Was, zum Teufel, war hier gerade geschehen? Und das in einer Kabine eines öffentliches Kleidergeschäfts!
Die Wärme in meinen Wangen nahm immer mehr zu, als ich das blaue Kleid von meinem Körper strich und meine Alltagsklamotten in die Hand nahm, um diese anzuziehen.
Silver hatte mich berührt. Dort unten.
Ach, du Scheiße.
Am liebsten hätte ich mich in dieser Kabine eingesperrt und wäre nie wieder heraus gegangen. Was war, wenn jemand uns gehört hatte?
Peinlich berührt knöpfte ich meine Jeans zu und zog mir meine Schuhe an. Meine Gedanken wanderten wieder zu Silver, während ich meine Schnürsenkel zuband. Seine große Hand, die meinen Rücken gestreichelt hatte. Seine Finger, die sich in mir bewegt und gleichzeitig meine empfindlichste Stelle stimuliert hatten. Seine Hand um meinen Hals, die mir die Luft fast abgeschnitten hatte. Seine Erektion. Mein Orgasmus.
Es war das aufregendste gewesen, das ich jemals erlebt hatte. Scheiß auf das illegale Sprayen in Gebäuden und Schreiben auf Wänden - das war nichts im Vergleich zu den letzten zehn Minuten.
Ich atmete noch einmal tief durch, versuchte mich seelisch darauf vorzubereiten aus meiner sicheren Kabine und in die peinliche Situation zutreten, als ich den Vorhang beiseite schob und Silver erkennen konnte, der auf dem kleinen Sofa saß und mich bereits ansah. Ein wissendes Grinsen lag auf seinen Lippen und am liebsten hätte ich ihn dafür gehauen.
„Du siehst wild aus.", lachte er, als er mich von oben bis unten angeschaut hatte. Diese Aussage half mir nicht dabei, die Röte auf meinen Wangen verschwinden zu lassen.
„Du bist schuld!", maulte ich und umklammerte das blaue Kleid mit meinen Armen, um es gegen meine Brust zu pressen.
„Damit kann ich leben." Wieder lachte er, als er vom Sofa aufstand und mir meine Tasche entnahm, die ich über eine Schulter gelegt hatte. Er setzte sie sich auf seinen Rücken. „Lass uns gehen."
„Aber diesmal bezahlen wir!", sprach ich sofort und hob warnend mein Zeigefinger. Die Sache in der Umkleide war schon aufregend genug gewesen, da musste ich nicht noch mehr spannende Dinge erleben.
„Versprochen.", grinste er, legte seine Hand auf meinen Rücken und führte mich durch den Laden zur Kasse. Den ganzen kurzen Weg über blickte ich mich um, erwartete vorwurfsvolle und angewiderte Blicke, aber niemand beachtete mich. Nur Silver wurde angestarrt.
„Du bist wie eine Attraktion.", kicherte ich, was ihn nur die Augen rollen ließ.
„Als hätten sie nichts besseres zu tun.", antwortete er mir. „Das witzige daran ist, sie denken, dass ich es nicht sehen würde aber ich sehe jeden einzelnen von ihnen."
An der Kasse bezahlte ich schnell. Ich schluckte schwer, als die Kassiererin mir den Preis nannte. Ich hätte mal vorher auf den Preis schauen sollen, aber mein Kopf war viel zu verwirrt. Außerdem mochte Silver das Kleid - das hatte er mir schließlich deutlich gezeigt.
Wieder schoss mir die Hitze in die Wangen, ich hasste es.
Um klare Gedanken zu behalten, sprach ich wieder über das vorherige Thema.
„Nervt es dich nicht?", fragte ich den schwarzhaarigen Adonis neben mir, der nun auch meine Einkaufstüte in die Hand nahm. Warum trug er denn alles von mir?
„Was meinst du?", stellte er mir eine Gegenfrage. Wir liefen durch die Stadt, die Menschen um uns herum machten sofort Platz, als sie Silver erkannten.
„Das jeder dich die ganze Zeit anstarrt."
„Ich sehe halt verboten gut aus.", witzelte er und legte seine freie Hand wieder auf meinen Rücken, um mich an geparkten Fahrrädern vorbei zu schlängeln. Die hatte ich gar nicht gesehen.. Ich lächelte ihn dankend an. Ich wäre sowas von auf die Fresse geflogen, hätte Silver mich nicht geführt.
„Im Ernst, Silver. Nervt es dich nicht? Mich würde es nerven."
„Man gewöhnt sich daran. Irgendwann blendet man die Menschen einfach aus. Sie sind es sowieso nicht wert bemerkt zu werden.", erklärte er und führte mich weiter den Weg entlang, bis wir vor einem großen Geschäft standen.
