Women

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Kämpfend laufe ich durch die Masse an Menschen und gelange endlich an die Bar. Laut dröhnt der Bass der Musik in meinen Ohren, Menschen schieben sich an mir vorbei und rempeln mich an. Doch all das blende ich aus und versuche, meinen Drink zu bestellen. Der Abend war bis jetzt nicht vielversprechend, die Männer, die mich angesprochen haben, taten dies mit lahmen Witzen und auch die Musik ist nicht nach meinem Geschmack. Ich habe noch niemand interessantes gefunden, aber meine Freunde amüsieren sich köstlich. Das nächste Mal bleibe ich lieber wieder zuhause und mache es mir auf meiner Couch gemütlich. Nach ein paar Minuten bin ich endlich an der Reihe und die Barkeeperin kommt auf mich zu. Ihre langen, dunklen Haare stecken in einem hohen Zopf und sie trägt ein enges, dunkelbraunes Oberteil, an welchem ich den Ansatz ihrer vollen Brüste erkennen kann. Verschiedene Piercings an ihren Ohren und ihren Lippen leuchten auf, als sie sich mir zuwendet. Auch wenn sie von Weitem sehr feminin wirkt, kann ich aus dieser Nähe ihre dominante, fast schon maskuline Seite erkennen. Sie schenkt mir ein freundliches Lächeln und fast höre ich ihre Stimme nicht. Ihre Stimme klingt etwas rauchig und ein angenehmer Schauer fährt mir den Rücken hinunter.

«Was möchtest du gerne?»

Kurz schaue ich sie perplex an und muss mich zusammenreissen, nicht zu stottern. Ihr Auftreten hat mich komplett überrumpelt. Und natürlich vergesse ich auch, was ich eigentlich bestellen wollte.

«Gerne etwas, das süss ist, aber mit viel Alkohol. Überrasch mich.»

Ich probiere, ihren Blickkontakt zu erwidern und sehe, wie sie schmunzelt.

«Okay, wie du willst. Dann mache ich dir das.»

Ich schaue zu, wie ihre feinen Hände sich routiniert an die Arbeit machen, eine Flasche nach der anderen öffnen und dann verschiedene Flüssigkeiten in ein Glas geben. Der Drink wird rosa und dann immer mehr pink. Schlussendlich gibt sie noch ein Minze Blatt hinzu und reicht mir dann das Glas. Der Drink riecht himmlisch und ich kann es kaum erwarten, meine Lippen ans Glas zu heben. Davor schaue ich die Barkeeperin aber noch fragend an.

«Wie heisst der Drink, den du mir gemacht hast?»

Sie kommt ein bisschen näher an die Bar, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen uns sind. Ich rieche ihr gutes Parfüm und sie schaut mich intensiv an. Die Spannung wächst und fast vergesse ich zu atmen.

«Das ist ein Lesbian Love Potion Cocktail. Süss, wie du es wolltest mit Cranberry Saft und mit viel Vodka für den Alkohol.»

Ein nervöses Lachen entgleitet meinen Lippen.

«Oh, ich bin aber nicht...»

«Was du bist oder nicht bist, weiss ich nicht. Aber dein Blick und wie du mich beobachtet hast, sagt mir schon etwas. Und heute Abend läuft es nicht so mit den Männern, oder?»

Fragend schaut sie mich an und ich bin immer mehr erstaunt von dieser Frau.

«Warte mal, hast du mich etwa beobachtet?»

Aufregung flutet meinen Körper in Gedanken daran, dass ich ihr aufgefallen bin.

«Du bist nicht die Einzige, die den Blick nicht von jemanden abwenden kann.»

Mit diesen Worten zwinkert sie mir kurz zu und dreht sich dann langsam von mir weg. Sie ist immer noch am Arbeiten und es warten noch andere Kunden auf sie.

Doch bevor sie sich endgültig jemand anderem zuwendet, schaut sie mich nochmals an und ruft mir etwas zu.

«Ich habe in einer Stunde Feierabend. Wenn du dann draussen rechts vor dem Eingang bei den Blumentöpfen wartest, werde ich auf dich zukommen.»

Mit diesen letzten Worten wendet sie sich ab und verschwindet auf die andere Seite der Bar. Und lässt mich sprach- und orientierungslos zurück. Was soll ich jetzt bloss machen? Ich habe noch nie in Erwägung gezogen, etwas mit einer Frau anzufangen, doch bei ihr fühlt es sich anders an. Oder fühle ich nur so, weil ich von den Männern enttäuscht bin?

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