel so bad when I know you've fallen this way too."
Bevor ich wirklich nachdenken konnte, hatte meine Hand bereits die Wörter an die Wand gesetzt. Ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken, als ich mich daran erinnerte, an wen ich in diesem Moment gedacht hatte.
Was Silver wohl tat? Wie es ihm ging? War er immer noch sauer auf mich?
Ich kämpfte mit mir selbst, überlegte, ob ich ihm eine Nachricht schreiben sollte, aber ich verwarf diese Idee wieder schnell. So kalt wie er gewesen war, glaubte ich nicht, dass er mich nochmal sehen wollte.
Ein Schmerz ließ mein Herz zusammenziehen, als ich mir vorstellte, dass Silver mich nicht mehr sehen wollte. Es würde mir tatsächlich das Herz brechen.
Wie hatte Silver es nur geschafft mich so schnell für sich einzunehmen? Was hatte er an sich, dass ich ihm bereits seit dem ersten Mal verfallen war? War es die Dunkelheit, die ihn umgab, oder war es die Gefahr, die er ausstrahlte? Scheiße, ich wusste es nicht aber ich wollte es um keinen Preis verlieren. Und dennoch hatte ich heute Sachen gesagt, von denen ich sicher war, das Silver sie nicht aus meinem Mund erwartet hatte.
Ich musste mich entschuldigen. Ich musste die Sache mit ihm klären.
Kurz bevor ich Zuhause ankam kramte ich mein Smartphone aus meiner Hosentasche und scrollte durch meine Kontakte, um Silver zu finden. Ich hatte nicht viele Kontakte eingespeichert, weswegen ich ihn auch schon schnell fand, jedoch konnte ich seine Nummer nicht wählen - jemand rief mich an.
Es war Mike.
Ich lächelte. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr gesprochen. Ich freute mich darauf, morgen wieder mit ihm zusammen zu arbeiten.
„Hey, Mike.", begrüßte ich ihn und blieb auf dem Gehweg stehen. „Was gibts?", fragte ich ihn und biss auf die Innenseite meiner Wange, während ich darauf wartete, dass er mir antwortete.
„Hey, Alva. Es tut mir wirklich leid, dass ich dich so spät noch störe-", fing er an und klang etwas gestresst. Wir hatten gerade einmal kurz nach 18 Uhr. Verwirrt zog ich meine Augenbrauen zusammen. „-aber ich rufe dich an, um dir zu sagen, das Mara wieder ihre Meinung geändert hat. Diese Frau weiß auch nicht was sie will."
„Hey! Das habe ich gehört!", hörte ich jemanden im Hintergrund von Mike sprechen, was mich lachen ließ. Auch Mike lachte.
„Wie auch immer. Mara möchte jetzt, dass die Hochzeitsgäste Blau tragen statt Grün.", seufzte er. „Tut mir wirklich leid, falls du dir bereits ein grünes Kleid gekauft hast. Ich hatte keine Ahnung, dass Mara sich noch Umentscheiden würde."
„Alles gut, Mike. Ich habe mir noch kein Kleid gekauft. Außerdem mache ich alles, was die Braut möchte. Sie ist die Chefin."
„Na ja, eigentlich bin ich dein Chef.", witzelte er aber wir beide wussten, wie ich es gemeint hatte. „Ich hoffe Mara überlegt es sich nicht wieder anders mit den Kleiderfarben. Schließlich ist die Hochzeit schon in einer Woche."
„Werde ich nicht!", hörte man wieder Mara im Hintergrund sagen.
„Blau ist doch eine schöne Farbe. Die kann ich auch in meiner Freizeit tragen.", versuchte ich Mike zu beruhigen, obwohl wir beide genau wussten, dass ich kein Kleidermensch war.
Ich hasste es Kleider zu tragen. Ich liebte meine Jeans und Hoodies dafür zu sehr, weswegen auch der Sommer nicht wirklich meine Lieblingsjahreszeit war.
„Danke dir für dein Verständnis. Wenigstens eine, die wegen dieser Änderung nicht komplett ausgerastet ist.", murmelte er zum Ende hin eher zu sich selbst als zu mir.
„Überhaupt kein Problem.", sagte ich und winkte mit meiner rechten Hand ab, wohl wissend, dass Mike mich nicht sehen konnte. „Wir sehen uns dann morgen?", fragte ich nach, obwohl die Antwort klar war.
„Ja, wir sehen uns dann morgen." Und bevor ich mich verabschieden und auflegen konnte, hörte ich Mike wieder sprechen. „Und Alva?"
„Ja?"
