Ein neues Kapitel für David

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Endlich Wochenende. Endlich keine Kita mehr. Endlich einfach nur zocken.

David saß in seinem Zimmer, den Controller fest in der Hand, während er sich durch die Level kämpfte. Er hatte die ganze Woche über anstrengend gearbeitet, sich mit Kindern beschäftigt, Bastelprojekte betreut und sich dabei manchmal gefühlt, als wäre er selbst einer von ihnen. Jetzt wollte er nur abschalten. Keine Verantwortung, keine Verpflichtungen. Nur er und sein Spiel.

Von unten hörte er die Stimme seiner Mutter:
„David, ich fahre noch mal kurz zur Arbeit! Wir haben am Freitag ganz vergessen, deine Sachen aus der Kita mitzunehmen."

David reagierte kaum. „Okay." Es war ihm egal. Die Woche war vorbei, und er wollte nicht mehr daran denken.

Nach ein paar weiteren Runden in seinem Spiel hörte er schließlich, wie die Haustür wieder aufging. Lisa war zurück. Doch statt direkt ins Wohnzimmer zu gehen, hörte er sie im Flur hantieren. Sie war dabei, seine Sachen wieder an seine Garderobe zu hängen.

Erst beim Abendessen wurde ihm richtig bewusst, was das bedeutete.

Als er die Treppe hinunterging, fiel sein Blick automatisch auf den Garderobenbereich. Und da hingen sie wieder: Seine blaue Matschhose, die passende Matschjacke, seine Gummistiefel, die Regenbundhose, das reflektierende Halstuch – alles hing ordentlich an seinem Platz. Lisa hatte sich offensichtlich Mühe gegeben, alles genau so aufzuhängen, wie es vorher war.

David blieb einen Moment auf der Treppe stehen. Er wusste nicht, warum, aber der Anblick löste etwas in ihm aus. Einerseits war es ihm unangenehm, dass seine Mutter seine Sachen so sorgsam aufgehängt hatte – es wirkte, als wäre er ein kleines Kind, das immer noch Matschklamotten für den Kindergarten brauchte. Doch gleichzeitig war da auch dieses seltsame Gefühl von Geborgenheit. Diese Sachen bedeuteten Sicherheit. Sie bedeuteten Ordnung. Und sie bedeuteten, dass seine Mutter sich um ihn kümmerte.

Mit einem tiefen Atemzug schüttelte er den Gedanken ab und setzte sich an den Tisch.

Lisa sah ihn einen Moment lang an, dann legte sie ihr Besteck zur Seite. „David, ich muss mit dir über etwas Wichtiges sprechen."

Er seufzte innerlich. Konnte er nicht einfach mal einen Abend ohne große Gespräche haben? „Was denn?"

„Jetzt beginnt deine Abschlussprüfungsphase. Das wird eine stressige Zeit für dich, und ich will, dass du dich voll und ganz darauf konzentrierst. Deshalb habe ich beschlossen, deine Matschklamotten aus dem Flur zu räumen."

David blinzelte überrascht. „Echt?"

„Ja." Lisa nickte. „Es wird ja auch langsam wärmer, auch wenn es noch eine Weile dauert. Aber du hast ja deine Softshells, die sind praktischer für den Übergang."

David konnte nicht anders, als ein kleines Lächeln zu zeigen. „Endlich."

Doch seine Mutter hatte noch nicht aufgehört zu reden. „Aber..."

David spürte, wie sich sein Magen leicht zusammenzog. Immer dieses „Aber".

„Du erinnerst dich an das, was du mir damals gesagt hast?" Sie sah ihn ruhig an. „Als ich deine alten Matschklamotten in deinem Zimmer gefunden habe?"

David wusste genau, worauf sie hinauswollte. Seine eigenen Worte kamen ihm wieder in den Kopf:

"Die Wahrheit ist, dass ich diese Klamotten aufbewahrt habe, weil ich manchmal in die Zeit zurückkehren wollte, als alles einfacher war. Ich habe sie versteckt, weil ich mich geschämt habe."

Lisa nickte leicht, als sie sah, dass er sich erinnerte. „Genau deshalb möchte ich sehen, wie du dich in den nächsten Monaten entwickelst. Und dann werde ich entscheiden, wie es mit den Klamotten weitergeht."

David runzelte die Stirn. „Was soll das heißen?"

Lisa zuckte mit den Schultern. „Nun ja, entweder du bekommst eine Überraschung – oder du musst sie weiterhin tragen."

David starrte sie ungläubig an. „Was?!"

Seine Mutter lächelte nur. „Es liegt an dir."

Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Die Klamotten einfach verschwinden zu lassen und sie vielleicht nie wieder zu sehen – oder sie die ganze Zeit tragen zu müssen? Beides klang nicht gerade ideal. Nach kurzem Überlegen entschied er sich für den vermeintlich besseren Weg:

„Dann pack sie in den Keller."

Lisa nickte zufrieden. „In Ordnung. Aber denk daran: Im September schauen wir weiter."

Nach dem Essen half David widerwillig dabei, seine Matschklamotten in eine große Kiste zu packen. Stück für Stück landeten sie darin – die Matschhose, die Jacke, die Stiefel. Und mit jedem Teil, das verschwand, fühlte er sich ein wenig leichter.

Als er später wieder in sein Zimmer ging, fiel ihm auf, dass die Garderobe im Flur nun ganz anders aussah. Kein leuchtendes Blau mehr, keine großen Reflektoren. Nur noch seine Regenhose, die Regenjacke, seine Mütze, Halstücher, Geox-Schuhe und seine Softshell-Sachen hingen dort.

Ein Teil von ihm war erleichtert. Doch ein anderer fragte sich, was seine Mutter wohl mit „Überraschung" gemeint hatte.

Und ob er diese Überraschung überhaupt haben wollte.

Davids AbenteuerreiseGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt