Silvester Teil 2

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Als alle endlich fertig waren, war es fast schon Mitternacht. Das neue Jahr stand kurz bevor, und die ganze Familie hatte sich für den großen Moment bereit gemacht. David stand im Wohnzimmer und wartete darauf, dass alle anderen sich endlich anzogen. Seine Mutter, Lisa, war bereits in ihre Regenjacke gehüllt, und Sandra sowie ihr Mann hatten sich auch schon umgezogen. Nur die Tochter von Sandra und David waren noch nicht fertig.

„Na, was ist los, David? Wir wollen doch gleich raus", rief seine Mutter von der Tür.

David stand dort und zögerte. Er wollte wirklich nicht nach draußen, vor allem nicht mit all diesen Klamotten, die seine Mutter ihm angelegt hatte. Doch als Sandra ihre Tochter rief, die gerade die Treppe hinunterkam, wusste er, dass es keine Ausrede mehr gab.

„Komm, David, zieh dich schnell an. Ich habe auch meine Regenjacke an, die ist nicht so cool wie deine, aber sie passt mir nicht mehr, und das ist das gleiche!", sagte Sandra mit einem Lächeln.

David blickte sie überrascht an. Es war fast wie ein Versuch, ihn zu beruhigen. Doch was konnte er schon tun? In dem Moment wusste er, dass er keine Wahl hatte. Die Mutter hatte alles vorbereitet – die Matschhose, die Gummistiefel, sogar die Warnweste, die er so peinlich fand, waren schon bereit. Seine Mutter hatte ihre Hände schon an der Matschhose, und es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis er wieder in seine vollständige „Matschbekleidung" gehüllt werden würde.

„Du hast recht. Nichts zu machen", dachte David resigniert. Auch wenn er innerlich alles andere als begeistert war, wusste er, dass es jetzt kein Zurück mehr gab.

„Na komm schon, David, das wird schnell gehen", sagte seine Mutter, die ihm die Gummistiefel anzog. „Und die Weste – die darf natürlich nicht fehlen!", fügte sie mit einem schelmischen Lächeln hinzu, als sie ihm auch noch die leuchtend reflektierende Warnweste überzog.

David fühlte sich klein und hilflos. Die Weste fühlte sich an wie ein weiterer unsichtbarer Hinweis darauf, dass er hier einfach nicht ausbrechen konnte – nicht einmal an Silvester. Er wollte einfach nur nicht auffallen, wollte nicht, dass alle ihn so sahen.

Doch als er einen Blick in den Spiegel warf, sah er sich da in seiner kompletten, kindischen Matschausstattung stehen. Die Bommelmütze, das Halstuch mit den Flammen, und die Hose, die ihm eigentlich zu groß war, wirkten nur noch schlimmer in Verbindung mit den Gummistiefeln. Er war 17 – und doch fühlte er sich wie ein kleines Kind, das keine Kontrolle über die eigene Garderobe hatte.

„Komm, wir gehen jetzt", sagte seine Mutter und griff nach seiner Hand. Sie zog ihn mit sich zum Flur, wo Sandra und ihr Mann bereits warteten.

„Na, da ist ja der David! Sieht ja wirklich schick aus, mit all den Reflektoren!", rief Sandra und lachte leicht. Sie schien es kaum zu bemerken, dass David sich so unangenehm fühlte.

David murmelte nur etwas Unverständliches und versteckte sich ein wenig hinter seiner Mutter. „Klar", dachte er, „jetzt geht's raus. Und gleich ist es Mitternacht. Vielleicht werde ich es einfach überstehen und morgen ist alles wieder normal."

„Das ist das neue Jahr!", sagte Lisa und strich ihm über den Rücken. „2025 kann kommen!"

David nickte nur, doch in seinem Inneren war er sich nicht sicher, ob er sich wirklich auf das neue Jahr freuen konnte. Für ihn war das hier alles andere als normal. Aber er hatte keine Wahl.

Mit den letzten 20 Minuten des Jahres vor ihnen, ging es nach draußen, in die kalte Nachtluft, die den Blick auf die Sterne und die erwachende Stadt freigab. Während die anderen in ihre Gespräche vertieft waren, versuchte David, die peinliche Situation so gut wie möglich zu ignorieren. Vielleicht, so dachte er, würde es einfach irgendwann aufhören, sich so schrecklich anzufühlen.

Aber eines war klar: Die Unbequemlichkeit, die er gerade fühlte, war nicht nur körperlich. Es war das Gefühl, immer noch in einer Welt zu sein, die ihm die Freiheit nahm, sich so zu zeigen, wie er wirklich war.


Die letzten Sekunden des alten Jahres vergingen, während David draußen mit seiner Mutter, Sandra und deren Familie stand. Der kalte Winterwind wehte ihm ins Gesicht, aber es war etwas Magisches in der Luft. Überall in der Nachbarschaft knallten schon die ersten Raketen, und der Himmel erstrahlte in bunten Farben. In der Ferne hörte er das Lachen und die Stimmen von Menschen, die das neue Jahr feierten.

„David, was ist los?", fragte seine Mutter, die neben ihm stand und ihn beobachtete. „Du siehst aus, als ob du noch irgendwo hin willst."

David war sich nicht sicher, was er antworten sollte. Der Gedanke, mit seinen Matschklamotten und der Warnweste draußen vor anderen zu stehen, machte ihn immer noch ein bisschen nervös. Doch heute, an diesem Abend, war es irgendwie anders. Vielleicht lag es daran, dass er gemerkt hatte, dass er sich nicht für alles schämen musste.

„Ich... ich bin okay, Mama", sagte er schließlich. „Es ist nicht so schlimm."

Sie lächelte ihn an, bevor sie den Blick wieder auf das Feuerwerk richtete. „Weißt du, David, du wirst noch groß. Und eines Tages wirst du stolz darauf sein, dass du dich immer auf das konzentriert hast, was wirklich wichtig war – egal, was andere denken."

David nickte und blickte ebenfalls in den Himmel. Die Raketen explodierten in bunten Farben, die im nächtlichen Himmel tanzten. Für einen Moment fühlte sich alles weniger schwer an. Es war ein neuer Anfang, ein neues Jahr, und vielleicht würde er in diesem Jahr noch mehr lernen, sich selbst zu akzeptieren – mit all den Dingen, die seine Mutter für ihn besorgte, und all den kleinen Momenten, die ihn daran erinnerten, dass es okay war, manchmal noch ein bisschen Kind zu sein.

„Frohes neues Jahr, David", sagte seine Mutter, die neben ihm stand, und legte eine Hand auf seine Schulter. „Schön, dass du hier bist."

„Frohes neues Jahr, Mama", antwortete David, ein echtes Lächeln auf den Lippen.

Und während sie zusammen das Feuerwerk beobachteten, wusste David, dass er in diesem Moment mehr akzeptierte, was er hatte und wer er war – mit all den Matschklamotten und der bunten Warnweste. Es war nicht so schlimm, ein bisschen Kind zu sein. Und das Jahr 2025 konnte kommen.



Frohes neues Jahr :) 2025




Würde mich freuen, wenn jemand mir sagt, ob sich etwas gewünscht wird.

Danke!

Davids AbenteuerreiseWo Geschichten leben. Entdecke jetzt