„Ist es jetzt sicher, dass Silver deine Begleitung auf der Hochzeit ist?" Silver war was?
Mein Herz rutschte mir in die Hose, als seine Frage mich erreichte. Seit wann war geplant, dass Silver meine Begleitung sein würde? Ich schluckte einmal und überlegte mir meine Worte genau.
„So ist es geplant.", log ich und wieder einmal biss ich mir auf die Innenseite meiner Wange. „Woher weißt du das?"
„Ich habe doch letztens mit ihm telefoniert. Eigentlich wollte ich dich am Telefon erreichen, aber da ist er rangegangen.", erklärte er und sofort erinnerte ich mich an diesen Tag zurück. „Du wirst mir morgen erklären müssen, was du mit ihm zutun hast." Oh, Scheiße.
„Oh, ehm, Mike, ich glaube ich kann morgen nicht kommen. Ich weiß jetzt schon, dass mir schlecht sein wird.", meinte ich, eher als Witz, um ihm deutlich zu machen, dass ich nicht über Silver sprechen wollte, weswegen mein Chef nur lachte.
„Oh, nein, Alva. Du wirst morgen um Punkt acht Uhr auf der Matte stehen und mir alles sagen." Manchmal wünschte ich mir, dass Mike mein Vater war.
„Ich weiß.", seufzte ich und fuhr mir durch meine Haare.
„Wie auch immer. Ich werde Silver jetzt auf die Gästeliste setzen."
„Okay.", sagte ich nur, worauf ich mich von ihm verabschiedete.
„Und Alva?", sagte er wieder, was mich belustigt die Augen rollen ließ.
„Ja?"
„Silver scheint ein netter Typ zu sein. Ich hoffe er ist es auch wirklich und nicht nur am Telefon."
„Er kann wirklich nett sein.", meinte ich und es war auch die absolute Wahrheit gewesen. Es kam zwar auf den Tag, sowie auf die Umstände drauf an, aber Silver war bis jetzt fast immer nett zu mir gewesen.
„Sehr gut. Dann bis morgen."
„Bis morgen, Mike." Und endlich legten wir auf.
Langsam fing ich an mich wieder zu bewegen, Ich war nicht weit von Zuhause entfernt, als ich meinen ganzen Mut zusammen nahm und Silver eine Nachricht schrieb, und das mit der Gefahr, dass er nicht antworten würde.
,ich wusste gar nicht, dass du meine Begleitung zur Hochzeit bist.'
Als ich an meiner Wohnungstür ankam, kramte ich meinen Schlüssel heraus und öffnete sie. Es war komplett still in der Wohnung und da wusste ich, mein Vater war nicht zuhause. Zufrieden seufzte ich einmal, als ich meine Schuhe auszog, sie ordentlich verräumte und in die Küche lief. Mit einer kleinen Flasche Cola lief ich in mein Zimmer, um mich daraufhin auf mein Bett zu setzen. Ich scrollte durch meine Bildergalerie, löschte manche Bilder, die Cara mir von ihrem Campingausflug geschickt hatte, als eine Nachricht auftauchte.
Silver.
,Siehe es als Date, Mauerblümchen.'
Und wieder rutschte mir mein Herz in die Hose.
Ein Date? Mit Silver?
Wann hatte ich das letzte Mal so wirklich gute Laune gehabt? Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als ich das letzte Mal zu der Musik, die aus meinem Smartphone lief, getanzt hatte. Ich wirbelte durch mein Zimmer, räumte währenddessen auf und sang zu meiner Musik. Es machte Spaß. Seit langem konnte ich mal wirklich los lassen. Ich dachte nicht eine Sekunde an die Scheiße, die hinter meiner Zimmertür auf mich wartete. Nichts sollte meine gute Laune ruinieren, nicht einmal mein Vater.
Ich packte meine Tasche zusammen, da ich morgen nach der Arbeit in die Stadt gehen wollte, um mir ein Kleid für die bevorstehende Hochzeit zu kaufen. Ich war irgendwie aufgeregt. In einer Woche würde ich das erste Mal auf einer Hochzeit sein. Und das mit Silver.
Ob ich deswegen so aufgeregt war? Würde Silver einen Anzug tragen?
Bei dem Gedanken an Silver, wie er wohl mit einem Anzug aussah, wurde mir ganz warm.
Ich packte meine letzten Sachen in meinen schwarzen Rucksack und stellte ihn direkt neben mein Bett, dann ging ich zu meinem Kleiderschrank und holte mir Schlafklamotten heraus, da es schon ziemlich spät war und ich noch duschen wollte.
