Kurz darauf sitze ich mit Aiden zusammen in seinem Auto und wir fahren, ja - wohin eigentlich? "Wir fahren zu einer Freundin.", sagt Aiden, als ob er Gedanken lesen könnte. Ist es nur eine Freundin, oder ist es seine Freundin, frage ich mich in Gedanken. Und wieder antwortet Aiden, als hätte er meine Gedanken gelesen. Unheimlich. "Naja, es ist nicht nur eine Freundin, ich bin mit ihr zusammen. Ich habe dir ja gestern von ihr erzählt." Ich nicke stumm. "Wie heißt sie eigentlich?" - "Evelyn.", erwidert er knapp. Seine Stimme klingt dunkler, härter, sie klingt, als ob er wütend wäre. Aber warum sollte es ihn wütend machen, wenn ich nach dem Namen seiner Freundin frage? Und warum denke ich überhaupt über diese Nichtigkeit nach? "Was ist?", fragt er mit einen Seitenblick zu mir. "Was wirst du ihr erzählen?" Auf seinen fragenden Blick sage ich: "Warum ich bei ihr auftauche. Ich glaube nicht, dass du ihr sagen möchtest, dass du mich entführt hast, oder?" Sein Blick zeigt mir, dass er darüber noch gar nicht nachgedacht hat. Habe ich mir doch gedacht.
Kurze Zeit später parkt Aiden vor einem Haus. "Wohnt sie da?" - "Wir wohnen zusammen da.", berichtigt er mich. "Ich dachte, ihr hättet gar nichts?" - "Das Haus hat ihrer Familie gehört. Sie will es behalten. Es ist schon einige Generationen im Familienbesitz.", klärt er mich auf. Wir gehen zur Tür und Aiden klingelt. "Ich dachte, du wohnst auch in dem Haus. Wie kommt es dann, dass du klingeln musst?" - "Es gibt nur einen Satz Schlüssel." Das klingt einleuchtend. Eine Sekunde bevor die Tür aufgeht, merke ich, dass Aiden mir gar nicht gesagt hat, welche 'Krankheit' Evelyn hat. Das einzige, was ich über sie weiß, ist, das Aiden sie liebt und dass sie: 'nicht ganz gesund ist', wie Aiden es ausgedrückt hat. Doch bevor ich ihn fragen kann, geht die Tür auf.
[A/N Ich hätte das Kapitel ja gerne hier beendet, aber dann habe ich gedacht: Das kann ich euch nicht antun, so ein kurzes Kapitel :) Ich habe trotzdem eine Frage an euch. Vielleicht könnt ihr sie ja beantworten, bevor ihr weiterlest. Was glaubt ihr, hat Evelyn?]
"Aiden? - Scheiße! - Was machst du hier?", fragt eine wunderschöne zierliche Frau. Ihr Gesicht ist voller Güte und ihre Augen strahlen, während sie Aiden ansieht. Einzig und allein das Wort 'Scheiße' verwirrt mich, es passt nicht zu ihr. Sie läuft zu Aiden und dann küssen sie sich. Es sieht unglaublich süß aus. Doch Aiden schiebt sie zurück. "Das ist Emma.", stellt er mich vor. Erst jetzt scheint Evelyn mich wahrzunehmen. Sie reicht mir eine Hand. Ich ergreife sie. "Es freut mich - Verdammt! - dich kennenzu - Scheiße! - lernen, ich heiße - Hau ab! - Evelyn." Ich sehe Aiden bei jedem Schimpfwort erneut zusammenzucken. Ich habe schon mal von dieser Krankheit gehört. Tourrette-syndrom heißt sie. Ich weiß, dass Leute die diese 'Krankheit' haben, nichts dafür können, trotzdem bin ich wie gebannt. Es fällt mir schwer, sie nicht anzustarren. Aber als ich in ihre Augen schaue, tut es mir total leid, dass ich sie so angestarrt habe. "Es tut mir leid. Aiden hat es mir nicht erzählt." - "Du findest mich abstoßend, oder?" Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Oh Gott, sie muss schon viele schlechte Erfahrungen gesammelt haben. "Nein. Mein erster Eindruck von dir ist, dass du eine sehr liebenswerte Person bist." Ich umarme sie ein wenig unbeholfen, um sie zu trösten. Auch Aiden legt ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Kommt doch - Scheiße! -rein.", bietet sie an, als sie sich wieder beruhigt hat. "Kann ich kurz ins Bad? Es war eine lange Fahrt. Aiden? Kannst du mir zeigen wo das Bad ist?", frage ich ihn. Er nickt nur. Auf dem Weg frage ich ihn, ob er eine Idee hat, was er Evelyn über uns erzählt. Ich will ihm seinen Plan ja nicht kaputt machen. Doch es stellt sich heraus, dass er nicht weiß, was er ihr erzählen soll. Ich teile ihm mit, dass ich einen Plan habe. "Unsere erste Begegnung war ein Zusammenstoß vor meiner Schule. Vor etwa einem halben Jahr. Okay?" Er nickt. "Den Rest denke ich mir spontan aus." Er nickt wieder. Dann gehe ich ins Bad und endlich aufs Klo. Aiden geht zurück zu Evelyn.
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Mein Leben - schlimmer als ein Alptraum
Teen FictionEmma wurde schon einmal mit einer Pistole bedroht. Das ist nichts Positives, aber es macht sie dennoch zu etwas Besonderem. Emma glaubt außerdem, dass ihr jetzt nichts Schlimmes mehr passieren kann. Als allerdings ein Amokläufer an ihre Schule kommt...
