T4~Es ist zu spät

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"Nicht schießen." Zehn Polizisten richten ihre Waffen auf mich. "Oh Gott. Emma!" Meine Mutter läuft auf mich zu. Vier Polizisten begleiten sie. "Ist das ihre Tochter?" - "Ja.", meint meine Mutter. "Wie bist du rausgekommen?", wollte einer der Polizisten wissen. "Dafür ist jetzt keine Zeit. Oben im ersten Stock kämpfen zwei Männer miteinander. Einer hat eine Schusswaffe." In diesem Moment tritt Lorent aus dem Haus. Wieder halten die Polizisten die Waffen auf ihn gerichtet. "Nicht schießen. Gehen sie doch endlich rein und helfen Sergej." Die Polizisten werfen sich bedeutungsvolle Blicke zu. "Okay." Sie machen sich auf den Weg ins Gebäude.

"Junge. Komm. Wie geht es deinem Arm?" Es ist der alte Polizist, der vorhin versucht hat, Lorent rauszuschlagen. "Mein Arm tut weh. Kann ich mich setzen?"  - "Klar." - "Danke." Er begleitet Lorent zum Wagen der Sanitäter. "Emma. Emma." Lorent sieht sich um. Verwirrung liegt in seinem Blick. "Ja. Ich bin hier." - "Emma." Er streckt seine Hand nach mir aus. Ich lege meine in Lorents ausgestreckte Hand. Er zieht mich zu sich. "Danke. Danke, dass du da warst. Warum hast du überhaupt nach mir gesehen?" - "Ist doch egal. Ich hab es getan." Lorent drückt mir einen Kuss auf die Stirn. Ich vergesse für einen Moment zu atmen. Schnell schiebe ich ihn weg. Er steht unter Schock. Er ist unzurechnungsfähig.
Er hat mich geküsst!
Warum hat er das getan? Ich betrachte ihn. Seine Lippen sind zusammengepresst, er muss wirklich große Schmerzen haben. Sein Gesicht ist mir so vertraut und doch ist er mir so fremd. Seine Nase, die ein wenig gebogen ist, über die sich meine Freundinnen immer lustig gemacht haben, weil sie ihrer Meinung nach fast wie der Schnabel eines Greifvogels aussieht. Seine dunklen Augen, seine unglaublich stark definierten Augenbrauen. Sein Gesicht, welches mir von stundenlangem Anstarren vertraut ist, ist immer noch bleich, nicht blass, nein, wirklich regelrecht weiß. "Emma. Setz dich neben mich.", bittet er. Er bittet mich, ich kann unmöglich nein sagen. Obwohl ein 'Nein' besser wäre, murmele ich ein "Na gut." Er rutscht ein Stück zur Seite, trotzdem berühren sich unsere Oberschenkel als ich mich hinsetze. Langsam fällt die Anspannung unter der ich im Schulgebäude stand, ab und weicht der meiner Verliebtheit eigenen Nervosität. Aber ich kann mich noch nicht vollständig von ihr einnehmen lassen, nicht solange es ungewiss ist, was mit Sergej passiert ist. Sergej ist der Held der Geschichte. Er hat Lorent verbunden und in Kauf genommen, draufzugehen, um uns zu retten.

Xxx

Es sind bange Momente, bis endlich sechs Personen aus dem Schulgebäude treten. Sergej wird links und rechts von je einem Polizisten gestützt, beziehungsweise getragen. Die anderen beiden Polizisten führen Aiden zwischen sich. Die Sanitäter stellen eine Liege bereit, kurz bevor Sergej sie erreicht, klappt er zusammen. Sechs Leute heben ihn gemeinsam hoch und legen ihn ab. Ich weiß, dass ich nicht im Weg rumlaufen sollte, aber ich muss zu ihm. Ich stehe auf, bewege mich auf ihn zu. Er sieht schlecht aus. Aus einer Wunde irgendwo an seinem Bauch läuft Blut. Massiv viel Blut. "Wir müssen ihm Blut geben.", meint einer der jüngeren Sanitäter. Hektisch will er in den Wagen, vermutlich um Blutkonserven zu holen, doch ein älterer Sanitäter hält ihn zurück. "Erst einmal die bestehenden Blutungen stoppen." Der Alte klingt routiniert und ruhig und die von ihm ausgehende Ruhe überträgt sich auf mich. Sofort fühle ich mich ein klein wenig entspannter.

Mein Leben - schlimmer als ein AlptraumGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt