„Wer?", fragte ich, hob meine Augenbrauen an, während ich Alva ansah, die mit ihren Augen rollte. Wer, zum Fick, war Kyle Jones? „Ich kenne keinen Kyle Jones."
„Natürlich kennst du ihn.", sprach sie gegen mich und stellte ihr Glas Wasser ins Spülbecken. Noch immer sah ich sie fragend an.
„Ich würde es dir sagen, wenn ich solch eine Person kenne, geschweige denn diesen Namen schon einmal gehört habe. Aber du weißt, ich bin kein wirklicher Menschenfreund, Alva."
„Kyle war auf unserer Schule. Ich war sozusagen mit ihm befreundet.", begann sie zu erzählen, aber dennoch hatte ich keine Ahnung, wen zum Teufel sie meinte. Es kotzte mich sowieso schon genug an, einen Männernamen aus ihrem Munde sagen zu hören, der nicht meiner war. „Vor ungefähr einem Jahr hat er die Schule gewechselt und keiner weiß wieso."
„Und du denkst, ich könnte es wissen? Alva, mich interessiert das Leben andere Menschen ziemlich wenig." Außer dein Leben. „Es könnte mir nicht weniger egal sein, ob dieser Kyle weggezogen, die Schule gewechselt, oder verdammt nochmal verreckt ist." Alva zuckte wegen meiner Wortwahl zusammen. Sie hatte sich anscheinend noch immer nicht daran gewöhnt, wie ich meine Worte wählte.
„Ich hatte gehofft, du wüsstest den Grund für sein Schulwechsel. Schließlich warst du im Grunde die letzte Person, die ihn gesehen hat." Was? „Kyle hat die Schule gewechselt, nach dem du ihn ins Krankenhaus befördert hast."
„Wegen mir landen viele Menschen im Krankenhaus, Mauerblümchen. Du musst schon etwas konkreter werden.", sagte ich und stellte meine Limonade auf der Küchenzeile ab, wartend, dass Alva weitersprechen würde.
Ich hatte aufgehört mit zu zählen, wie viele Menschen bereits wegen mir das Krankenhaus besuchen durften.
„Er war in meinem Alter, hatte helle rote Haare und braune Augen. Er war nur ein kleines Stück größer als ich.", fing sie an, diesen Kyle zu beschreiben aber ich konnte mich noch immer nicht erinnern. Als sie das merkte seufzte sie wieder und überlegte einen kleinen Moment. „Er war des Öfteren mal beim Nachsitzen." Und da kam es mir.
Oh, sie meinte diesen Kyle Jones. Der kleine Bastard, der ganz andere Sachen in seiner Freizeit tat, die man mit Sicherheit nicht machen sollte.
Ich grinste sie an, weswegen sie mich nun fragend ansah. „Oh, ich kann mich erinnern.", sprach ich. „Das war der Typ, dem ich die Zähne ausgeschlagen habe. Das ist amüsant gewesen."
Ihre Augen waren vor Schock weit aufgerissen, als ich meinen Satz beendet hatte. Ich zuckte nur mit meinen Schultern, als ich ihre Reaktion erkannte. Es war wirklich amüsant gewesen. Kyle war einer dieser Leute, die meinte, andere mit sich in den Abgrund zu schicken und das war etwas was ich gar nicht leiden konnte.
Ich wusste, Alva, sowie die ganze Schule hatte keine Ahnung, was genau passiert war und ich hatte nie daran gedacht, auch nur eine Sekunde die Geschichte zu erzählen. Es hatte die Menschen nicht zu interessieren. Es reichte, dass Kyle und ich wussten, dass ich ihn aufsuchen würde, würde er die gleiche Scheiße wie vor einem Jahr abziehen.
„Wieso hast du das getan, Silver?"
„Wieso denn nicht?"
„Er war ein netter Junge aus der Schule, der nie jemanden ein Leid angetan hat! Und du greifst ihn ohne Grund einfach an und schlägst ihn ins Krankenhaus?", rief sie aus und warf ihre Arme in die Luft, um ihre Empörung deutlich zu machen. Ich spürte die Wut in mir hochkochen, als ich ihre Worte realisierte. Stellte sie mich gerade da, als wäre ich ein Monster? Als würden meine Taten ohne jeglichen Grund sein? Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Ich bin kein kleines Kind, Alva, das einfach aus Spaß um sich herumschlägt.", zischte ich. Meine Wut übernahm die Überhand, als ich mit meiner Faust auf die Küchenleiste schlug. Das Glas mit meinem Getränk fing das Wanken an und knallte daraufhin mit einem klirrenden Geräusch auf den Boden.
