Endlich war es so weit! Das Fest fand morgen statt und ich konnte meine Vorfreude kaum zügeln. Leider hatten Leon und Damian abgesagt, da sie bei ihren schwangeren Frauen bleiben wollten. Sie mussten sich in dieser besonderen Zeit etwas schonen. Es war wirklich schade, denn ich hätte Hannah und Cassy gerne wieder getroffen. Sie haben jedoch versprochen, uns bald zu besuchen.
Aufgeregt blickte ich aus dem Fenster. Obwohl ich das Auto bereits gehört hatte, konnte ich es noch nicht sehen. Überglücklich hüpfte ich an Ash vorbei, der mich mit verwunderten Augen ansah.
Als ich die Tür öffnete, rannte ich nach draußen und sprang in Rays Arme. Ich hatte ihn so sehr vermisst!
< Ich freue mich so sehr, dass ihr wieder da seid! > rief ich und umarmte anschließend Chris herzlich. Er umarmte mich zurück und nickte Ash zu, der hinter uns stand.
Sie haben eine Reise unternommen und wollten ihre Verbundenheit feiern, fast wie bei Flitterwochen. Als sie damals von Leon erfahren haben, hatten sie eigentlich sofort zurückkehren wollen, aber sie waren auf einer Insel gestrandet. Zum Glück hat sich alles zum Besten gewendet.
< Wie geht es euch? Wie war die Reise?> fragte ich sie und wartete gespannt auf ihre Antwort.
< Die Reise war wunderschön und wir haben uns noch besser kennengelernt. Außerdem kommen wir gerade von Adrian. Er lässt euch ganz herzlich grüßen. Die Bauarbeiten entwickeln sich hervorragend, und bald können wir die Eröffnung feiern.> erzählte Ray mit einem strahlenden Lächeln.
Adrian hatte eine seiner Firmen verkauft und Umbauten an der Villa vorgenommen. Er plante, daraus einen Zufluchtsort für Waisenkinder und bedürftige Wandler zu schaffen.
Adrian hat uns bereits telefonisch mitgeteilt, dass seine Ziehmutter nach der Bekanntmachung von Adrians Herkunft ihre Bankkonten geleert hat und verschwunden ist. Nach dem Tod des Ziehvaters erhielt Adrian den gesamten Besitz, während die Frau lediglich den Pflichtanteil des Erbes erhielt.
Adrian kümmerte sich nicht darum, wohin sie gegangen war. Vielleicht war das auch ganz gut so, denn so konnte er sich beruhigt fühlen. Es wäre ihm schwergefallen, sich zu beherrschen, da er sehr wütend über die Entführung gewesen war und nun endlich die Gelegenheit hatte, seine leibliche Familie kennenzulernen.
Es war wohl eine Art Schicksal. All die Ereignisse, die sich so entfaltet haben, führten letztendlich dazu, dass wir alle – mich eingeschlossen – unsere Familien wiederfanden. Zudem gab es auch die Möglichkeit, neue Freundschaften und Verbindungen zu knüpfen.
Wir waren gerade dabei, ins Haus zu gehen, als plötzlich drei schwarze SUVs heranbrausten. Der Kies wirbelte umher, als sie mit quietschenden Reifen zum Stehen kamen. Neugierig beobachteten wir, wie die Insassen ausstiegen. Es war beeindruckend zu sehen, wie anmutig und selbstbewusst diese Gruppe wirkte. Der Anblick der Leibwächter ließ mich frösteln.
< Das sind Vampire >sagte Ray und trat vor uns. Ich war eigentlich optimistisch, denn schließlich mussten sie mit ihren Fahrzeugen an der Grenzpatrouille vorbeigekommen sein. Das bedeutete, dass sie registriert waren.
< Was haben die hier zu suchen?> fragte Chris und stellte sich näher zu Ray.
Chris kannte bis jetzt nur Samara und Brendan und ich konnte gut nachvollziehen, warum er besorgt war.
Ein beeindruckender und stattlicher Mann stieg aus dem Wagen und schaute sich um. Er hatte ein sehr ansprechendes Gesicht, aber sein Alter ließ sich nur schwer einschätzen.
Als er mich erblickte, schenkte er mir ein freundliches Lächeln. Etwas zögerlich nickte ich zurück, doch fühlte ich mich in dieser Situation ein wenig unbehaglich.
In diesem Augenblick öffnete sich die Haustür, und mein Vater kam mit meinem kleinen Bruder auf dem Arm heraus. Ich schlug mir leicht an die Stirn. Hatte er denn wirklich nicht bemerkt, dass auf seiner Schulter Welpenkotze war?
