„Alva, kommst du bitte kurz in mein Büro?", rief Mike von oben, kurz nachdem ich meine Arbeit beendet hatte. Endlich waren alle Kalender gebunden. Und das zum Glück rechtzeitig. In ungefähr einer halben Stunde würde der Kunde kommen, um sie abzuholen.
Vorsichtig lief ich die Treppe hinauf, extra langsam, damit ich meine Kniegelenke nicht zu sehr beanspruchte. Nach einer kurzen Zeit stand ich auch schon in Mikes Büro, in dem er auf mich wartete.
„Was gibts?", fragte ich ihn, hob interessiert meine Augenbrauen und wartete auf seine Antwort.
„Ich war vorhin am Briefkasten und komischer Weise lag ein Brief für dich darin." Mein Herz rutschte mir in die Hose.
Das konnte doch nicht sein.
Sofort brach Schweiß auf meiner Stirn aus, als ich auf Mikes Schreibtisch lief und den Brief entgegen nahm, den er mir hinhielt.
Augenblicklich erkannte ich meinen maschinell geschrieben Namen auf dem Kuvert, was die Panik in mir steigen ließ. Scheiße.
„Vielleicht ist es ja eine Liebespost von einem Kunden?", zog Mike mich auf und grinste mich an, was ich versuchte zu erwidern, nur war mir gerade überhaupt nicht nach Spaßen.
Die Person, die mir bereits vor Tagen gedroht hatte, wusste wo ich arbeitete und hatte ein Brief für mich hinterlassen.
Meine Atmung wurde flach und mein Blut gefror regelrecht in meinen Adern. So eine Scheiße.
„Danke, dass du mir Bescheid gegeben hast."
„Überhaupt kein Problem.", winkte er ab und lächelte leicht. „Wartest du noch auf den letzten Kunden, Alva? Ich müsste früher los. Mara möchte nochmal zur Floristin. Ihr gefallen die roten Rosen jetzt nicht mehr und möchte stattdessen weiße." Er stand auf, räumte seine Sachen zusammen und schulterte seine Tasche. „Diese Frau macht mich verrückt. Kurz vor der Hochzeit stellt sie alles auf den Kopf! Sie kann froh sein, dass ich sie liebe.", murmelte er vor sich hin, während er um seinen Schreibtisch herum lief und vor mir stehen blieb. „Ich schreibe dir heute Abend eine kurze Nachricht, ob ich es überhaupt schaffe den Laden zu öffnen. Es sind nur noch drei Tage bis zur Hochzeit und meine Liebste will alles noch verändern. Sie ist verrückt!"
„Alles gut, Mike.", lachte ich. „Natürlich warte ich auf den letzten Kunden. Ich schließe dann ab."
„Sehr gut. Die Rechnung und alles andere habe ich bereits vorbereitet, du musst sie nur noch zwei Mal ausdrucken für uns und den Kunden und dann-"
„-Im Ordner abheften. Ich weiß Mike, das habe ich schon des Öfteren gemacht. Mach dir keine Gedanken, du hast schon genug Stress."
„Da sagst du was, junge Dame.", seufzte er und fuhr sich kurz durch seine fast komplett grauen Haaren. Er lächelte mich an. „Ich danke dir, Alva."
„Nicht dafür.", winkte ich ab und erwiderte sein Lächeln, als er schlussendlich durch die Ladentür hinaustrat.
Nun war ich alleine. Ich konnte den Brief in meiner Hand förmlich schreien hören. Meine Hände zitterten, als ich den Brief betrachtete. Sollte ich ihn wirklich öffnen? Oder sollte ich es einfach ignorieren? Ich wusste es nicht. Meine Gedanken und Ängste überschlugen sich.
Wer wollte mir nur so etwas antun? Ich kannte keine einzige Person, die mir Leid zufügen oder mich terrorisieren wollte.
Ich hatte nicht genug soziale Kontakte, um irgendjemanden verärgert zu haben, also wieso traf es mich? Wieso versuchte eine Person mir solch eine Angst einzujagen und schaffte es dazu auch noch?
Ich setzte mich auf den Stuhl hinter dem Tresen, ließ den Brief zwischen meinen Fingern hin und her gleiten, während ich wartete.
Ich überreichte dem Herrn vor mir den Umschlag mit der Rechnung, nachdem er die Ware kontrolliert hatte, ob sie zufriedenstellend gemacht wurde. Er hatte nichts auszusetzen.
„Vielen Dank, dass es so schnell ging. Mr. Gilbert hat uns noch nie enttäuscht.", sprach der ältere Mann vor mir und lächelte mich leicht an. Wenn er lächelte, schien er nicht mehr so einschüchternd.
Als der Mann in den Laden getreten war, mit seinem grauen Anzug und dem Aktenkoffer, dachte ich für einen Moment er wäre ein Special-Agent. Seine grimmige Miene sowie seine komisch geformte Brille half auch nicht meine Nerven zu beruhigen.
„Das freut uns zu hören!", sprach ich im Namen des Copy-Shops. „Ich werden es Mr. Gilbert ausrichten, dass Sie zufrieden mit seiner Arbeit sind. Das wird ihn erfreuen."
„Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag, Ms. Coleman."
„Ihnen genauso, vielen Dank." Und damit verschwand der Herr aus dem Laden, während er die Sackkarre mit den Kalendern hinter sich her schob.
Während ich meine Tasche schulterte sah ich auf die Uhr, welche am Ende des Raumes hing. Genervt seufzte ich einmal, als ich nichts erkennen konnte.
Ich lief um den Tresen herum, direkt zur Wand, an der die Uhr hing.
Kurz vor 18 Uhr. Das passte.
Schnell schaltete ich alle Lichter aus, überprüfte die Drucker und die Computer und lief dann schon aus dem Laden, um die Tür abzusperren.
Ich stopfte gerade den Schlüssel wieder in meine Tasche, als ich den Brief erkannte. Tief atmete ich durch, als ich ihn herauszog und das Kuvert betrachtete. Sollte ich das wirklich tun?
Bevor ich weiter nachdenken konnte, öffnete ich das Kuvert vorsichtig und nahm das weiße Papier heraus. Ich brauchte eine Sekunde, um die Buchstaben lesen zu können, als mir mal wieder mein Herz in die Hose rutschte und die Panik meinen Körper übernahm.
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SILVER
Teen Fiction"it's hard to resist a bad boy who's a good man. Jeder in der Stadt wusste wer er war. Jeder fürchtete sich vor ihm. Wenn man seinen Namen hörte zuckte jeder zusammen, denn sie wussten wie er war. Sie kannten ihn. Silver King. Jedoch, kannten sie ih...