„Die Menschen erzählen sich etwas anderes." Sie ließ sich nicht von meiner Wut einschüchtern. Und das mochte ich so unglaublich sehr an ihr, aber gerade in diesem Moment wünschte ich mir, sie würde Angst haben. Ich merkte nämlich ganz genau, dass die Wut mich gleich Rotsehen lassen würde und das sollte Alva nicht sehen.
„Und du glaubst die Geschichten von Menschen, die mich nicht einmal kennen?", knurrte ich, meine Fingernägel bohrten sich in meine Handinnenflächen, als ich Alva verständnislos ansah. Ich hatte niemals damit gerechnet, dass sie einfachen Gerüchten ihr Glauben schenken würde. „Keinem aus dieser Stadt kannst du vertrauen, Alva. Du trittst aus Versehen auf einen Käfer und die Leute hier erzählen herum, dass du einen Mord begangen hast. Ich würde deren Glaubhaftigkeit kein Vertrauen schenken.", sprach ich, versuchte meine Stimme etwas zu senken. „Aber es erfreut mich zu hören, dass du die Geschichten glaubst, die man sich über mich erzählt."
Ich ging einen Schritt von ihr weg.
„Also was machst du hier? Wieso bist du im Haus eines Typen, der ohne jeglichen Grund Menschen verletzt? Wieso hast du mich dann geküsst, wenn du dir ja anscheinend gar nicht sicher sein kannst, dass ich dich nicht von einem Moment auf den anderen verletze."
„Silver, so meinte ich das nicht.", versuchte sie die Wogen zu glätten aber ich winkte nur ab. Das erste Mal in meinem Leben wusste ich, wie sich Enttäuschung anfühlte. Es nahm meinen ganzen Körper ein, verdrängte die Wut, die ich gerade noch empfunden hatte.
„Es ist in Ordnung, Alva.", sprach ich und lächelte leicht, wissend, dass es meine Augen nicht erreichte. „Ich bin es gewohnt, dass man mich voreilig verurteilt. Nur hätte ich es nicht von dir erwartet."
„Silver, geh nicht weg.", sprach sie bittend, als ich mich von ihr abwandte und über meine Schulter zu ihr sah.
„Der Grund, weswegen ich Kyle verprügelt habe, war, weil er gerne kleinen Kindern außerhalb der Schule Drogen verkaufen wollte. Ich hatte es zufällig gesehen und habe es auf meine Art und Weise unterbunden.", erzählte ich und zuckte wieder mit meinen Schultern. „Aber was tut es schon zur Sache? Ich bin ein Monster, egal welche Gründe ich haben mag."
„Das wusste ich nicht.", murmelte Alva und senkte beschämt ihren Blick.
„Ich weiß." Ich hielt an der Küchentür inne, um mich nochmals zu ihr zu wenden. „In fünf Minuten fahr ich dich nach Hause."
Alva und ich hatte kein Wort mehr miteinander ausgetauscht, als ich sie abgesetzt hatte. Ich wollte ihr sagen, dass ich sie auch nach Hause hätte fahren können, aber ich wusste, dass sie immer an dieser einen Straße, in der Nähe des Parks, abgesetzt werden wollte.
Ich fragte nicht nach, wieso. Sie würde schon ihre Gründe haben. Solange sie sicher zuhause ankommen würde, dachte ich nicht weiter darüber nach.
Eigentlich hätte ich sie gerne weiterhin bei mir gehabt, aber ich brauchte meine Zeit alleine. Ich hätte niemals gedacht, dass es mich so interessieren könnte, was eine Person über mich dachte. Jede andere Meinung war mir egal, aber nicht Alvas. Ich wollte nicht, dass sie schlecht von mir dachte, aber was sollte ich schon machen, wenn sie lieber anderen Menschen glaubte? Sie kannte mich besser als jeder andere, dennoch kannte sie mich nicht komplett. Das durfte sie auch niemals.
Sie durfte nicht wissen, welche Geheimnisse ich hatte. Es würde uns zerstören und ich mochte es, wie es zwischen uns lief. Ich fühlte mich normal, wenn sie bei mir war und nicht wie der Außenseiter der ganzen Stadt - auch wenn ich es so mochte. Ich wollte alleingelassen werden und das taten die Menschen dieser Stadt.