< Baron Gèrad, es ist lange her! Ich hoffe, Ihre Anreise verlief angenehm. > sagte er freundlich und trat auf ihn zu.
Gerade als er an mir vorbeigehen wollte, nahm ich ihm den Kleinen ab und wies ihn auf den Fleck hin. Es schien ihm jedoch nicht wichtig zu sein. Er legte lediglich ein Handtuch darüber und schüttelte dem Baron eifrig die Hand.
Beide machten sich auf den Weg in den Garten und unterhielten sich lebhaft, während die Leibwächter ihnen folgten.
Gerade wollte ich mit den Jungs ins Haus gehen, als plötzlich eine Vampirin aus dem Barontrupp hinter uns auftauchte und leise zischte.
< Gefährte. > Mehr sagte sie nicht. Als sie dann einen Schritt auf uns zu machte, hielt sie ein anderer aus der Gruppe am Arm zurück und sprach beruhigend mit ihr.
Ich fragte mich, wer von ihnen wohl ihr Partner sein könnte. Hoffentlich nicht mein kleiner Bruder. Sowas könnte ja nur allzu gut schon einmal passiert sein. Den Gedanken wischte ich jedoch wieder beiseite und lenkte meine Aufmerksamkeit auf die wütende Vampirin, die Ray fixierte. Da Ray sich nicht rührte und auch kein Wort sagte, fauchte sie, was zu Tränen bei meinem kleinen Bruder führte. Das machte mich so wütend, dass ich ihn kurzerhand Chris in die Arme legte und mich an Rays Seite stellte.
Ein tiefes, bedrohliches Knurren aus den Abgründen meines Körpers ließ sowohl Ray als auch die Vampirin zusammenzucken.
< Was willst du? Ray und Chris sind Gefährten, und mein Bruder ist noch ganz klein. Also übertreibe es nicht. Dein Gefauche macht ihm Angst. > konfrontierte ich sie.
In diesem Augenblick ertönte ein so lautes Knurren, dass ich zusammenzuckte. Plötzlich erschien mein Vater und blickte sie eindringlich an. Mein Bruder war völlig aufgebracht und ließ sich nicht beruhigen.
< Carina, was ist hier los? Warum fauchst du und bringst den kleinen Welpen zum Weinen?> fragte der Baron mit Nachdruck, und Carina wirkte ganz klein und eingeschüchtert. Ihre Schultern hingen fast bis zum Boden, und ich empfand fast wieder Mitgefühl für sie. Der Anblick des Barons war wirklich furchteinflößend.
< Er ist mein Gefährte, doch er scheint das nicht zu bemerken. > flüsterte sie und sah wieder zu Ray. Ich beobachtete, wie er langsam den Kopf schüttelte und nach Chris' Hand griff.
< Das kann nicht sein. Chris ist mein Gefährte, und ich habe ihn bereits markiert. > ließ sein Tonfall keinen Zweifel offen.
< Ich kann es ganz deutlich spüren. Du bist mein Gefährte.> entgegnete sie und machte einen Schritt auf ihn zu. Sie wirkte entschlossen, aber in dieser Situation musste es ja einen Grund geben, also dachte ich intensiv darüber nach.
Ich blickte zu Ray und seufzte laut, sodass alle Blicke auf mich gerichtet waren.
< Adrian. > sagte ich lediglich und beobachtete, wie die Erkenntnis bei Ray einsetzte. Sicherlich hatte er seinen Bruder umarmt, und außerdem waren sie den ganzen Tag zusammen gewesen.
< Ich hatte Adrian umarmt und trug ein Shirt von ihm. Ich hatte Farbe auf meines bekommen. Wir sollten ihm gleich Bescheid geben. > sagte er. Ich sah, wie Carina zu strahlen begann.
< Carina, du solltest es langsam angehen. Adrian ist noch nicht lange ein Wolf. Er hat sich erst vor kurzem verwandelt und wird mit der Situation etwas überfordert sein. Gib ihm Zeit.Ich werde gleich mit ihm telefonieren.> versprach ich ihr und ging schon einmal ins Haus, um es Adrian schonend beizubringen.
DU LIEST GERADE
LITTLE WOLF
LobisomemDas Moon Lake Rudel findet auf seinem Territorium eine Fremde Verletzte Wölfin. Sie versuchen alles daran zu setzten um herauszufinden, wer das getan hat und warum! Wer ist die Wölfin? Wo kam sie her? Wer wollte ihren Tot? Denn das jemand ihren Tot...
