Der Abend brach an. Und auch diese Nacht forderte ihren Tribut. Eine schwarze Gestalt drückte sich an die Mauer. Eine provisorische Mauer, um die Bürger am Rausgehen zu hindern. An den Lücken standen Wachen. Kein Rauskommen. Kein Reinkommen. Der Büttel hatte gedacht, er würde einen Werwolf damit aufhalten. Mit Stacheldraht. Der Büttel unterschätzte sie.
Sie waren zu zweit. Zwei dunkle Wölfinnen. Diese Nacht waren es nur sie. Zwei schlanke und schnelle Werwölfe, die sich gegenseitig in nichts nachstanden.
Und sie kannten bereits ihr nächstes Opfer. Das hatten sie sich diese Nacht selber ausgesucht. Entschlossen, nicht schon wieder ein Opfer entkommen zu lassen, wie letzte Nacht erst, schlichen sie die breite Straße der Reichen entlang, bis sie vor seiner Tür standen. Diese Nacht musste einer sterben, das war das einzige, woran die beiden Wölfinnen wagten zu denken.
Und zwar der, der das lästige Gesetz verfasst hatte, dieses sinnloseste aller Gesetze, selbst denen von ihm.
Der, der alleine am Ende der Straße in einem großen Haus wohnte.
Der, dessen Tür die Werwölfe nun aufbrachen.
Der, der im zweiten Stock noch immer ruhig schlief. Nichtsahnend, dass die Wölfe ihn als ihr nächstes Opfer auserkoren hatten.
Der, dessen Treppe nun leise knarzend von wilden Tieren bestiegen wurde.
Der, dessen Blut nun seine blütenweiße Bettdecke benetzte.
Der Dieb kam immer nach den Werwölfen an. Über die Dächer flog er mit wehendem Umhang, die Werwölfe hatten ihn schon lange bemerkt, doch sie duldeten ihn. Er beutete die toten Opfer ihrer Wut aus. Ganz besonders die reichen. Dieses Mal kam er durch das geöffnete Fenster ins Haus. Der wehende Umhang umspielte seine dunkle Gestalt. Es war dramatisch, wie er von der Fensterbank über einen Stuhl ans Bett des Toten herantrat. Auf einmal tat es ihm beinahe leid, dass niemand im Haus war, außer ihm, der seinen dramatischen Auftritt miterlebt hatte. Das Auftreten war alles.
Er sah den Toten: Mit schreckgeweiteten Augen, sein Mund zum Schreien geöffnet lag der Büttel neben seinem Bett. Die Bettdecke, die wohl einmal weiß gewesen sein musste, nun aber von roten Sprenkeln übersät war, war wohl von seinem vom Bett rutschenden Körper mitgerissen worden und lag nun halb über, halb unter ihm.
Doch der Dieb hatte es nicht nötig, die Leiche des alten Mannes zu durchsuchen und sich so mit seinem Blut an den Händen verdächtig zu machen. Elegant schritt er zu der niedrigen Kommode mit teurem Schmuck. Nach dem Tafelsilber kamen noch etliche Steuereinnahmen dazu, bevor der Dieb wieder zum Fenster das Haus verließ und die Leiche in ihrem Blut zurückließ.
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Die Werwölfe von Düsterwald
FanfictionEine Geschichte zu dem Spiel "Die Werwölfe von Düsterwald". Ratet mit, wer von den scheinbar unschuldigen Bürgern Nachts das Dorf überfällt. Wer wird ihr nächstes Opfer? Wer überlebt?