Der Schriftzug über dem Laden war in Neongrün beleuchtet, was man trotz strahlender Sonne genau erkennen konnte.
,Motorcycles & Stuff', stand groß über der Eingangstür. Silver lief mit mir in den Laden hinein. Verwirrt aber dennoch interessiert sah ich mich in diesem Laden um. Überall waren die verschiedensten Sachen für Motorräder oder auch für die Fahrer. Von Reifen über Lackfarben bis hin zu Helmen. Es müsste das Paradies für jeden Biker sein.
Fasziniert sah ich zu Silver, welche mich wieder einmal bereits ansah.
„Wie cool.", grinste ich und lief auf die kleinen Motorradmodelle zu, sah sie mir an, bis ich genau das von Silver erkennen konnte. „Das ist doch deins!", grinste ich, als er neben mir stehenblieb und auch auf das kleine Motorrad sah. Ganz klein stand ein Schild vor dem Modell mit dem Namen Kawasaki Ninja H2 SX.
„Ja, da hast du recht.", grinste er. „Nur ist meine Mattschwarz."
„Das stimmt.", sagte ich und sah mir weitere Motorradmodelle an, aber keines sah so schön aus wie das von Silver. „Wolltest du schon immer dieses Motorrad haben?", fragte ich ihn, während wir weiter durch den Laden schlenderten und ich mir alles genau ansah.
„Sozusagen. Ich habe schon immer die Marke Kawasaki gemocht und deswegen habe ich mir eines geholt, dass meinen ungefähren Vorstellungen entsprach.", erzählte er mir, als wir vor den Helmen stehen blieben. Ich musste lachen, als ich einen Helm erkennen konnte, der Hasenohren hatte.
„Der ist ja witzig.", sprach ich und deutete mit meinem Finger auf den besagten Helm, was Silver auch grinsen ließ. Er wandte seinen Blick wieder ab und betrachtete die Auswahl, die sich vor uns erstreckte.
„Brauchst du einen neuen Helm?" Er nickte nur als Antwort, ging auf einen zu und nahm ihn aus dem Regal. Er betrachtete ihn genau, sah dann kurz auf mich, und dann wieder zu dem Helm.
„Was sagst du zu diesem hier?" Er zeigte mir den Helm, welchen er in der Hand hielt.
„Ich denke nicht, dass du auf Lila stehst. Auch wenn er dir mit Sicherheit gut stehen würde.", zog ich ihn auf, weswegen er grinsend mit seinen Augen rollte und den Helm zurück auf das Regal stellte.
„Welcher würde dir gefallen, würdest du einen aussuchen müssen?"
Ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange, als nun ich die Auswahl betrachtete. Die verschiedensten Farben und Motive waren auf den Helmen zu sehen. Es waren alle wirklich schön.
Ich tippte mir mit meinem Zeigefinger auf mein Kinn, während ich überlegte. Silver sah mich die ganze Zeit über aufmerksam an, auch dann, als ich einen weißen Helm vom Regal nahm.
„Dieser hier.", sagte ich und hielt ihm diesen entgegen. Er nahm ihn mir ab, sah sich den Helm an, dann wieder mich und wieder zu dem Helm. „Er ist der passende Kontrast zu deiner Liebe zu Schwarz.", nannte ich ihm den Grund, weswegen ich diesen ausgesucht hatte. Silver war noch immer dabei den Helm genau anzuschauen.
„Das stimmt.", sprach er leise, als er das Visier öffnete und wieder schloss. Er kontrollierte den Verschluss und griff in den Helm, um wahrscheinlich die Polsterung zu testen. „Die Polsterung scheint gut zu sein. Der Helm hat abnehmbare Pads zum Austauschen - das ist gut."
Er redete mit sich selbst, während ich kaum ein Wort verstehen konnte. Was für Pads? „Das Visier ist nicht zu stark getönt und beschichtet.." Er sah plötzlich vom Helm zu mir und deutete mir, zu ihm zu kommen. „Du hast eine gute Wahl getätigt, Mauerblümchen. Jetzt müssen wir nur noch eine Sache kontrollieren."
Verwirrt und mit einem fragenden Blick kam auch auf ihn zu und blieb direkt vor ihm stehen. Er öffnete den Verschluss des Helmes und nahm mir die Brille von der Nase. Keine Sekunde später saß der Helm schon auf meinem Kopf.
„Vorsicht.", hörte ich Silver sagen, als er das Visier öffnete und meine Brille durch diese mir aufsetzte. Verwundert blinzelte ich ein paar Mal. „Wie fühlt es sich an?", fragte er mich, betrachtete mich aufmerksam und lachte, als ich meinen Kopf hin und her schwankte. Meine Brille saß Bombenfest auf meiner Nase.
