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V A L

Ich muss nicht lange suchen, denn nach kurzer Zeit finde ich Johnny im Poolhaus. Wir sind früher als Kinder immer hier her gekommen, wenn wir mit jemanden Streit hatten oder unsere Eltern uns etwas verboten haben. Oder wir kleine Partys geschmissen haben.

Das Poolhaus ist über den Winter nicht beheizt, also wickle ich mir meine Wollweste enger um meinen Körper, als ich eintrete. Mein Bruder sitzt auf der Couch, die Schultern hängen herab und das Lächeln, das ich an ihm so mag, ist verblasst. Er sieht auf, schmeißt die Fernbedienung auf dich Couch neben sich und zieht die Mundwinkel nach unten. Über den Fernseher flimmert ein alter Weihnachtsfilm.

„Wegen mir musstest du das Essen nicht stehen lassen.", murmelt er und richtet seinen Blick auf den Film. Aber seine Augen folgen dem Geschehen nicht, sie starren ins Leere.

Ich schließe die knarzende Tür hinter mir, um nicht noch mehr Kälte hier reinzulassen und setzte mich neben ihm auf das Sofa. Ich rutsche tiefer und bette meinen Kopf auf seiner Schulter. Johnny als großen Bruder zu haben ist ein Geschenk. Er hat eine weiche, warme Seele, tut keiner Fliege was zu leide und ist da. Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Manchmal vergesse ich, was für ein besonderes Glück ich habe. Johnny und Jasper sind meine beiden Anker. Leider sehen wir uns viel zu selten aber wir zählen aufeinander. Dennoch bekomme ich Schuldgefühle, weil ich oft nicht ehrlich zu ihnen bin. Sie sind für mich da, ich weiß, dass sie alles für mich tun würden, aber dennoch habe ich es nicht geschafft, ihnen immer alles anzuvertrauen. Das tue ich heute auch noch nicht.

„Mir ist der Appetit vergangen.", murmle ich zurück.

Eine Weile folgen wir dem Film, der sich als überaus kitschig entwickelt. Aber keiner von uns macht Anstalten umzuschalten, da wir beide gedanklich Meilen weit weg sind. Ich kann mir nur vorstellen, was in Johnny's Kopf vor sich geht.

„Erzähl mir von Sarah. Ich habe sie schon ewig nicht mehr gesehen.", bitte ich ihn sanft und hoffe, er lässt sich dazu erweichen über sie zu reden. Johnny ist Meister darin, seine Gefühle zu verbergen. Öfter braucht er einen Schubs, damit er mit uns spricht.

Wenn ich mich nicht täusche, kann ich ein kleines Lächeln hören. „Jasper hat recht, sie echt viel zu heiß für mich.", murmelt er lächelnd.

„Quatsch, du bist ein toller Kerl, Johnny. Jede Frau wäre blind, wenn sie an dir vorbeischauen würde.", sage ich und hoffe, die Worte fruchten bei ihm. Denn es ist die Wahrheit. „Du bist angehender Arzt und du hast die besten Gene von beiden Seiten abbekommen. Gutaussehend und schlau."

„Und dennoch habe ich sie zweimal um ein Date bitten müssen, bis sie zugestimmt hat.", beichtet er und rutscht tiefer in das Sofa hinein. Er seufzt leise.

„Also erzähl schon, wie ist sie so.", dränge ich und knuffe ihn in die Seite. Er zuckt zusammen und kichert. Immer noch verdammt kitzelig.

„Ist ja schon gut.", sagt er. „Sarah ist umwerfend, sie ist voller Leidenschaft und wir verstehen uns, wie teilen ähnliche Gedanken und ich kann mit ihr über alles reden. Sie hört zu und versteht mich."

Meine Lippen verformen sich zu einem ehrlichen Lächeln, weil ich mich so freue. „Das hört sich perfekt an, Johnny. Ich freu mich für dich und ich hoffe sehr, dass sie dich glücklich machen wird. Du hast es verdient."

Er nickt. „Ja, das tut sie. Daher tut die Reaktion der beiden umso mehr weh.", gibt er zu.

„Du weißt ja wie sie sind. Niemand kann es ihnen recht machen und ganz ehrlich, die Sache mit den Harrisons sollten sie langsam mal vergessen.", sage ich. „Sie haben keinen Grund sich so aufzuspielen."

The Game - Kingston University Band 2Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt