66. Adrian / Liam

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Es war schon eine Weile her, dass mein Bruder Ray und Chris, sein Gefährte, weggefahren waren. Ich konnte mich nicht genau erinnern, wie lange es her war. Dann erhielt ich einen Anruf von Selina, die mich gebeten hatte, zu ihnen zu kommen. Es schien ihr wirklich am Herzen zu liegen, denn sie gab nicht auf. Dabei überkam mich ein mulmiges Gefühl.

Selbst mein Wolf wurde unruhig. Es war ein merkwürdiges Gefühl, nicht mehr alleine im Körper zu sein. Doch ich musste mich daran gewöhnen. Ray hatte mir gezeigt, wie es ist, ein Wolf zu sein, und zum Glück ging die Verwandlung immer schneller und schmerzfreier vonstatten. Es war ein tolles Gefühl, den Wind im Fell zu spüren. Es war wie ein Wunder. Die Welt sah auf einmal viel bunter und vielfältiger aus. Man hatte das Gefühl, verbundener mit der Natur zu sein.

So kam es, dass ich mich auf den Weg zu Logans Rudel machte. Die Grenzkontrolle ließ mich passieren, und so stand ich vor dem Rudelhaus. Ein paar schwarze SUVs standen davor. Das hieß wohl, dass die ersten Gäste schon eingetroffen waren.
Selina kam durch die Tür und strahlte sofort. Sie hatte mir zum Glück verziehen, und wir verstanden uns blendend. Ash war immer noch etwas skeptisch.

Denn immerhin wollte ich sie damals für mich beanspruchen.
Ich liebte sie dennoch, und sie war ein Teil meines Lebens.
< Endlich bist du da. > rief sie und zog mich ins Haus. Ich fand es merkwürdig, denn keine Menschenseele war zu sehen.
Skeptisch nahm ich im Wohnzimmer Platz und beobachtete, wie sie nervös versuchte, zwei Gläser mit Wasser zu füllen.

<Was ist los? Warum bist du so nervös?> fragte ich sie und hielt ihre zitternden Hände.

Selina holte Luft, um zu antworten, als ich ein Fauchen hörte. Ich drehte mich um und sah ein hübsches Mädchen, das Selina böse anfunkelte. In diesem Moment knurrte ich und stellte mich schützend vor Selina.

So wie es aussah, gefiel ihr das gar nicht, denn sie kam weiter auf uns zu. Ich knurrte tiefer. Meinen Wolf ignorierte ich völlig; er wollte, warum auch immer, zu ihr und sie in die Arme nehmen. Aber ich unterdrückte ihn so gut es ging. Niemals würde ich es zulassen, dass Selina verletzt wird, und fuhr die Krallen aus. Ich beobachtete die Fremde genau und war bereit zuzuschlagen. Selina legte ihre Hand auf meinen Arm und ihre andere Hand an meine Wange. Sie lächelte mich an und wollte gerade etwas sagen, als die Fremde wieder fauchte. Ich zog die Krallen ein, schnappte Selina und rannte aus dem Raum.

< Was machst du da? Lass mich runter. Du musst mich nicht retten. > rief sie. Doch ich ließ mich nicht beirren.

Wir verließen das Haus und ich rannte in den Wald hinein. Selina hatte aufgegeben, zu brüllen und sich zu wehren. Langsam kam ich zum Stehen und setzte Selina auf einen Baumstumpf ab. Ich sah mich um und überprüfte das Gelände, als es im Unterholz knackte und ein anderer Vampir hervorkam. Hinter ihm die fauchende Vampirin. Ich stellte mich in Angriffsposition und knurrte tief.

< Verschwindet, oder ich kann für nichts mehr garantieren.> brüllte ich und schob Selina weiter hinter meinen Rücken.

< Du bist mein Gefährte. Warum tust du das? > fragte meine angebliche Gefährtin. Ich sah sie fassungslos an. Wie konnte sie meine Gefährtin sein, wenn sie jede Frau in meiner Umgebung bedrohte? Hatte sie ihren Verstand verloren?
Mein Wolf kämpfte immer noch. Ich versuchte, so gut es ging, gegen ihn anzukämpfen. Ich vermittelte ihm, dass die Frau eine Bedrohung für Selina wäre, aber er ignorierte es. Also bekämpfte ich ihn entschlossener.

<Liam, sie ist deine Gefährtin. Beruhige dich.> Hörte ich meinen Bruder sagen, was mich noch wütender machte. An meinen richtigen Namen hatte ich mich immer noch nicht gewöhnt.

< Ray. Ich kann das nicht. Sie hat Selina bedroht. Ich könnte niemals mit jemandem zusammen sein, der Personen, die mir etwas bedeuten, bedroht. Was ist, wenn sie jede Frau tötet, mit der ich mich unterhalte? Es ist das Band, das nicht von mir kommt. Mein Wolf tobt in mir, und ich kann ihn nicht mehr lange aufhalten. Ich will nicht, dass er etwas tut, was ich mein ganzes Leben lang bereuen werde, sprach ich meine Bedenken aus.

< Willst du mich ablehnen, bevor dein Wolf mich markieren kann? Ist das dein Ernst? Warum tust du das? >rief die Unbekannte. Der Schmerz wurde immer schlimmer. Mein Wolf wollte zu ihr und sie trösten. Er verstand nicht, was hier vor sich ging. In diesem Moment kam Logans Vater, Daniel, und ein Vampir aus dem Unterholz. Er hatte eine starke Aura.
Ich ging davon aus, dass er ein Oberhaupt der Vampire war.

< Liam, beruhige dich. > hörte ich Daniel sagen.
< Warum soll ich mich beruhigen? Sie ist es doch, die Unruhe stiftet. Sie hat Selina bedroht, und ich soll mich beruhigen? Am besten noch die Kontrolle über meinen Wolf überlassen, damit er sie gleich markieren kann? Nein. Ich werde mich nicht zwingen lassen, jemanden zu lieben. > brüllte ich und ging auf die Knie. Der Schmerz war in diesem Moment so überwältigend, dass ich nicht mehr stehen konnte.

Ich spürte, wie die Kraft mich verließ, und glitt in die Dunkelheit. Mein letzter Gedanke war, dass ich hoffentlich nicht markiert aufwachte.

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 15, 2025 ⏰

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