Der Montagmorgen begann wie immer – früh und etwas zu schnell für David. Die Sonne war kaum aufgegangen, als ihn seine Mutter mit einem leichten Klopfen an der Tür weckte.
„David, es ist Zeit aufzustehen, wir müssen uns beeilen!"
David öffnete die Augen, noch benommen von dem Schlaf, der ihm nicht lange genug gegönnt worden war. Der Gedanke an das Praktikum in der Kita kam ihm in den Kopf, und sofort stieg eine Welle der Unsicherheit in ihm auf. Praktikum. In der Kita. Was würde ihn da erwarten? Aber noch war er nicht ganz wach und ließ sich widerstandslos ins Badezimmer schleifen, um schnell die Zähne zu putzen und sich frisch zu machen.
„Hier, dein Toast", sagte seine Mutter, als sie ihm das Frühstück hinstellte. Sie hatte es mit Nutella bestrichen, und David verschlang es fast, ohne groß nachzudenken. Es war ein kleiner Trost inmitten der vielen Gedanken, die in seinem Kopf herumwirbelten. Nutella. Das liebte er. Es erinnerte ihn irgendwie an Kindheit, an Dinge, die immer gleich blieben – so wie seine Mutter, die immer wusste, was er brauchte. Doch mit dem Gedanken an das Praktikum kam auch eine leise Unruhe. Wie würde der Tag werden? Würde er sich dort zurechtfinden? Oder würde seine Mutter ihn wieder zu etwas drängen, das er nicht wollte?
„Du solltest dich beeilen", rief Lisa von unten, und David fühlte einen Hauch von Druck in ihrer Stimme. Es war immer das gleiche – nie genug Zeit, um einfach mal durchzuatmen. Immer das Gefühl, dass er in einem Rennen war, das er nicht gewonnen hatte.
Nachdem er das Frühstück hastig heruntergeschlungen hatte, ging es weiter ins Bad. „Zähne putzen und frisch machen, David!", rief Lisa ihm noch einmal hinterher. Ihre Stimme war ruhig, aber mit einem Hauch von Strenge, der David zeigte, dass es keine Option gab, sich Zeit zu lassen.
Wieder in seinem Zimmer stand er vor dem Kleiderschrank und starrte auf die Kleidung, die er anziehen sollte. Was war eigentlich richtig für so ein Praktikum? Normale Kleidung oder eher etwas Bequemes? Die Gedanken kamen und gingen, aber sie fühlten sich alle verwirrend und ungeklärt an. Sollte er das tun, was seine Mutter ihm aufzwang? Oder sollte er endlich mal für sich selbst entscheiden, was richtig war? Doch dann überkam ihn die Müdigkeit, die Unlust, sich mit all dem auseinanderzusetzen. Es war zu viel zu tun, zu viel zu bedenken. Und letztlich wusste er, dass seine Mutter sowieso schon die Antwort hatte.
Lisa hatte das natürlich bemerkt. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er zu unsicher war, um sich jetzt selbst zurechtzufinden. Ein leises Seufzen entglitt ihr, dann trat sie ins Zimmer und öffnete den Schrank, als wüsste sie genau, was zu tun war. „Hier, zieh das an", sagte sie und legte eine lange Thermohose und ein passendes Thermoshirt in Blau auf das Bett. „Pack noch eine Jogginghose und einen Pullover ein für den Notfall. Es wird kalt heute." Ihre Stimme war ruhig, aber mit einem festen Unterton, der keinen Widerstand duldete. „Zieh dich jetzt um, David."
David nahm die Sachen wortlos an. Es war wie immer. Es war leichter, nichts zu sagen und einfach zu gehorchen. Denn was brachte es schon, sich aufzulehnen? Es würde nichts ändern. Und irgendwie konnte er sich nicht dagegen wehren, dass er immer noch in diesen kindlichen Klamotten festhing. Wurde er nicht langsam zu alt dafür? Vielleicht war das der Grund, warum er sich nicht wirklich „erwachsen" fühlte – seine Mutter behandelte ihn noch immer wie ein Kind, als könnte er gar nicht selbst entscheiden, was für ihn richtig war. Doch anstatt diese Gedanken weiter zu verfolgen, zog er sich langsam um, immer noch halb im Schlaf.
Als er fast fertig war, stand Lisa plötzlich wieder im Raum. Sie sah ihn an, als ob sie noch etwas bemerkte, und nickte dann zufrieden. „Gut, aber vergiss nicht deine Gummistiefel und die Matschklamotten. Wir haben keine Zeit mehr."
„Was?", fragte David, als er auf die Uhr sah und sich plötzlich hetzen wollte. Doch seine Mutter war schneller. Ohne ein weiteres Wort ging sie zum Regal im Flur, das für ihn wie eine kindliche Sammlung an Klamotten wirkte, die viel zu klein und zu niedlich für einen 17-Jährigen waren. Sie griff nach der blauen Matschjacke, der Matschlatzhose und den schwarzen Gummistiefeln.
David blickte auf die Klamotten, dann auf seine Mutter. „Das ist doch nicht dein Ernst...", murmelte er, während er den Widerstand in sich spürte. Aber er wusste, was passieren würde, wenn er sich weigerte. Nichts. Es würde trotzdem so weitergehen. Also nahm er die Sachen entgegen, ohne viel zu sagen.
„Schnell, zieh sie an! Sonst kommen wir zu spät", sagte Lisa mit einem festen, aber liebevollen Blick. David fühlte sich, als würde er in die Rolle eines Kindes gedrängt – ein Kind, das keine Entscheidungen treffen durfte. Es war zum Verzweifeln. Doch er zog die Gummistiefel an, dann die Matschlatzhose und schließlich die Jacke. Als er die Jacke fast zu hatte, zog Lisa ihm noch die Kapuze über den Kopf. Es war eine Geste, die mehr sagte, als Worte es je könnten.
„Na, super, klappt doch", sagte sie zufrieden. Ihre Stimme war jetzt sanft und beruhigend, fast wie ein sanfter Druck, der ihn dazu brachte, sich sicher und geborgen zu fühlen. Doch in ihm brodelte ein innerer Widerstand. Wurde er wirklich in solchen Klamotten zur Arbeit geschickt? Doch der Gedanke verschwand genauso schnell, wie er gekommen war. Es war eben so. Und er hatte keine Wahl.
„Komm, wir müssen los", rief seine Mutter und steckte ihm noch schnell ein kleines Feuerhalstuch über den Kopf, das er ohne Protest anließ. Der Tag begann, und David fühlte sich, als hätte er nicht viel zu sagen. Es war ein Tag wie jeder andere, nur eben anders.
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Davids Abenteuerreise
AlteleDavid kämpft mit dem Wunsch nach Kindheit und Geborgenheit. Als seine Mutter Lisa das Geheimnis entdeckt, steht sie vor der Herausforderung, ihren Sohn zu verstehen und ihn auf seinem Weg zu unterstützen. Ein emotionales Gespräch entfaltet sich, da...