„Ist sehr bequem. Ich denke, es wird dir gefallen. Es ist wie, als würde eine Wolke deinen Kopf umarmen.", suchte ich einen passenden Vergleich, was ihn wieder zum Lachen brachte.
„Oh, nein, mein Mauerblümchen. Dieser Helm ist nicht für mich." Er entnahm mir wieder meine Brille, um mir daraufhin aus dem Helm zu helfen. Schnell saß meine Sehhilfe wieder auf meiner Nase. „Der ist für dich."
„Für mich?"
„Ja, für dich. Wenn du immer mit mir Motorrad fährst, brauchst du auch deinen eigenen Helm. Ich denke mal, es gefällt dir nicht unbedingt, wenn ich ohne fahre und zudem habe ich schon genug Fliegen verschluckt."
„Ih!", rief ich aus und musste schallend Lachen. „Und ich habe dich geküsst!"
„Ich wollte mein Leid mit dir teilen.", grinste er amüsiert über meine Reaktion, als ich ihm spielerisch gegen die Schulter schlug.
„Na, vielen Dank.", kicherte ich und schüttelte meinen Kopf. Er deutete mir, mit ihm mitzukommen, worauf ich ihm folgte. Silver blieb zu meiner Überraschung an der Kasse stehen, bezahlte den Helm, der verdammt nochmal mehr gekostet hat als ich verdiente, und ging dann mit mir aus dem Laden. „Dieser Helm war ja sau teuer!"
„Mir ist der Preis egal, solange ich weiß, dass du geschützt bist." Mein Herz machte einen Sprung, als ich seinen Satz realisierte. Sofort verdrängte ich meine Neugier, die mich regelrecht darum anbettelte Silver zu fragen, woher er so viel Geld hatte. Er wohnte alleine, seine Eltern waren anscheinend nicht mehr da - wieso auch immer - aber dennoch lebte er in einem großen Haus, hatte ein Motorrad, das bestimmt sehr viel gekostet hatte und scherte sich nicht darum, wie viel Geld er für einen einzelnen Helm ausgab. Wie also verdiente er sich sein Geld? Vielleicht hatte er viel geerbt? Aber das musste ja bedeuten, dass seine Eltern verstorben waren. Oder vielleicht eine geliebte Tante oder Großmutter, die Silver alles vererbt hatte?
Meine Gedanken überschlugen sich regelrecht. Es ging mich nichts an.
Das letzte Mal als ich Silver auf seine Familie angesprochen hatte, war seine Reaktion nicht wirklich gut gewesen, weswegen ich es einfach lassen sollte. Er würde es mir erzählen, wenn er wollen würde.
Nach ungefähr zehn Minuten kamen wir an seinem Motorrad an. Meinen Rucksack hatte er mir wieder gegeben, nachdem er meine Einkaufstüte mit dem Kleid darin verstaut hatte. Ich schulterte sie direkt.
Er setzte sich seinen Helm auf und klappte sein Visier hinunter. Verdammt, auch wenn es sein schönes Gesicht verdeckte, war der Anblick mehr als attraktiv.
Er tat das gleiche wie schon im Laden: Er nahm mir meine Brille ab, setzte mir den weißen Helm auf, worauf er mir meine Brille wieder auf die Nase setzte. Er half mir auf die Todesmaschine und stieg dann auch auf diese.
„Bist du bereit deinen neuen Helm auszuprobieren?"
„Ich weiß es nicht.", rief ich beinahe schon, da man meine Stimme nur gedämpft hören konnte.
„Klapp dein Visier runter, Mauerblümchen.", befahl er mir und ich tat wie mir befohlen. Aus dem Nichts hielt Silver mir plötzlich Motorradhandschuhe nach hinten, die ich annahm und überzog. „Heute fahren wir mal ein bisschen schneller. Halte dich gut fest." Und sobald ich meine Arme um ihn geschlungen hatte, startete er den Motor und düste schon los. Der Wind drückte mich für einen Moment nach hinten, als Silver Gas gab.
Scheiße, war dieses Ding schnell!
Angst kroch in Form einer Gänsehaut über meinen Körper, als Silver seinen Motor aufheulen ließ und noch schneller fuhr. Mittlerweile waren wir auf einer Landstraße angekommen. Die Straße erstreckte sich vor uns, man konnte mindestens zwei Meilen geradeaus sehen.
Für einen Moment wurde Silver langsamer und ich musste mich konzentrieren ihn hören zu können als er über den Motor hinweg zu mir sprach.