Die Musik von meinem Smartphone machte ich aus, nahm es in meine freie Hand und ging leise aus meinem Zimmer heraus. Ich wusste nicht, ob mein Vater zuhause war. Ich wollte auch nicht nachsehen. Nach den letzten Begegnungen mit ihm vermied ich es mittlerweile vor seine Augen zu treten. Ich konnte es nicht mehr länger ertragen. Er war ein komplett anderer Mensch geworden.
„Alva!" Ich blieb in meiner Bewegung abrupt stehen, als ich die laute Stimme meines Vaters ausmachen konnte. Scheiße, er hatte mich anscheinend gehört. „Komm bitte ins Wohnzimmer."
Ich machte mich schon innerlich auf sein Geschrei bereit, während ich meine frischen Klamotten vor die Badezimmertür legte, bevor ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer machte.
Mein Vater saß auf dem Sofa, er hatte seine Uniform noch an, während er sich seinen Whiskey in ein Glas schenkte und daraus trank.
Wenigstens benutzte er mal ein Glas, dachte ich mir, als ich den Raum eintrat.
„Dad.", begrüßte ich ihn, blieb Mitten im Raum stehen, wartend darauf, dass er mir sagen würde, wieso er mich gerufen hatte.
Sein Blick landete auf mir und wie schon so oft brach es mir das Herz. Er sah fertig aus. Als würde die ganze Welt auf seinen Schultern lasten. Dabei ließ er es einfach nur zu, dass seine eigenen Dämonen ihn einnahmen. Er versuchte nicht einmal sich zu befreien.
„Es lag ein Brief für dich im Briefkasten.", sprach er, nahm den Umschlag vom Tisch und hielt ihn mir mit zittrigen Händen entgegen. Verwirrt zog ich meine Augenbrauen zusammen. Ich hatte, soweit ich wusste, noch nie einen Brief erhalten.
„Oh, danke." Ich entnahm ihn den Brief, schaute mir den Umschlag an, auf dem nur mein Name stand, ohne Adresse, und auch kein Absender war zu sehen. Komisch.
Mein Vater nickte nur und wandte sich wieder seinem Getränk zu, während er auf den kaputten Fernseher vor sich starrte. Und damit war unsere Konversation anscheinend vorbei.
Frisch geduscht lief ich wieder in mein Zimmer, fuhr mir durch meine nassen Haare, während ich auf der Suche nach meiner Bürste war. Ich hätte schwören können, dass sie im Bad war aber vielleicht hatte ich sie das letzte Mal in mein Zimmer mitgenommen.
Ich kniete mich auf den Boden, um unter mein Bett zu suchen, und tatsächlich, da lag meine kleine Bürste.
Mit einem schnellen Griff hatte ich sie in meiner Hand und stand wieder auf, worauf ich mich auf mein Bett setzte und meine Haare bürstete. Währenddessen hing ich meinen Gedanken nach, bis mir der kleine Umschlag auf meinem Schreibtisch auffiel.
Ich hatte ja Post bekommen.
Müde stand ich wieder von meinem Bett auf, lief auf meinen Tisch zu und nahm den Umschlag in meine Hand. Auch beim zweiten Mal Nachsehen konnte ich keinen Absender ausmachen, was mich verwirrt seufzen ließ. Mein Wohnort war nicht jedem bekannt, umso mehr störte es mich, nicht zu wissen, wer meine Adresse kannte. Hatte Silver herausgefunden wo ich wohnte?
Nun fingen meine Hände an zu zittern, während ich den Umschlag sanft öffnete. Vielleicht hatte Silver mir einen Brief geschrieben? Er erschien mir nicht wie jemand, der einen Brief verfassen würde.
Mein Name auf dem Kuvert wurde leider maschinell geschrieben, deswegen konnte ich den Verfasser auch nicht über seine Schrift erkennen.
Ich nahm den Brief aus dem Kuvert, faltete das Blatt auseinander, nur um eine einzige Zeile zu lesen, die mir das Blut regelrecht erfrieren ließ.
Ich ließ das Blatt aus meiner Hand gleiten, keine Sekunde später lag es auf meinem Boden, während die Panik meinen Körper übernahm.
,Halte dich von Silver fern oder du wirst es bereuen.'
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SILVER
Novela Juvenil"it's hard to resist a bad boy who's a good man. Jeder in der Stadt wusste wer er war. Jeder fürchtete sich vor ihm. Wenn man seinen Namen hörte zuckte jeder zusammen, denn sie wussten wie er war. Sie kannten ihn. Silver King. Jedoch, kannten sie ih...
