In einer Ecke hörte Jane ein leises Rascheln. Sie drehte sich um. Sie lag auf dem Stein. Nun konnte sie einen winzigen Busch im Licht des Vollmonds ausmachen. Es raschelte noch einmal und etwas bewegte sich in dem Busch. Jane erkannte hellblonde Haare. Langsam stand sie auf und schlich auf den Busch zu.
Unter den Blättern duckte sich Neele mit tränenüberströmtem Gesicht hervor. Jane kniete sich neben sie und nahm sie in den Arm.
Neele erzählte ihr von den Werwölfen. Sie erzählte ihr alles. Sie erzählte, wo sie sich die gesamte letzte Woche herumgetrieben hatte. Wie sie schwerverletzt von Swen, ihrem Lehrer aufgenommen wurde, allerdings nur kurz, und wie sie ihn diese Nacht auf den Dächern der Stadt wiedergetroffen hatte, sich aber nicht getraut hatte, ihn anzusprechen. Wie sie auch Vitus all das erzählt hatte und wie er das Wissen ausnutzte und sie verraten hatte. Und wie er Lukas umgebracht hatte.
„Hilfst du mir?", fragte sie am Schluss und blickte hilfesuchend an Jane hinauf.
„Auf jeden Fall.", antwortete sie und lachte leise und sorglos, um sie aufzumuntern.
Neele konnte auch endlich lachen. Das erste Mal seit einer Woche.
Dann half Jane ihr auf und führte sie in ihr Haus. Sie hatte keine Angst vor den Werwölfen. Die durften ruhig kommen!
Janes Vater, der Metzger, war nicht daheim. Er war zu einer Farm gereist, südlich des Dorfes. Kein weiter Weg, morgen würde er wieder da sein. Jane platzierte Neele auf einem Stuhl und kochte Tee.
Vitus streifte noch alleine im Wald herum. Er musste sie finden, bevor die Sonne aufging. Das war ihm wichtig. Mit einem Stock stocherte er in einem engen Loch herum... Nein, hier war sie auch nicht. Enttäuscht suchte er weiter. Er musste sich beeilen, in etwa zwei Stunden würde die Sonne aufgehen und er musste auf dem Marktplatz erscheinen.
Vitus holte tief Luft und tauchte seinen Kopf unter Wasser. Hier auch nicht... Vitus tauchte wieder auf. Irgendwo hier waren sie doch... Er guckte sich um... Nichts. Wieso fand er sie nicht?
Wenn er erst einmal den umgeknickten Baum sehen würde... Oder den Stein, der wie ein Kopf aussah, dann wüsste er, wo sie waren. Er guckte sich um; Hochgewachsene Bäume, kleinere Steine, Gras, Farn, Blumen...
Er duckte sich unter einem tiefhängenden Ast hinweg und folgte einem leicht zu übersehenden Trampelpfad. Er musste sich anstrengen, um nicht von ihm abzuweichen und hätte sie fast verpasst.
Überglücklich sprang er durch das hohe Gras auf sie zu. Da war der Baum! Und der Stein!
Einmal stolperte er und wäre fast hingefallen, aber das konnte ihn nicht aufhalten. Nein, nichts würde ihn jetzt aufhalten! Zu seinen Füßen wuchsen die kleinen blauen Blumen. Ein, zwei pflückte er und wanderte weiter, bis er endlich ankam.
Dem schlafenden Lukas hielt er einige Blüten unter die Nase und er öffnete langsam die Augen. Vitus war überglücklich und umarmte seinen Freund.
Schon bald kam der nächste Morgen und mit ihm drei neue Verurteilte. Alle Einwohner des Dorfes fanden sich auf dem Marktplatz ein, um der Hinrichtung zuzuschauen. Alle hatten ihre Stimmen abgegeben. Arduin hielt es nicht aus.
Dieses Mal wusste auch er, wer verurteilt worden war, und er war diesmal nicht glücklich über die Wahl. Er dachte darüber nach, wie er sie retten konnte.
Wieder musste er neben dem Richter und dem Henker auf dem Podium stehen. Vielleicht musste er heute sterben, aber er dachte trotzdem noch über seine Zukunft nach.
Über sich und Jane...
Wie ironisch!
Sie trug ein wunderschönes weißes Kleid. Sie hatte geweint. Wie die meisten Einwohner des Dorfes, als sie sie sahen. All diese Menschen mochten sie. Wieso gerade sie? Wer hatte sie gewählt? Wer war so herzlos?
Es war riskant... Sie musste in den Wald flüchten, dann könnte sie überleben.
Als Jane bei der kleinen Gruppe angekommen war, weinten bereits fast alle Bürger. Und auch sie. Und Arduin. Aber Arduin betrauerte sich selbst.
Er umarmte sie und drückte ihr dabei unauffällig das Amulett in die Hand, das, das die neuen Bürgermeister bekamen. Nun war sie einer. Die Angeklagte war die Bürgermeisterin des Dorfes. Jane blickte ihn fragend an. Arduin zögerte und antwortete schließlich, indem er sie von der Bühne drückte. Jane landete geschickt. Jason nahm sie an die Hand und floh mit ihr durch die Menschen. Niemand hielt sie auf. Sie flohen n den Wald.
Arduin blickte ihnen noch einen Moment nach, dann drehte er sich um und blickte trotzig in die hasserfüllten Augen des Richters.
„Sie ist eure Bürgermeisterin!", schrie er in die Menge und sie applaudierte. Er grinste gelassen.
Und doch waren dies seine letzten Worte.
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Die Werwölfe von Düsterwald
FanfictionEine Geschichte zu dem Spiel "Die Werwölfe von Düsterwald". Ratet mit, wer von den scheinbar unschuldigen Bürgern Nachts das Dorf überfällt. Wer wird ihr nächstes Opfer? Wer überlebt?