„Halte dich richtig fest, Mauerblümchen. Ich möchte dir zeigen, wie viel Spaß es machen kann, mit diesem wunderschönen Gefährt zu fahren und dafür muss ich etwas mehr Gas geben. Schließlich möchten wir beide nicht, dass du nach hinten runter rutscht." Ich nickte nur.
Scheiße, ich hatte furchtbare Angst, aber gleichzeitig wusste ich, dass Silver niemals zulassen würde, dass mir etwas passierte. Ich vertraute ihm. „Lehne dich mit mir in die Kurven, das macht es einfacher für mich und sicherer für uns beide, verstanden?" Wieder nickte ich nur. „Bist du bereit?" Ich rückte näher an ihn heran und stellte meine Füße sicher auf die Rasten. Ich krallte mich in seine Lederjacke und damit wusste Silver, dass ich bereit war.
Wenn ich schon dachte, dass er vorhin schnell gefahren war, dann war das hier eine komplett andere Dimension. Durch den Wind und die schwere des Helmes wurde mein Kopf für einen kleinen Moment nach hinten gedrückt, jedoch hatte ich es schnell wieder unter Kontrolle und sah über Silvers Schulter hinweg auf die Straße, die komplett frei war. Als ich einen Blick auf seinen Tacho erhaschen konnte, blieb mir die Luft weg. Fast 120 Meilen pro Stunde!
Mein Magen drehte sich vor Aufregung einmal um, meine Finger krallten sich noch mehr in das weiche Leder seiner Jacke, als wir auf eine Kurve zufuhren.
Lehne dich mit mir in die Kurven., hatte Silver gesagt. Zuerst verstand ich nicht ganz, was er gemeint hatte, doch als er in die Kurve hineinfuhr und wir uns mit dem Motorrad fast horizontal zum Boden befanden, verstand ich. Ich entspannte meine Muskeln, versuchte so locker wie nur möglich mit Silvers Bewegungen mitzugehen, auch wenn es sich so anfühlte, als würde ich gleich den Boden küssen, jedes Mal, wenn wir uns in die Kurve lehnten.
Und dann tat Silver etwas, was mich komplett überraschte und mein Adrenalin in die Höhe schießen ließ.
Sobald wir wieder auf einer geraden Straße fuhren, gab er nochmals Gas und sein Vorderrad erhob sich. Nun fuhren wir nur noch auf seinem Hinterrad und das war der Moment, in dem sich einen erschrockener Schrei aus meiner Kehle löste, folgend mein aufgeregtes Lachen.
Mein Herz pumpte gegen mein Brustkorb, mein Puls war viel zu hoch, aber verdammt, ich hatte selten in meinem Leben solch einen Spaß gehabt. Es war aufregend, es war gefährlich, es war belebend.
Als Silver wieder das Vorderrad abgesetzt hatte, betätigte er sanft die Bremse, weswegen das Motorrad immer langsamer wurde, bis wir zum Stillstand kamen. Er hatte am Rande der Landstraße gehalten.
Mit einem Schwung stieg Silver von der Todesmaschine hinunter, nachdem ich ihn losgelassen hatte und hob mich auch hinunter. Meine Beine zitterten, meine Füße vibrierten, als ich auf dem harten Boden stand. Aufgeregt öffnete ich mein Visier und sah zu Silver, der auch sein Visier geöffnet hatte und mich mit strahlend blauen Augen ansah.
„Das war der Wahnsinn!", rief ich aus und nahm die Handschuhe ab, um meine Brille und den Helm auszuziehen. Die frische Luft umschmeichelte mein Gesicht und kühlte meine erhitze Haut. „Meine Beine zittern!" Ich lachte und sah begeistert zu Silver, der mich intensiv betrachtete. „Das müssen wir öfter machen! Das hat Spaß gemacht! Und als wir uns in die Kurven gelehnt haben - ich dachte ich würde gleich den Boden küssen-" Silver ließ mich nicht einmal aus den Augen, während er sich seinen eigenen Helm auszog und ich weiter schwärmte. „-aber du hattest dein Motorrad komplett unter Kontrolle! Und dann als du dein Vorderrad angehoben hast - ich kann es nicht-"
Weiter kam ich nicht, da hatte Silver mich an meinen Hüften gepackt, mich hochgehoben und auf sein Motorrad gesetzt. Sofort lagen seine Lippen auf meine und ich stöhnte überrascht auf, als ich das Verlangen in seinem Kuss spüren konnte.
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SILVER
Teen Fiction"it's hard to resist a bad boy who's a good man. Jeder in der Stadt wusste wer er war. Jeder fürchtete sich vor ihm. Wenn man seinen Namen hörte zuckte jeder zusammen, denn sie wussten wie er war. Sie kannten ihn. Silver King. Jedoch, kannten sie ih...