Ich gab mehr Gas, als ich die einsame Straße entlangfuhr, während die Sonne im Horizont hinunter ging. Mein Helm schützte mein Gesicht vor dem Wind, doch die Kälte fand dennoch einen Weg unter meine Kleidung aber es machte mir nichts aus. Die Kälte war angenehmer als Hitze.
Außer wenn Alva bei mir war.
Es war eine andere Hitze, die sie ausstrahlte. Sie war angenehm, umhüllte mich und ließ mich jeden Gedanken vergessen, der mich immer wieder in den Abgrund schickte. Es gab keine Wut - es gab nur sie.
Ich wusste nicht, wie lange ich schon auf meinem Motorrad saß und durch die Landstrassen fuhr. Ich wusste nur, dass es genau das war, was ich gebraucht hatte. Einen Moment nur für mich.
Ein Seufzen entfuhr mir, als ich kehrt machte und zurück in Richtung Stadt fuhr. Bevor ich es überhaupt gemerkt hatte, parkte ich direkt von der großen Wand, die Alva so sehr liebte.
Ich hatte mein Zeug nicht dabei, denn ich hatte nicht geplant, hierher zu kommen, aber dennoch stieg ich von meinem Motorrad ab, hing meinen Helm an den Lenker und trat an die Wand heran.
Mein Büchlein in meiner Bauchtasche wurde plötzlich komplett schwer. Ich hatte es immer bei mir. Es war wie eine Truhe meiner dunkelsten Geheimnisse und Gedanken. Keinen Moment wollte ich es aus meinen Augen verlieren. Nicht wieder.
Ich bewunderte die Art von Alva, die Privatsphäre anderer zu respektieren. Jeder andere hätte sofort mit Vergnügen mein Buch aufgeschlagen und darin gelesen, wenn sie es gefunden hätten. Wäre es zu dieser Situation gekommen, wäre das Krankenhaus nur da gewesen, um den Tod der Person festzustellen, die es gewagt hätte, in meinem Buch zu lesen.
Man würde sowieso niemals verstehen, was darin stand. Es war zu durcheinander. Gedanken vermischten sich mit anderen. Nur ich konnte es lesen.
Ich nahm mein Buch aus meiner Bauchtasche, schlug eine freie Seite auf, während ich meinen Stift in die Hand nahm. Ich hatte so viele Sachen in meinem Kopf, aber fuck, nicht eines davon konnte ich auf das Blatt verewigen. Das war noch nie so gewesen.
Ich schlug mein Buch wieder zu, hielt es weiterhin in meiner Hand, als ich wieder auf die Wand sah.
Und dann erkannte ich es.
Alvas Antwort.
„Falling doesn't feel so bad when I know you've fallen this way too."
Wann war sie hier gewesen?
Mit meiner freien Hand nahm ich mein Smartphone aus meiner Hosentasche und blickte auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht. Sie hatte genug Zeit, um hierher zu kommen, um eine Antwort zu schreiben. Ich hatte wirklich nicht gemerkt, dass ich bereits so lange umher gefahren war.
Ich zog wieder die Kappe von meinem Stift. Eigentlich schrieb ich nie mit einem Stift auf diese Wand, aber ich hatte gerade keine andere Möglichkeit und ich wollte ihr antworten.
Ich setzte den Stift an und schrieb das erste, was mir in den Kopf kam, als ich an Alva dachte. An ihre glatten braunen Haaren, ihre schönen braunen Augen, die sie hinter ihrer Brille versteckte und ihrem umso schöneren Charakter. Und ab dem Moment wusste ich, dass ich nicht länger sauer auf sie war. Sie war doch nur ein unschuldiges Mädchen, welches sich Sorgen um einen alten Bekannten gemacht hatte. Sie wollte mich nicht als Monster darstellen.
„We met for a reason, either you're a blessing or a lesson."
DU LIEST GERADE
SILVER
Fiksi Remaja"it's hard to resist a bad boy who's a good man. Jeder in der Stadt wusste wer er war. Jeder fürchtete sich vor ihm. Wenn man seinen Namen hörte zuckte jeder zusammen, denn sie wussten wie er war. Sie kannten ihn. Silver King. Jedoch, kannten sie ih...
